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Hermeskeiler Werke sparen Energie mit neuem Kontrollsystem - Investiert werden 2017 fast fünf Millionen Euro

Hermeskeiler Werke sparen Energie mit neuem Kontrollsystem - Investiert werden 2017 fast fünf Millionen Euro

Welche Maschine braucht wie viel Strom? Und wo lässt sich noch Energie einsparen? Darüber haben die VG-Werke Hermeskeil jetzt einen guten Überblick. Ein neues Kontrollsystem soll dabei helfen, die Energiekosten dauerhaft zu senken. Viel Geld in die Hand nehmen müssen die Werke dagegen für bevorstehende Projekte im Trink- und Abwassernetz.

Hermeskeil. "Das da drüben sind unsere größten Energiefresser", sagt der Hermeskeiler Werkleiter Andreas Schmitt und deutet in Richtung eines Klärbeckens. Dort müsse regelmäßig Sauerstoff zugeführt werden, damit Bakterien die Stoffe im Abwasser zersetzen könnten. "Die Belüfter verbrauchen den meisten Strom auf der Anlage", erklärt Schmitt. Ebenfalls viel Energie werde im Faulturm gebraucht, wo der Klärschlamm teilweise zu brennbarem Faulgas abgebaut werde. "Dazu müssen konstant 38 Grad Celsius herrschen", erläutert der Werkleiter und öffnet die Tür zum Heizraum. An der Wand ist eine Reihe von Messinstrumenten montiert. "An den Zählern können wir genau ablesen, welche Wärmemenge wohin geleitet wird."

Diese Wärmezähler gibt es laut Schmitt noch nicht lang. Sie sind Teil eines neuen Energiemanagementsystems. Dadurch wissen die Mitarbeiter nun viel genauer Bescheid, bei welchem ihrer Arbeitsprozesse wie viel Energie verbraucht wird - und wo sie Strom und Kosten sparen können. Die Vorbereitungen dafür liefen schon 2013 an. Damals gab es Änderungen bei der Stromsteuer, die produzierende Betriebe, zu denen auch Wasserwerke gehören, zahlen müssen. "Der Bund hat gesagt: Ihr bekommt die Steuern nur noch erstattet, wenn ihr eure Stromkosten runterfahrt", erläutert Gerhard Jung, kaufmännischer Leiter bei den VG-Werken.

Um an ein entsprechendes Zertifikat zu kommen, mussten die Werke einiges leisten - und dabei streng nach international gültiger Norm vorgehen. Ein Energieteam wurde gebildet, das innerhalb von drei Jahren die gesamten Energieverbräuche aller Anlagen und Prozesse erfasst hat. Die Daten füllen einen dicken Aktenordner, das neue Handbuch. "Der Aufwand war enorm", sagt Werkleiter Schmitt. "Aber wir profitieren davon." Im Groben sei der Energieverbrauch natürlich vorher schon bekannt gewesen. Rund 1,7 Millionen Kilowattstunden im Jahr fielen für das Wasser- und Abwasserwerk an. "Wir haben aber an vielen Stellen noch genauer hingeschaut", sagt Schmitt. Alle Dienstfahrten wurden erfasst, die Faulgas-Erzeugung an der Kläranlage sowie sämtliche Motoren, Belüfter und Heizanlagen unter die Lupe genommen. "Wir haben dabei Schwachstellen erkannt, die zum Teil schon behoben sind." So habe man ältere Pumpen durch neue, "effizientere" ersetzt. Auch bei anstehenden Investitionen habe man auf energiesparende Bauteile geachtet, beispielsweise im neuen Pumpwerk bei Reinsfeld (der TV berichtete am 18. Oktober).Es wird teurer


Zudem seien alle Mitarbeiter geschult. Alle sechs Monaten würden Kontrolllisten erstellt. Das helfe dabei, bei "Abweichungen" die Ursache schneller zu klären, ergänzt Gerhard Jung. Ob die Werke das Zertifikat behalten dürfen, prüfen Fachleute einmal jährlich. "Unser Ziel ist, jedes Jahr ein Prozent bei den Energiekosten einzusparen." Die Energiekosten sind laut Jung ein Posten unter den Kostenfaktoren, "den wir immerhin noch selbst beeinflussen können". Das sehe bei Personalkosten, Material und Investitionen anders aus. Der größte Brocken seien allerdings die Abschreibungen, die für neue Kanäle oder Wasserleitungen einzukalkulieren sind. Je mehr in neue Anlagen investiert wird, desto mehr steigen laut Werkleiter Schmitt auch die Abschreibungen. Beim Betriebszweig Abwasser machten sie knapp über die Hälfte der Kosten aus. "Erwirtschaften" könne man dies nur über die Nutzungsgebühr. "Wir gehen dabei generationengerecht vor", sagt Jung, anstatt die Dinge "künstlich hinauszuschieben. Die heutigen Nutzer zahlen auch für die Leitungen."

Weil die Investitionen zuletzt hoch waren, und weitere große Projekte bevorstehen (siehe Extra), hat der VG-Rat für 2017 höhere Gebühren für Trink- und Abwasser beschlossen (TV vom 23. Dezember). Beim Wasser steigt der wiederkehrende Beitrag von 78 auf 81 Euro. Für die Oberflächenentwässerung werden 32 Cent statt 30 Cent pro Quadratmeter fällig. Bei einem 800-Quadratmeter-Grundstück bedeutet dies laut den Werken eine "Mehrbelastung" von 9,61 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Durch diese "moderate Erhöhung" könnten die Werke ihren Jahresverlust auf etwa 66 000 Euro reduzieren.Extra

Die Verbandsgemeinde-Werke Hermeskeil betreuen ein 200 Kilometer langes Leitungsnetz für Trink- und Abwasser, außerdem rund 6000 Hausanschlüsse. Die höchsten Investitionen sind laut Werkleiter Andreas Schmitt beim Betriebszweig Abwasser fällig - unter anderem deshalb, weil neue Kanalleitungen mehr als das Dreifache von einer neuen Wasserleitung kosteten. Seit 2000 seien jährlich im Durchschnitt "um die zwei Millionen Euro" geflossen. 2017 nehmen die Hermeskeiler Werke fast fünf Millionen Euro in die Hand, davon allein 3,38 Millionen Euro für Abwasser-Projekte. Fortgesetzt wird beispielsweise der Umbau der Kläranlage in Reinsfeld zum Pumpwerk, welches das Abwasser zur Behandlung nach Hermeskeil pumpt. Im Frühjahr geht es weiter mit dem Ausbau der Koblenzer Straße in Hermeskeil. An der Primstalsperre bei Nonnweiler, aus der die Werke ihr Trinkwasser beziehen, werden neue Pumpen eingebaut. Im Hermeskeiler Stadtteil Höfchen ist ein Neubaugebiet zu erschließen. Dort ist laut Schmitt auch der Abwasserkanal zur Hermeskeiler Kläranlage marode und soll im Frühjahr erneuert werden. Die Leitungen würden zum Teil unterhalb des Ruwer-Hochwald-Radwegs verlegt, weshalb man diesen zeitweise sperren müsse. Details will Schmitt am 31. Januar im Stadtrat vorstellen. cweb