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Hermeskeiler Kloster schließt die Pforten, der Geist soll bleiben

Hermeskeiler Kloster schließt die Pforten, der Geist soll bleiben

Franziskanische Orden prägen den Hochwald seit Jahrzehnten durch das seelsorgerische und soziale Engagement der Patres. Ein Vortrag im Hermeskeiler Johanneshaus soll nun deren Verdienste würdigen am Beispiel von Pater Matthias Utters, dem ehemaligen Leiter des Hermeskeiler Klosters, das im Oktober schließen wird. Auf Persönlichkeiten wie Utters stützen sich auch aktuelle Bemühungen, im Kloster ein geistliches Zentrum einzurichten.

Hermeskeil. Während Menschen in Hermeskeil und Umgebung um die Zukunft ihres "Klösterchens" bangen (der TV berichtete mehrfach), soll eine Veranstaltung ein Zeichen für die Verbundenheit der Hochwälder mit "ihren" Franziskaner-Patres setzen: Im Mehrgenerationenhaus gibt es am Dienstag, 13. September, einen Vortrag zur "franziskanischen Spiritualität" (siehe Extra). Im Mittelpunkt steht der 1986 in Hermeskeil gestorbene Pater Matthias Utters (siehe Hintergrund), dessen persönliche Lebensleistung stellvertretend für die vieler seiner Mitbrüder stehen kann. Denn die Ordensbrüder haben sich jahrzehntelang ins spirituelle und gesellschaftliche Leben im Hochwald eingebracht. Nicht zuletzt dank ihnen ist die Hermeskeiler Klostergemeinde eine der lebendigsten in der Region.

Diese besondere Anziehungskraft des "franziskanischen Geistes" wollen die Veranstalter des Vortrags in Erinnerung rufen. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Am Sonntag, 23. Oktober, wird mit einem Gottesdienst die Ära des "Klösterchens", in dem zuletzt vier Brüder lebten, enden. Der immer kleiner werdende Orden hatte im Mai 2015 angekündigt, das einzige in der Region Rheinland-Pfalz/Saarland übrig gebliebene Franziskanerkloster aufzugeben.
Mitte Juli hat sich nun auch Schwester Sieglinde im Hermeskeiler St. Josef-Krankenhaus in den Ruhestand verabschiedet. Sie war dort die einzige verbliebene Waldbreitbacher Franziskanerin gewesen. Aus dem 1863 gegründeten Orden ging 1903 die Marienhaus GmbH hervor, die Träger mehrerer Pflegeheime, Hospize und Krankenhäuser ist, darunter auch der Hermeskeiler Klinik. "Damit geht eine Ära zu Ende", sagt Annette Münster-Weber, weltliche Krankenhausoberin des Klinikverbundes Hochwald-Saar, zu dem die St.-Josef-Klinik gehört. Immer mehr "hauptamtliche Vorbilder" gingen weg, bedauert Münster-Weber: "Wir waren doppelt franziskanisch versiegelt." Nun stelle sich die Frage: "Was machen wir jetzt daraus?"

Ein erster Schritt ist getan. Wie der TV berichtete, hat sich ein Förderverein gegründet, der mit Ordensleuten und Gläubigen ein in Deutschland einmaliges geistliches Zentrum mit Gottesdiensten und spirituellen Angeboten aufbauen will - mit finanzieller Hilfe des Bistums Trier.
Ob das gelingt, entscheidet sich bis Jahresende. Bis dahin bleibt auch ungewiss, wer die Lücke füllt, die die Franziskaner hinterlassen werden. Dem Beispiel ihres Namensgebers Franz von Assisi (um 1200) folgend waren sie unermüdlich unterwegs, um zu helfen. Sie hielten Gottesdienste, tauften, trauten, bestatteten und besuchten Kranke. Im Kloster werden Bibel- und Taizé-Gebetskreise, Kindergottesdienste und Konzerte veranstaltet. Die Missionsgruppe Helping Hands engagiert sich für Projekte in Afrika und Aktionen vor Ort.

Stellvertretend für sie alle wird bei dem Vortrag Pater Matthias im Fokus stehen. Wie viele Hermeskeiler kannte ihn auch Referent Herbert Schneider gut: "Wir stammen aus einem Dorf", sagt Schneider, der über seinen Mitbruder ein Buch geschrieben hat ("Himmel ist hier - Der wunderbare Mensch Matthias Utters"). Als er seinen Eltern mit 13 Jahren eröffnet habe, er wolle Priester werden, habe Utters geholfen. Er habe angeboten, ihn ins Studienheim der Franziskaner mitzunehmen: "Seitdem und durch viele schöne Begebenheiten war ich ihm tief verbunden."Extra

Geboren 1934 in Dockweiler/Eifel trat Pater Matthias (Archivfoto: privat) 1956 in den Franziskanerorden ein. Nach theologischen Studien in Mönchengladbach wurde er 1962 zum Priester geweiht, studierte später Psychologie und Medizin. Ab 1981 war er Guardian (Leiter) des Konvents in Hermeskeil. Utters war zeitlebens schwer krank. Schon als Student erblindete er und war stets auf Hilfe angewiesen. Durch eine Krebserkrankung verlor er den linken Arm und musste mehrfach operiert werden. Bescheiden und stets freundlich fügte er sich jedoch in sein Schicksal und verstand es, anderen Mut zu machen. Bezeichnend für ihn waren seine Geduld und die Fähigkeit, Ehrenamtliche zu gewinnen - was bis heute nachwirkt. Das Klosterensemble, das Gottesdienste musikalisch umrahmt, geht auf seine Initiative zurück. Um den Blumenschmuck im Kloster kümmert sich bis heute die Frau, die Pater Matthias vor 34 Jahren darum bat. 1986 starb Utters in Hermeskeil. ursExtra

Dienstag, 13. September: Um 17 Uhr spricht Pater Herbert Schneider, promovierter ehemaliger Mitbruder von Matthias Utters im Hermeskeiler Johanneshaus unter dem Titel "Ein gesegnetes Leben" über den Franziskanerpater. Zuvor wird ab 15.30 Uhr Gelegenheit für Gespräche bei Kaffee und Kuchen gegeben. Ab 19 Uhr feiert Dechant Johannes Jaax vom Dekanat Wittlich im Hermeskeiler Kloster einen Gottesdienst, musikalisch begleitet vom Klosterensemble. urs