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Hermeskeil sucht einen neuen Werbe-Profi

Hermeskeil sucht einen neuen Werbe-Profi

Der Hochwald-Gewerbeverband (HGV) geht auf die Suche nach einer Nachfolgerin für Jutta Straubinger. Von Herbst an soll sich auf Teilzeitbasis ein Mann oder eine Frau professionell um das Vereinsmarketing kümmern. Die Stadt ist bei der Finanzierung dieser Stelle nicht mehr mit im Boot.

Hermeskeil. Mit Stellenanzeigen möchte derzeit der HGV ausgebildeten Marketingfachleuten eine Anstellung in Hermeskeil schmackhaft machen. Von Herbst an soll ein Profi einen großen Teil des Aufgabenspektrums abdecken, das bis zu ihrer Kündigung im Oktober 2009 die Stadtmarketing-Assistentin Jutta Straubinger erledigt hatte (siehe Extra).

Der HGV will die Einstellung einer neuen Marketing-Fachkraft aus eigener Kraft stemmen. "Wenn der Verband weiterexistieren soll, dann brauchen wir professionelle Unterstützung. Als Geschäftsleute sind wir damit überfordert, ehrenamtlich auch noch die gesamte Vereinsarbeit zu organisieren", sagt die Vorsitzende Angelika Kohlhaas. Der HGV hat inzwischen circa 130 Mitglieder.

Verbandsarbeit soll Priorität haben



Eins stellt Kohlhaas aber klar: Die neu eingestellte Person soll sich in erster Linie um die Belange des Vereins kümmern. Das heißt: Sie soll die Mitglieder betreuen und mit Informationen versorgen sowie neue Betriebe anwerben. Auch den kompletten Schriftverkehr des HGV soll der neue "Marketing-Assistent" - so die offizielle Bezeichnung - abwickeln. Vor allem aber soll über ihn die Öffentlichkeitsarbeit und die Planung von HGV-Veranstaltungen - beispielsweise die verkaufsoffenen Sonntage - laufen.

Wie Straubinger soll die neue Fachkraft auf Teilzeit-Basis eingestellt werden. "Welche Personalkosten anfallen, können wir jetzt aber noch nicht sagen", betont Kohlhaas. 30 Bewerbungen seien beim HGV bereits eingegangen, mit der Auswahl wolle man sich aber noch bis Herbst Zeit lassen. Denn: "Das genaue Konzept, wie wir uns das künftige Vereinsmarketing vorstellen, ist noch nicht fertig."

Laut Kohlhaas gibt es durch die verkaufsoffenen Sonntage und andere Veranstaltungen zwar weiterhin "Berührungspunkte" mit der Stadt. Anders als Straubinger muss sich die Neueinstellung aus HGV-Sicht aber nicht mehr um das Stadtmarketing - per Definition die Profilierung einer Stadt als attraktiver Standort für Industrie, Handel und Dienstleistungen - kümmern.

Moser hatte in der Vergangenheit beispielsweise kritisiert, dass Straubinger keine Konzepte zur besseren Vermarktung des Einkaufszentrums in der Donatusstraße oder zur Herausstellung Hermeskeils als "Stadt der Skulpturen" vorgelegt habe.

Stadt beteiligt sich nicht an Personalkosten



Die Stadt wird sich nämlich nicht an der Finanzierung beteiligen. Wenn der HGV seinen neuen Marketing-Experten bezahlen will, muss er dafür wohl die Mitgliedsbeiträge erhöhen und Spenden eintreiben.

Der derzeit im Urlaub befindliche Moser wird von Willi Auler (CDU) vertreten. Der Erste Beigeordnete war bis Mai Leiter des Geschäftsbereichs Stadtmarketing. Er hatte diesen Posten aber wegen seiner Querelen mit Moser aufgegeben (der TV berichtete). Auler zeigt Verständnis dafür, dass sich der Gewerbeverband "eine Brücke bauen und jemanden einstellen will, der die ganze Büroarbeit erledigt".

Auf lange Sicht könne es seiner Meinung nach aber nicht die Lösung sein, dass der HGV und die Stadt beim gemeinsamen Ziel, Werbung für Hermeskeil zu machen, getrennte Wege gehen. Auler stellt aber klar: "Das Stadtmarketing hat sich ja Moser auf die eigenen Fahnen geschrieben. Es ist also seine Sache."

Meinung

Undankbare Aufgabe

Egal, welcher Bewerber vom Hochwald-Gewerbeverband ausgesucht wird und im Herbst den Job als Marketing-Experte übernimmt: Er oder sie steht vor einer wenig beneidenswerten, ja sogar undankbaren Aufgabe. Der oder die Auserwählte soll möglichst wenig kosten und hat für die Arbeit nur eine begrenzte Stundenzahl zur Verfügung. Dabei war es schon früher angesichts vieler Leerstände und einer meist nur spärlich belebten Fußgängerzone beileibe nicht einfach gewesen, positive Werbung für Hermeskeil als Einkaufsstadt zu machen. Die Wallungen zwischen Kommune und Einzelhändlern haben in den zurückliegenden Monaten den ohnehin angeschlagenen Ruf sicher nicht verbessert. Zwar beteiligt sich die Stadt jetzt nicht mehr finanziell an der Stelle. Es liegt aber auf der Hand, dass der neue Werbe-Profi auf eine gedeihliche Zusammenarbeit mit ihr angewiesen ist, man denke etwa an den gemeinsam organisierten Bauernmarkt mit verkaufsoffenem Sonntag im Oktober. Das Problem ist jedoch, dass das Klima zwischen der Stadtspitze und dem HGV-Vorstand weiter stark belastet ist. In diesem Spannungsfeld zu arbeiten, vermittelnd aufzutreten und es allen Seiten recht zu machen, dürfte deshalb zu einer sehr, sehr großen Herausforderung werden. a.munsteiner@volksfreund.deExtra: Streit ums Geld: Zwischen dem HGV-Vorstand und der Stadt Hermeskeil, insbesondere Bürgermeister Udo Moser (BFB), gab es monatelang eine heftige Auseinandersetzung. Die Stadt hatte voriges Jahr angekündigt, die Stelle Jutta Straubingers nicht mehr mitzubezahlen und dem HGV dafür anders als 2007 und 2008 keinen 10 000-Euro-Zuschuss mehr zu geben. Dadurch klaffte in der Kasse des Hermeskeiler Einzelhändlerverbands ein Loch. Im Juni dieses Jahres hatte der HGV dann seinen Verzicht auf das für 2009 geforderte Geld erklärt. Durch die Hintertür hat der Stadtrat Anfang des Monats dem HGV dann doch noch einen Zuschuss gewährt und ihm 5000 Euro für die Organisation der Hochwald-Gewerbeschau (Howa) 2011 zugesichert. (ax)