"Hausputz" im Wiltinger Land

"Es ist eine Erfolgsgeschichte", sagen die Beteiligten-Vertreter und meinen damit das Flurbereinigungs-Verfahren Wiltingen. Nach 22 Jahren Diskussionen, Datenabgleichen und langwieriger Verfahrensschritte konnte es zum Abschluss gebracht werden.

Wiltingen. 1300 Hektar, 1000 Teilnehmer und 1,5 Millionen Euro reine Kosten für die Umsetzung - das Flurbereinigungsverfahren Wiltingen, an dem auch die Gemeinden Kanzem, Schoden und Irsch beteiligt waren, dürfte zu einem der größten Verfahren gehören, die das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) Mosel vor Kurzem abgeschlossen hat.Alles unter die Lupe genommen

Ob Weinbau, Forstwirtschaft, Landschaft oder die Ortslage Wiltingen - die Flurbereinigung hat innerhalb der vergangenen 22 Jahre alles unter die Lupe genommen und die verschiedenen Interessen der Beteiligten in teilweise langwierigen Verfahren aufeinander abgestimmt. Nicht immer ist es schlecht, wenn die Projekte wie in diesem Fall Jahrzehnte in Anspruch nehmen. "Zum Glück wurden viele Maßnahmen nicht verwirklicht", sagt Ehrhard Halmer, Sachgebietsleiter beim DLR. Denn hätte man nach früheren Standards gehandelt, wäre man heute nicht mehr froh mit den Entscheidungen. Aber heute sind sowohl DLR als auch die Gemeinde Wiltingen und die Teilnehmergemeinschaft zufrieden. "Wir sind glücklich mit dem Ergebnis", sagt Günther Willems, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft, und betont: "Es ist alles friedlich abgelaufen." Es habe keine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht gegeben.Im Weinbau hat sich auf einer Fläche von 44 Hektar einiges getan. So wurde beispielsweise die Zusammenlegung der neuen Weinbergsflächen durch den Rückzug aus unwirtschaftlichen Nebenlagen möglich, so etwa aus den Lagen "Neuberg" und "Prawelts" in die Kern zonen "Schlossberg" und "Schlangengraben". Neue Weinbergsflächen wurden dank hangparalleler Wirtschaftswege erschlossen. Auch im etwa 955 Hektar großen Wald hat die Flurbereinigung vieles in Bewegung gebracht. Gab es zuvor viele kleine "Privatwald-Inseln", die sich im Gemeindewald verteilten, so wurden diese im Zuge der Umstrukturierung zu einer Fläche zusammengefasst und wegemäßig erschlossen. Letzteres passierte auch bei den Forstbeständen der Ortsgemeinde Wiltingen und der Gehöferschaft Schoden und Ockfen. Um das "Ägypten" ging es dagegen bei der Ortssanierung des Wiltinger Dorfkerns. Zudem wurden unter anderem die Kataster-Vermessung aus dem frühen 19. Jahrhundert in der Gemeinde erneuert und das Baugebiet "Steinrausch" mit neun Baustellen neu ausgewiesen. "Eine Besonderheit des Flurbereinigungs-Verfahrens war das Naturschutzgebiet Wiltinger Saarbogen", sagt Halmer und betont: "Die letzte Saaraue, die es gibt." Hier habe es vor allem eine weiträumige Ausweisung von Uferschutzflächen gegeben. Nun soll sich dort ein Biber angesiedelt haben (der TV berichtete).

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