Hermeskeiler Händler finden keinen Vorsitzenden
Hermeskeil · Den Hochwald-Gewerbeverband (HGV) drückt seit der jüngsten Mitgliederversammlung ein Personalproblem. In den Reihen der Hermeskeiler Händler gibt es niemanden, der als Nachfolger von Günter Weber das Amt des Vorsitzenden übernehmen will. Deshalb vertagte der HGV gleich die Neuwahl des kompletten Vorstands. Die Suche nach einem Aspiranten für die Spitzenposition geht nun weiter. Doch die Uhr tickt.
Hermeskeil. Am Ende des Abends stand eine unerfreuliche Erkenntnis, und es gab deshalb viele lange Gesichter. Bei der mit rund 25 Teilnehmern nur mäßig besuchten HGV-Mitgliederversammlung gingen die Anwesenden auseinander, obwohl der wichtigste Grund ihres Treffens nach wie vor völlig ungeklärt war.
Denn wer im Verband künftig die Hauptrolle besetzt und als Vorsitzender fungiert - das ist weiter offen. Bisher hat Günter Weber dieses Amt ausgeübt. Der Prokurist bei der Volksbank Hochwald-Saarburg vertrat den Verband, dem etwa 120 Betriebe aus dem Einzelhandel, dem Dienstleistungssektor sowie Handwerk und Industrie aus Hermeskeil und Umgebung seit Herbst 2010 nach außen.
Nach vier Jahren in dieser Position wolle er aber aus privaten und beruflichen Gründen nicht mehr erneut als Vorsitzender zur Verfügung stehen, betonte Weber. Diesen Entschluss hatte Weber intern bereits im Vorfeld angekündigt. Es traf die HGV-Mitglieder also nicht unvorbereitet. Schon vor dem Mitgliedertreffen wurde deshalb sondiert, wer zur Übernahme des Postens bereit wäre. Doch diese Suche nach einem Kandidaten blieb vergeblich. Und daran änderte sich auch im Verlauf des Mitgliedertreffens nichts.
Stadtbürgermeister Mathias Queck - er ist durch sein Notariat auch zahlendes HGV-Mitglied - forderte als Versammlungsleiter beim Tagesordnungspunkt Wahlen die Anwesenden zwar dazu auf, Vorschläge zu machen, wer sich als Vorsitzender eignen würde. Aus der Runde kamen auch Rückmeldungen. So konnten sich mehrere Mitglieder beispielsweise den Rechtsanwalt Christian Kruchten oder Dieter Nels, Inhaber eines Schuhhauses, als HGV-Chef vorstellen.
Beide erklärten allerdings, dass sie diese Aufgabe nicht übernehmen wollen, weil ihnen dafür die Zeit fehlt und sie sich nur schwer mit der beruflichen Situation vereinbaren lässt. Es wurden später noch weitere Kandidaten vorgeschlagen, die aber alle absagten.
Dabei hatte gerade Weber versucht, die Bedenken von potenziellen Nachfolgern auszuräumen (siehe Extra). Er betonte: "Ich wäre schon enttäuscht, wenn wir niemanden finden würden. Die Dinge laufen ja jetzt im ruhigen Fahrwasser. Marketing assistentin Stefanie Schömer regelt das operative Geschäft. Die Aufgabe des Vorsitzenden ist es in erster Linie zu repräsentieren."Nächster Termin: 5. November
Zwar herrschte in der Runde Einigkeit über Webers Verdienste. So gab es vom neuen Stadtchef Queck das Lob, Weber habe den HGV auf eine "gute Linie gebracht".
Da aber keiner bereit war, in die Fußstapfen des Bankers zu treten und als Vorsitzender zu kandidieren, verzichtete die HGV-Mitgliederversammlung gleich ganz darauf, auch den Rest-Vorstand neu zu wählen. Dabei gibt es für alle anderen Posten Bewerber.
So will Markus Weicherding, Inhaber eines Haustechnik-Betriebs, als Zweiter Vorsitzender weitermachen. Da Weber nicht seinen sofortigen Rücktritt erklärt hat, sondern nur keine weitere Amtszeit anhängen wird, habe der HGV weiter einen "handlungsfähigen Vorstand", so Queck.
Ein Dauerzustand dürfe das aber nicht bleiben. Deshalb verständigten sich die HGV-Mitglieder darauf, für Donnerstag, 5. November, 18.30 Uhr eine neue Versammlung einzuberufen, um dann im zweiten Anlauf einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Wichtig ist dem HGV der Hinweis, dass die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt (11. bis 13. Dezember) trotz der ungeklärten Situation an der Verbandsspitze unter Schömers Federführung wie gehabt weiterlaufen.Extra
Günter Weber übernahm im Herbst 2010 das Spitzenamt beim HGV. Zwischen Verband und Stadt war das Klima damals denkbar schlecht. Es ging dabei vor allem um einen Streit ums Geld und die Frage, ob und mit welchem Betrag sich die Stadt an der Bezahlung der Stelle einer HGV-Marketingassistentin beteiligt. Deren Aufgabe ist es zum Beispiel, den Schriftverkehr für den HGV zu regeln, Veranstaltungen zu planen und den Kontakt zu den Mitgliedsbetrieben zu pflegen. Parallel mit Weber begann seinerzeit auch Nadja Tafelmaier ihren Job als HGV-Marketing assistentin, die sich erst einarbeiten musste. In seiner Rolle als HGV-Chef gelang es Weber, dass sich noch unter dem damaligen Bürgermeister Udo Moser das Verhältnis zur Stadt rasch verbesserte. Finanziell greift die Stadt nun dem HGV mit einem zweckgebundenen Betrag von jährlich 6000 Euro für die Organisation des Weihnachtsmarkts unter die Arme. Auch bei den Betrieben leistete Weber in seiner Amtszeit erfolgreiche Überzeugungsarbeit. Damit die Stelle der Marketingassistentin - seit 2012 hat Stefanie Schömer diesen Posten inne - bezahlt werden kann, erhöhte der Verband nämlich seine Mitgliedsbeiträge. Finanziell steht der HGV mit einem Vermögen von 24500 Euro (Ende 2013) auf soliden Beinen. ax