Hermeskeiler Stadtwoche unter Wasser

Hermeskeiler Stadtwoche unter Wasser

Das Festzelt der Stadtwoche Hermeskeil war Flucht- und Angelpunkt für die Besucher. Auch wenn mal fließendes Wasser zwischen den Füßen der Gäste die Gemütlichkeit störte, genossen die Besucher doch das Programm auf der Bühne. Die Schausteller mussten aber enorme Einbußen hinnehmen.

Hermeskeil. "So viel Wasser habe ich seit Jahrzehnten noch auf keinem Kirmesplatz erlebt", schimpft Schausteller Erich Spangenberger, der seit 48 Jahren nach Hermeskeil kommt. Kaum jemand wollte bei strömendem Regen - und den gab es während der Stadtwoche häufig - auf seiner Berg- und Talbahn mitfahren.
Bis zu 50 Prozent Einbußen mussten die 20 Schausteller an besonders nassen Tagen in der Festwoche hinnehmen.
Fließendes Wasser im Festzelt


Die Kosten für die Platzmiete, Strom und Personal blieben jedoch gleich. "Es ist der teuerste Platz von allen, die wir besuchen. Die Miete liegt im deutlich vierstelligen Bereich", klärt Spangenberger auf.
Der Schausteller sieht aber auch ein, dass Geld für das Programm auf der Festzeltbühne gebraucht wird. Biergartenbetreiber hatten die schlechtesten Karten, gefolgt von Bierständen, bei denen die Gäste zumindest unter schmalen Dachvorsprüngen Schutz fanden. Sonnenschirme wurden gar nicht erst aufgespannt.
Daniel Fuchs (30) harrte am Samstag ab 14 Uhr am Stand des Turnvereins Hermeskeil aus, bis gegen Abend endlich ein paar Gäste Getränke haben wollten: "Wir sind acht Leute, die sich tagsüber hier langweilen."
Selbst wenn dann mal die Sonne schien, wagten sich nicht viele auf den Festplatz. Jürgen Jungbluth (65) aus Hermeskeil war mit Familie und Enkeln da. "Es ist alles so teuer geworden. Mit ein paar Karussellfahrten und Fritten für die Kinder ist man ruckzuck 50 Euro los", klagt der Rentner und fügt hinzu: "Aber die Schausteller müssen ja was verdienen, die haben ja auch Kosten."
Schausteller Spangenberger erklärt: "Wenn nur ein Fahrgast auf meiner Bahn sitzt, muss ich fahren und kann ihn nicht mit kürzerer Fahrzeit und schlechter Laune bestrafen."
"Mit unserem Zelt sind wir mit einem blauen Auge davongekommen", lautet das Fazit von Stadtbürgermeister Udo Moser. Als Lehre könne man aus der Stadtwoche in diesem Jahr nur ziehen, dass die Idee, ein kompaktes Zelt aufzustellen, eine gute war, und: "Der Termin liegt seit 43 Jahren fest. Es gab schon viel Hitze, und diesmal eben viel Regen."
Gedrängel unterm Unterstand


Dass das Zelt zeitweise über "fließendes Wasser" verfügte, ist für Moser ein hinnehmbares Ereignis. "Es gibt hier ja einen festen Boden. Einen zweiten einzuziehen ist für uns unbezahlbar", argumentiert der Stadtbürgermeister.
Tagsüber kamen kaum Festgäste auf den Platz. Am Samstagabend, dem klassischen Ausgehtag, trauten sich auch nur wenige auf die Karussells. Unter jedem verfügbaren Unterstand drängten sich die Leute, denn wieder einmal kamen Schauer runter. Das Festzelt war, wenn Musik und Unterhaltung auf der Bühne geboten wurden, jedoch proppenvoll.