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Heiße Debatte um den Nationalparknamen

Heiße Debatte um den Nationalparknamen

Die Namensfindung für den geplanten Nationalpark wird zu einer schweren Geburt. Nach viel Hin und Her hinter den Kulissen haben die Landesregierungen in Mainz und Saarbrücken beschlossen, dass er "Hunsrück-Hochwald" heißen soll. Doch nun kommt Widerspruch von Tourismus-Experten. Sie sagen: Nur "Hunsrück" ist besser. In der Region wird nun lebhaft über den Nationalparknamen diskutiert.

Thalfang/Hermeskeil. In der künftigen Nationalparkregion wird seit kurzem kontrovers über dessen Namen diskutiert. Soll er "Hunsrück-Hochwald" oder nur "Hunsrück" heißen? Das ist die große Frage. "Schuld" an dieser aktuellen Debatte ist das Deutsche Alpenforschungsinstitut (AFI) in München. Dessen Wissenschaftler haben Mitte Juli eine Tourismusstudie zum Nationalpark vorgelegt, der Anfang 2015 auf dem Gebiet der beiden Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland eröffnet wird. Im März hatten beide Landesregierungen erklärt, dass der Name gefunden ist: "Hunsrück-Hochwald" soll er heißen, wurde offiziell verkündetet. Im Gesetzentwurf für den geplanten Staatsvertrag zwischen den beiden Bundesländern ist dieser Titel auch im Paragraph 1 explizit genannt.
Die Tourismusexperten vom AFI kommen in ihrer Studie aber zu einem anderen Schluss. Sie betonen, dass sie den Doppelnamen für "problematisch erachten". Ein langer Name sei schon "bei der Gestaltung eines Corporate Design mit Logo und allen dazugehörigen Materialien für eine Kommunikation äußerst störend".
Der Begriff "Hochwald" ist zudem für Reisende, die von weiter her kommen, "kein zusätzlich qualifizierendes Namenselement". Also empfehlen die AFI-Experten, den Park kurz und prägnant "Hunsrück" zu nennen.
Das Land will sich auf diesen Vorschlag nicht einlassen, wie sich auf TV-Anfrage herausstellt (siehe Extra). Doch wie sehen die Akteure in der Region selbst die Sache? Unsere Zeitung hat nachgefragt und dabei teils überraschende Antworten erhalten.
Michael Hülpes ist Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil, deren Slogan seit langem "Im Hochwald ganz oben" lautet . Trotzdem sagt Hülpes: "Beim Nationalpark geht es nicht um ein kleines, lokales Projekt. Man muss da in größeren Dimensionen denken und im Wettbewerb mit anderen Nationalparks ist ein kurzer, werbewirksamer Name besser". Also würde ihm persönlich "Hunsrück" allein ausreichen. Wenn der "Hochwald" aus dem Namen gestrichen würde, wäre das für Hülpes kein Beinbruch.
"Der Zusatz ist aber maßgeblich dazugekommen, weil ihn die Saarländer gefordert haben", sagt Hülpes. Anfänglich hätte man dort sogar verlangt, dass der Begriff "Saar" oder "Saarland" im Namen auftaucht. Der "Hochwald" war dann sozusagen die Kompromisslösung.
Hubertus Kuhn von der Gemeinde Nohfelden bestätigt das indirekt: "Nur ,Hunsrück\' wäre für uns ein problematischer Name. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die saarländische Seite dem zustimmen würde. Mit dem Namen Hunsrück-Hochwald sind wir zufrieden. Unser Bereich liegt ja im Schwarzwälder Hochwald. Deshalb finden wir uns in diesem Namen auch wieder."
Ganz anders sieht Gereon Haumann die Sache. Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gast-stättenverbands (Dehoga) Rheinland-Pfalz führte früher zwar das Familienhotel "Hochwald" in Horath (VG Thalfang). Er sagt aber klipp und klar: "Ich bin gegen Kleinstaatlichkeit. Wenn, dann kann der Nationalpark nur ,Hunsrück\' heißen." Im Vergleich zu anderen deutschen Nationalparks sei die Region weniger bekannt und habe eine "geringere Marktdurchdringung. Deshalb schadet es, wenn ich den Hunsrück noch weiter aufsplittere". Den Zusatz ,Hochwald\' hält Haumann also für überflüssig.
Marc Hüllenkremer, Rathaus-Chef in Thalfang sagt hingegen, dass er mit dem Doppelnamen "leben kann. Der Nationalpark soll doch dazu führen, dass die ganze Region zusammenwächst". Mit dem Zusatz ,Hochwald\' würden auch die Interessen der Saarländer berücksichtigt. Generell betont Hüllenkremer allerdings: "Der Name des Nationalparks ist für mich zweitrangig. Es kommt vor allem auf seinen Inhalt an".
Bernhard Alscher, der Birkenfelder VG-Bürgermeister, liegt eher auf der Linie seines Hermeskeiler Kollegen Hülpes. Er sagt: "Ich halte einen kurzen Namen, also nur ,Hunsrück\', für sinnvoller. Hochwälder gibt es in ganz Deutschland. Der Zusatz war ein Zugeständnis an die Saarländer und ein politischer Kompromiss, den ich an dieser Stelle nicht verstehe. Allein wenn ich den Doppelnamen ausspreche, bin ich am Ende schon müde."Meinung

