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Herbergsmutter muss ihr Haus verlassen

Herbergsmutter muss ihr Haus verlassen

HERMESKEIL. Es ist ein unfreiwilliger Abschied: Nach 19 Jahren muss "Herbergsmutter" Heidi Hans-Sadowsky ihren Platz als Leiterin des Gästehauses in der Adolf-Kolping-Straße räumen. In Hermeskeil wird diese Personalentscheidung des Deutschen Jugendherbergsverbands (DJH) Rheinland-Pfalz/Saarland allgemein bedauert, ja sogar kritisiert.

Wenn Heidi Hans-Sadowsky heute noch einmal die Hermeskeiler Jugendherberge betritt, dann wird dies für die 48-Jährige ohne Zweifel ein trauriger und schwerer Gang sein. Seit 1987 führt die zierliche Frau, die aus Kell stammt, das stattliche Jugendgästehaus in der Adolf-Kolping-Straße mit seinen aktuell 112 Betten in 25 Zimmern. Am 1. August muss Hans-Sadowsky jedoch ihre Koffer packen und die Schlüssel an Nicole Michels abgeben, die das Haus bis zur endgültigen Regelung der Nachfolgefrage kommissarisch leiten wird. "Ich gehe bestimmt nicht gerne. Ich habe hier einiges aufgebaut und wäre froh gewesen, wenn ich meine Arbeit hätte fortsetzen können", sagt Hans-Sadowsky ganz offen. Aber: Ihr Dienstvertrag mit dem DJH ist nicht auf ein bestimmtes Haus abgeschlossen, Versetzungen sind also möglich. Deshalb konnte der DJH die 48-Jährige auch vor die Alternative stellen, entweder die Jugendherberge in St. Goar zu übernehmen oder das Dienstverhältnis zu beenden. Hans-Sadowsky entschied sich schweren Herzens für die zweite Möglichkeit. "Die Alternative St. Goar konnte ich nicht annehmen. Erstens ist das Haus dort sehr desolat. Zweitens bin ich mit der Hochwaldregion zu sehr verbunden und kann auch aus familiären Gründen nicht einfach von hier weg", erklärt Hans-Sadowsky. Überraschend kam es für die "Herbergsmutter" nicht, dass der DJH sie als Betriebsleiterin in Hermeskeil ablösen würde. "Ich habe das schon lange kommen sehen. Denn mein Chef war unzufrieden und der Meinung, dass das Haus neue Impulse benötigt." Ihr Chef, das ist Jacob Geditz, der Vorstandsvorsitzende des Jugendherbergsverbands in Mainz. Zu den Gründen für die Entscheidung will er sich auf TV-Anfrage nicht äußern. Denn: "Interne Personalfragen machen wir nicht öffentlich, da hier unsere Mitarbeiter Vertrauensschutz genießen", teilt Geditz mit. Allerdings weist er darauf hin, dass es eine wichtige Aufgabe der neuen Betriebsleitung sein wird, "die Übernachtungszahlen auszubauen". Hans-Sadowsky sagt konkreter, welche Zielvorgaben der DJH ihr stellte: "Die Minimalerwartung in Mainz ist eine Bettenauslastung von 40 Prozent." Dieser Wert konnte in der Vergangenheit in Hermeskeil aber nicht erreicht werden, was Hans-Sadowsky als Ausschlag gebenden Punkt für ihre Ablösung bezeichnet. 2005 bedeuteten beispielsweise 14 500 Übernachtungen von 5000 Gästen eine Bettenauslastung von 36 Prozent. Hermeskeiler bedauern die Entscheidung

Ungeachtet dieser Zahlenspiele bedauern aber nicht nur viele treue Stammgäste, dass die Herbergsmutter gehen muss. Auch die Institutionen in Hermeskeil, die im engen Kontakt zur Jugendherberge stehen und deren Angebote von den Gästen des Hauses genutzt werden, sind von der Entscheidung des DJH nicht begeistert. "Wir hatten ein hervorragendes Verhältnis und haben sehr gut zusammengearbeitet", sagen der Chef der Tourist-Info, Herbert Schindler, und die Geschäftsführerin des Naturparks Saar-Hunsrück, Gudrun Rau, unisono. Skeptisch betrachtet vor allem Schindler die Entscheidung des DJH. Und er verbindet sie mit einer Befürchtung: "Ich weiß nicht, ob auch die Nachfolger diese Erfolge erzielen können. Wenn sie nicht so viel Herzblut mitbringen wie Frau Hans-Sadowsky, dann könnten die Übernachtungszahlen einbrechen. In diesem Fall sehe ich das gleiche Schicksal wie in Morbach auf uns zukommen." Hintergrund dieser Aussage: In der Einheitsgemeinde hatte der DJH 2004 die sanierungsbedürftige Jugendherberge geschlossen, nachdem die Stelle der Herbergseltern vakant war. Der Annahme, dass sich diese Entwicklung in Hermeskeil wiederholen könnte, tritt Geditz allerdings entgegen: "Die Jugendherberge Hermeskeil ist für uns ein wichtiger und attraktiver Standort im Hunsrück, den wir weiter stärken wollen. Ihr Fortbestand ist absolut gesichert", betont der Vorstandsvorsitzende des DJH.