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Hebammenzentrale in Trier eröffnet Telefonprobleme verzögern endgültigen Umzug

Hebammenzentrale mit Startschwierigkeiten : Hilfe für Babys läuft, das Telefon nicht

Seit Januar kümmert sich die Trierer Hebammenzentrale um hilfesuchende junge und werdende Eltern aus der Stadt und dem Kreis Trier-Saarburg. Allerdings hängt der endgültige Umzug in die neuen Räume an einem technischen Problem.

Hebamme Lina Neitscher ist froh. Denn nach langem Ringen um das Fördergeld des Landes hat die Hebammenzentrale in Trier, die erste in Rheinland-Pfalz, im Januar ihre Arbeit aufgenommen (der TV berichtete). Seitdem hat sich die 33-Jährige schon um 178 Anfragen von werdenden und jungen Eltern gekümmert, die entweder eine Hebamme gesucht oder fachliche Beratung zu den Themen Stillen, Beikost oder (Geburts-)vorbereitung haben. Außerdem füttert sie eine neue Datenbank mit Informationen über die freiberuflichen Hebammen in der Region. Mit Hilfe eines Computerprogramms können sich so alle Geburtshelferinnen im Kreis Trier-Saarburg mit ihren Kapazitäten und besonderen Qualifikationen registrieren. Bisher seien 22 von 56 in der Datenbank. Neitscher hofft darauf, dass sich möglichst alle registrieren.

Sie selbst arbeitet zur Hälfte als freiberufliche Hebamme und 19,5 Stunden pro Woche in der Zentrale. Acht Stunden sind von Montag bis Donnerstag jeweils von 10 bis 12 Uhr für Telefonberatungen vorgesehen. In den Sprechzeiten beantwortet sie Fragen von Eltern oder vermittelt die Anruferinnen an Hebammen mit freien Kapazitäten. Neitscher bietet nach telefonischer Absprache auch persönliche Termine in der Hebammenzentrale an.

Soweit klingt alles gut. Allerdings arbeitet Neitscher zurzeit noch in den Räumen  von Pro Familia in der Balduinstraße 6 in Trier. Die neuen Räume in der Südallee 37e kann sie noch nicht nutzen. Zwar hat Pro Familia, der vom Kreis Trier-Saarburg beauftragte Träger der Einrichtung, dort seit dem 1. Januar einen Untersuchungsraum, ein Büro, ein kleines Wartezimmer sowie ein Lager mit Kaffeeküche in der Praxis von Dr. Hirth angemietet. Aber die vier Räume im dritten Stock sind bisher wegen eines technischen Problems verwaist. Die Telefonleitung ist laut Pro-Familia-Chefin Claudia Heltemes bisher nicht freigeschaltet. Zwar habe die Telekom mehrfach versprochen, dass ein Techniker sich darum kümmern werde, das sei allerdings noch nicht geschehen, sagt sie am Dienstag. Wegen der Technikprobleme arbeite Neitscher bisher in der Balduinstraße. Heltemes: „Die Kollegin kann sich dahin setzen, wo ein Platz frei ist. Es wäre schon viel besser für die Außendarstellung und die Hebamme, wenn sie in den neuen Räumen arbeiten könnte.“ Verschärfend kommt hinzu, dass die nicht funktionierende Telefonnummer auf dem Infomaterial für die Zentrale stehe. Deshalb habe sich Pro Familia mit der Öffentlichkeitsarbeit für die Zentrale zurückgehalten.

Ein Besuch in der ersten Hebammenzentrale in Rheinland-Pfalz

Die Telekom zeigt sich am Dienstag auf TV-Anfrage hilfsbereit und macht sich auf Fehlersuche. Unternehmenssprecher Stephan Althoff sagt, dass der Anschluss bis zum Haus schon am 18. Januar bereitgestellt worden sei. Eine Störungsmeldung liege nicht vor. Er gehe von einem Problem bei der Telekommunikationsanlage vor Ort aus. „Wir werden hoffentlich heute oder morgen jemand in Trier erreichen, um das Problem zu lösen.“

Bis Redaktionsschluss am Dienstag hat das Unternehmen noch keine Lösung gefunden. Vielleicht klappt es aber bis Freitag, 12. April. Für diesen Tag plant der Kreis Trier-Saarburg einen Pressetermin in den neuen Räumlichkeiten, um sie vorzustellen. Dass der Kreis dazu einlädt, liegt daran, dass er sowie die Stadt Trier jährlich 10 500 Euro bis 2021 für die Hebammenzentrale investiert. Das Land fördert sie drei Jahre lang mit 25 000 Euro pro Jahr. Die Idee stammt jedoch vom Hebammenverband, der sie 2017 in die politische Diskussion eingebracht hatte.

Foto: TV/Christian Kremer

Mit der Zentrale wollen der Verband und die Kommunen den Hebammenmangel in der Region (der TV berichtete mehrfach) bekämpfen. Zwei Zahlen veranschaulichen den Mangel: Obwohl jede werdende Mutter ein gesetzliches zugesichertes Recht auf die Betreuung durch eine Hebamme vor während und nach der Geburt hat, kommen auf 56 Hebammen im Kreisgebiet im Jahr 2018 insgesamt 2528 Geburten in den letzten beiden Geburtsstationen der Region (Mutterhaus Zentral sowie Ehrang). Mehr als zehn Prozent der Eltern haben laut Statistiken der Geburtsklinik  gerne eine Nachsorge-Hebamme, finden bisher aber keine.

Der Mangel bleibt aus Neitschers Sicht auch nach der Inbetriebnahme der Zentrale bestehen. Allerdings helfe die Einrichtung, die vorhandenen Kapazitäten besser zu nutzen.  Neitscher sagt: „Ich stelle jetzt schon fest, dass die Leute sich freuen, dass sie eine zentrale Anlaufstelle haben und nicht mehr herumtelefonieren müssen.“ Die freiberuflichen Hebammen selbst würden ebenfalls entlastet. Viele Anfragen, die sie vorher unentgeltlich selbst telefonisch beantwortet haben, könnten nun an die Zentrale gerichtet werden, die ihnen diese Arbeit abnehmen könne.