Hausbau in Pellingen: Bald alles inklusive

Hausbau in Pellingen: Bald alles inklusive

Die Gemeinde Pellingen ist hochverschuldet. Das liegt unter anderem daran, dass das Baugebiet Höthkopf/Stückelgrube zwar erschlossen ist, aber nur wenige Grundstücke verkauft sind. Jetzt will die Gemeinde durch Komplettangebote für Grundstück und Häuser Bauherren zu finden.

Pellingen. Rund 40 unverkaufte Grundstücke im Neubaugebiet Höthkopf/Stückelgrube muss die Ortsgemeinde Pellingen an den Mann oder die Frau bringen. Nur so kann sie ihren rund drei Millionen Euro betragenden Schuldenberg zu einem überschaubaren Hügel schrumpfen lassen. 2,5 Millionen hat allein die Erschließung des ersten Bauabschnitts gekostet, für den im April 2007 der erste Spatenstich getan wurde.

Bauabschnitt eins sollte 48 von 82 Häusern aufnehmen. Schon im Dezember desselben Jahres wurden alle Erschließungsarbeiten abgenommen.

Der damalige Bürgermeister Dieter Hennen hatte beim ersten Spatenstich das Vorhaben noch so beschrieben: "Es ist für uns ein gewaltiges Projekt, das eine riesige Portion an Kraft, Zeit und Anstrengungen in Anspruch genommen hat. Es ist von der Summe her sicherlich das größte Projekt, das Pellingen je erschlossen hat." Hennen sprach damals von "25 bis 30 ernsthaften Kauf- und Bauinteressenten".

Die anfängliche Euphorie wurde jedoch angesichts der Verkaufszahlen gedämpft. Laut Hennen-Nachfolger Horst Hoffmann sind noch 39 Bauplätze nicht verkauft.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung präsentierte Hoffmann ein Modell, das die Trie rer Immobiliengesellschaft Müller und Co. KG gemeinsam mit dem Architekten Thomas Kunkel entwickelt und der Gemeinde Pellingen vorgeschlagen hat: Müller und Kunkel besorgen die Komplett-Vermarktung von zunächst fünf Grundstücken und Häusern.

Vier Haustypen zur Auswahl



Kunkel hat vier Haustypen entworfen, deren preiswerteste Variante als "Paket" inklusive Grundstück rund 234 000 Euro kostet.

Die teuerste Variante der vier liegt laut dem Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft Müller, Raimund Müller, bei zirca 267 000 Euro. Wer einen Keller haben will, muss tiefer in die Tasche greifen. Preisabweichungen sind, je nach Ausstattung und eventuellen Eigenleistungen, nach oben und unten möglich. Die Häuser entstehen in Massivbauweise in Kooperation mit namhaften Partnern aus der Region unter Kontrolle öffentlich bestellter Sachverständiger. Die Wohnflächen sind variabel aufteilbar.

Müller und Kunkel sind zuversichtlich, dass das Modell funktioniert und haben bereits Interesse an der Vermarktung der restlichen Bauplätze und Häuser signalisiert. Der Gemeinderat akzeptierte die von der Immobiliengesellschaft und dem Architekten angebotene Konzeption einstimmig.





Meinung

Eine Chance für die Gemeinde

Eine Immobiliengesellschaft soll der Gemeinde Pellingen helfen, Baugrundstücke zu verkaufen. Auf den ersten Blick ist es vielleicht nicht sinnvoll, einen Entwicklungsträger einzuschalten, wenn keine Nachfrage für Bauland da ist. Trotzdem ist der Ansatz interessant. Die Zusammenarbeit mit einer privaten Immobiliengesellschaft könnte sich sogar auszahlen. Denn ein Unternehmen hat ganz andere Möglichkeiten, das Bauland zu vermarkten als eine Gemeinde. Es könnte so eine Nachfrage schaffen. Richtig ist es auch, diesen Verkauf von Gesamtpaketen zuerst für fünf Grundstücke auszuprobieren. Hätte die Gemeinde der Immobiliengesellschaft erlaubt, alle Grundstücke schlüsselfertig zu vermarkten, könnte eine Art Wohnghetto entstehen, in dem die Häuser alle gleich aussehen. Das war ja eigentlich nicht geplant für das Baugebiet in Pellingen. Sollte das Konzept funktionieren, könnte sich die Gemeinde immer noch überlegen, das Projekt auf weitere Baugrundstücke auszudehnen. Pellingen käme ein Erfolg gerade recht. Denn mit dem einkalkulierten Verkaufspreis von 110 Euro pro Quadratmeter Bauland könnte die Gemeinde ihren maroden Haushalt sanieren. c.kremer@volksfreund.de