Akzeptabler KompromissPRO: Klar: Die Werbestrategen müssen für einen kurzen Nationalparknamen plädieren, und da liegt Hunsrück eher auf der Hand als Hochwald. Da aber bei diesem Projekt zwei Bundesländer im Boot sitzen, kann man dem kleineren Partner nicht alles zumuten. Wenn dieser schon auf die Saar verzichten muss, dann ist der Zusatz Hochwald, den das Saarland in seiner Vermarktung oft nutzt, ein akzeptabler Kompromiss. Der Doppelname tut keinem weh. Das würde es aber tun, wenn man die Saarländer partout in den Hunsrück stecken will. Ein Moselaner würde sich ja auch wehren, wenn er plötzlich als Pfälzer firmieren müsste. a.munsteiner@volksfreund.de

KONTRA: Würde man 100 Menschen fragen, was sie mit dem Wort Hochwald verbinden, so blieben die Antworten diffus. Irgendetwas mit Wald, irgendwo. Hochwälder gibt es viele. Das ist beliebig. Bei der Frage nach dem Hunsrück wird das wohl anders aussehen. "Das ist da, wo ,Heimat' spielt" oder so ähnlich werden die Antworten lauten. Man verbindet eben etwas mit dem Namen Hunsrück. Vor diesem Hintergrund müsste die Diskussion um den Namen für den neuen Nationalpark schnell beendet sein. Doch wieder einmal spielen regionale Befindlichkeiten eine zu große Rolle. Den Doppelnamen braucht kein Mensch. h.jansen@volksfreund.deExtra

Das Mainzer Umweltministerium betont auf TV-Anfrage, dass "eine erneute Namens-Diskussion nicht mehr sinnvoll erscheint. Im Gegenteil, ein Hin und Her würde eher Unverständnis erzeugen, zumal der Name mittlerweile eingeführt ist". Gegen eine Änderung spreche unter anderem, "dass wir im Saarland und in Rheinland-Pfalz mit der Gestaltung des Staatsvertrages und der Befassung in den Landtagen schon sehr weit vorangeschritten sind". Das Umweltministerium erinnert zudem daran, dass "der Name auf einen langen Diskussions- und Beteiligungsprozess zurückgeht. Sowohl in der Region als auch auf Ebene der Landesregierungen wurden verschiedene Alternativen besprochen. Es galt eine den Naturraum treffende Variante zu finden, die sowohl vonseiten des Saarlandes als auch aus rheinland-pfälzischer Sicht als typisch empfunden wird. Sehr schnell war klar, dass der ,Hochwald\\' hierbei eine Rolle spielen würde". Insofern hält das Land am Doppelnamen "Hunsrück-Hochwald" fest: "Hier wird sich im Laufe der Zeit herausstellen, welche Bezeichnung der touristischen Destination sich letztlich durchsetzt", so das Umweltministerium. ax