Hermeskeiler Gruppe Luftschnapper feiert Gründung vor 50 Jahren

Gesellschaft : Hilfsbereite Hermeskeiler: Luftschnapper feiern ihre Gründung vor 50 Jahren

Von Parkfest bis Pavillon: Eine Gruppe tatkräftiger Männer hat ab 1968 lange Zeit das soziale Leben in Hermeskeil geprägt. Am Freitag trafen sich 15 Ehemalige zur Jubiläumsfeier. Ihr Wirken wird bald in besonderer Form gewürdigt.

Die Luftschnapper – das ist ein Name, der bei vielen Hermeskeilern Erinnerungen weckt. Dahinter steckt eine Gruppe tatkräftiger Bürger, die ab Ende der 1960er Jahre bis in die Neunziger hinein zahlreiche Feste und Veranstaltungen für den guten Zweck in der Hochwaldstadt organisierte (siehe Info). Um die Gründung vor 50 Jahren zu feiern, haben sich am Freitag 15 ehemalige Luftschnapper, darunter acht Mitglieder der ersten Stunde, im Hermeskeiler Johanneshaus getroffen.

Einer davon ist Dieter Schenzel, der dem TV-Reporter den ungewöhnlichen Namen der Gruppe erklärt: „Wir waren Männer, die gemeinsam Fußball spielten. Oft verlor unsere Gruppe. Der damalige Pfarrer erklärte die Niederlagen irgendwann damit, dass wir während des Spiels zu viel Luft schnappen würden.“ Und so waren die Luftschnapper geboren.

In den folgenden Jahren plante die Gruppe eine ganze Reihe von Aktionen für die Hermeskeiler, die im Laufe der Jahre fast zu einer Art Kult wurden. In Erinnerungen daran zu schwelgen bereitete den ehemaligen Luftschnappern sichtlich Freude. Herbert Igel hat bis vor fünf Jahren noch in Hermeskeil gelebt, reiste nun aber aus dem 300 Kilometer entfernten Nagold in Baden-Württemberg an. „Ich habe mich sehr über die Einladung zum Jubiläumstreffen gefreut. Für mich war es eine Selbstverständlichkeit, dass ich in meine alte Heimat komme“, erzählt Igel, mit Ende 70 einer der ältesten Luftschnapper.

Nach der Begrüßung durch Hermann-Josef Breuer und Wolfgang Nellinger von der Verbandsgemeinde-Verwaltung, der das Treffen organisiert hatte, wurde mit einem kühlen Bier auf die 50 Jahre angestoßen. Viele der ehemaligen Mitglieder hatten Bilder mitgebracht, die in Erinnerung riefen, was die Männer damals alles auf die Beine gestellt hatten. „Wir kannten uns anfangs gar nicht. Dann traf man sich auf dem Sportplatz, und es kamen Ideen zusammen, was man denn in Hermeskeil einmal machen könnte. Dann haben wir alles bei einem Treffen zusammengetragen und schnell umgesetzt.“ Damals entstand etwa die Idee zum Bau des Pavillons im Hermeskeiler Stadtpark. „Aber ohne Kapital war nichts möglich. Deshalb richteten wir ein Stadtfest aus, um das nötige Geld zu erwirtschaften“, berichtet Igel weiter. Damals seien es nur 22 junge Männer gewesen, die dieses Heimatfest mit Hilfe vieler Spenden möglich machten. In den folgenden Jahren wurde der Pavillon dann für ein Parkfest benutzt, veranstaltet von den Luftschnappern.

Nesthäkchen der Gruppe mit 57 Jahren ist Günter Breuer: „Zwölf Jahre war ich etwa dabei, und es war eine sehr schöne Zeit.“ Beim Rückblick komme ihm gleich auch  das soziale Engagement der Gruppe in den Sinn: „Die Nikolausbescherungen oder unsere Besuche bei den älteren Menschen im Altenheim haben mich immer inspiriert“, sagt Breuer. „Egal, wo wir uns zu Feierlichkeiten angekündigt hatten, wir wurden immer sehnlichst erwartet, auch wenn es schon fast Mitternacht war“, erinnert sich Mitstreiter Dieter Schenzel. Auch für ihn sei es eine prägende Zeit gewesen, die ihm viel Freude bereitet habe.

Bis 1993 hatten die Luftschnapper insgesamt 200 000 D-Mark für wohltätige Zwecke gesammelt. Weil sich angesichts dieser Summen das Finanzamt meldete, kam es zum Wendepunkt. Die Gruppe habe damals kein eingetragener Verein werden, sondern frei in ihrem Wirken bleiben wollen, berichten die ehemaligen Luftschnapper. Als das nicht mehr ging, habe man die Gruppe aufgelöst.

Neben dem Jubiläumstreffen in Hermeskeil soll demnächst noch eine weitere Aktion das Wirken der Gruppe in Erinnerung rufen. Laut Wolfgang Nellinger, den der Einsatz der Luftschnapper „damals sehr fasziniert“ hat, soll in Zusammenarbeit mit einigen Ehemaligen ein Buch mit vielen Geschichten und Bildern zusammengestellt werden. Es soll im Herbst fertig sein.  Der Erlös – wie kann es anders sein – werde sozialen Einrichtungen in Hermeskeil zugutekommen.

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