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Heinz Ganz-Ohlig hat am Gymnasium Hermeskeil einen Vortrag  über die Geschichte der Juden in der Hochwaldstadt gehalten.

Pädagogik : „Ein Thema, das nie vergessen werden darf“

Heinz Ganz-Ohlig hat am Gymnasium Hermeskeil einen Vortrag  über die Geschichte der Juden in der Hochwaldstadt gehalten.

(red) Heinz Ganz-Ohlig ist einst selbst Schüler des Gymnasiums Hermeskeil gewesen. Jetzt hat er seine ehemalige Schule besucht, um dort einen Vortrag zum Thema  „Juden im Gaumusterdorf – Auf den Spuren ehemaliger jüdischer Nachbarn in Hermeskeil“ zu halten. Darin gewährte der Autor Einblicke in sein gleichnamiges Buch. Zunächst beleuchtete er die vergleichsweise späte Entstehung der jüdischen Gemeinde vor Ort, welche sich vermutlich erst um 1840 bildete, als die ersten Juden von Thalfang nach Hermeskeil zogen. Durch den Bau der Hochwaldbahn 1889 ergab sich ein wirtschaftlicher Aufschwung. Die jüdische Gemeinde wuchs auf 45 Mitglieder an, insgesamt lebten 2795 Menschen im Ort. Die meisten ansässigen Juden waren Viehhändler, wie etwa Emmanuel Mendel, Landwirte, wie Isaak Ackermann oder Einzelhändler, wie Erich Süsskind, der ein Schuhhaus besaß. Außerdem lebte in Hermeskeil der jüdische Tierarzt Dr. Moritz Kahn mit seiner Ehefrau Elise und seinen  Kindern Heinz und Gertrud.

Durch die sogenannte Machtergreifung Hitlers 1933 und die darauf folgende antisemitische Politik änderte sich für die Juden in Hermeskeil  einiges. Es gab bereits 1926 eine Ortsgruppe der NSDAP, außerdem kam es schon 1929 zur Schändung des jüdischen Friedhofs. Autor Ganz-Ohlig erzählte von Heinz Kahn, der 1933 als Elfjähriger die Höhere Schule in Hermeskeil, das damalige Gymnasium, besuchte. Dieser schilderte später die Veränderungen, die er seit der Machtübernahme Hitlers erlebte: Kurz danach distanzierten sich alle nicht-jüdischen Mitbürger von ihm, auch seine Freunde. Nicht-jüdische Kinder versuchten ihn oft zu verprügeln. Zudem wurde er in der Schule ignoriert oder gehänselt. Zuletzt musste er 1935 aufgrund der Nürnberger Gesetze die Schule verlassen. Sein Vater Dr. Moritz Kahn musste 1935 seine amtlichen Tätigkeiten niederlegen und durfte ab 1938 nicht mehr praktizieren.

Die antijüdische Politik wurde verschärft. Des Weiteren beschrieb der Autor die Pogromnacht und deren Auswirkungen auf die jüdische Bevölkerung von Hermeskeil. Es kam zur Schändung des jüdischen Bethauses sowie des jüdischen Friedhofs. In mehreren jüdischen Betrieben wurde randaliert, etwa im Schuhhaus Liser. Ernst Samuel und Dr. Moritz Kahn wurden vom Bürgermeister in „Schutzhaft“ genommen.

Einige Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Hermeskeil konnten Deutschland rechtzeitig verlassen. Andere gingen nach Amerika oder Israel. Die übrigen jüdischen Familien zogen weg. Am 17. Mai 1939 war Hermeskeil „judenfrei“. Ganz-Ohlig erzählte, dass die Hermeskeiler Familien Süsskind und Kahn, die in Deutschland blieben, 1943 nach Auschwitz deportiert wurden. Insgesamt wurden 21 der 45 Hermeskeiler Juden ermordet. Die einzigen Überlebenden der deportierten Hermeskeiler Juden waren Heinz Kahn und Erich Süsskind.

Die Schule dankte Heinz Ganz-Ohlig für den Einblick in die Geschichte: Er habe Schülern und Lehrern mit seinem Vortrag ein Thema nahegebracht, das nie vergessen werden dürfe.

Das Buch „Juden im Gaumusterdorf – Auf den Spuren ehemaliger jüdischer Nachbarn in Hermeskeil“ von Heinz Ganz-Ohlig hat 288 Seiten und ist für  29,90 Euro im Handel erhältlich.