"Herr Bürgermeister" ist ihm fremd

"Herr Bürgermeister" ist ihm fremd

LANGSUR. Karl-Heinrich Orth redet gerne um die Ecke: "Von der Natur und den Menschen her ist das hier Heimat", sagt der gebürtige Trierer über Langsur. Seit nunmehr 25 Jahren - mit einer Unterbrechung - ist Orth Ortsbürgermeister der Gemeinde an der Sauer. Doch ans Aufhören will der 60-Jährige noch nicht denken.

Der ganze Mann strahlt Gemütlichkeit aus: Die stattliche Figur, das meist freundliche Lächeln und die kleine Pause, die er vor jeder Antwort macht, lassen für Hektik keinen Raum. Doch sobald Karl-Heinrich Orth auf die Politik zu sprechen kommt, ändert sich sein Erscheinungsbild etwas. Die Augen werden schmaler, das Lächeln ist verschwunden und die Stimme hebt sich. "Politik ist wie eine Droge", sagt Orth. Eine Droge, die ihn seit seinem Eintritt in die CDU Ende der sechziger Jahre nicht mehr losließ und ihm 1979 zum ersten Mal das Amt des Ortsbürgermeisters von Langsur bescherte. Erst ein Jahr zuvor war er aus beruflichen Gründen an die Sauer gezogen.Orth ist jedoch kein verbissener Politiker, so manchen seiner Kommentare versieht er mit einem Augenzwinkern. Auch sonst ist er meistens zu Späßen aufgelegt. Da kann es schon einmal passieren, dass Orth einen Priester über die frühere weltliche Rolle der Kirche aufklärt, in einem fast leeren Lokal fragt, ob noch ein Platz frei sei oder neu Hinzugezogene mit den Worten "Übrigens, der wohnt bei Erna" in die Dorfgemeinschaft einführt. Orth sucht den persönlichen Kontakt zu den Menschen, die Distanz des "Herrn Bürgermeisters" ist ihm fremd. So empfängt er Besucher durchaus auch in seinem Wohnzimmer, auf dem Sofa sitzend - "wie ein Pascha", sagt er schmunzelnd - und lässt sie an seinen Neckereien mit Ehefrau Hella Dallevedove-Orth teilhaben. Vielleicht hat diese direkte Art etwas mit seinem Beruf zu tun: Orth ist Beamter bei der Zollverwaltung und war lange Zeit am Grenzübergang Wasserbilligerbrück beschäftigt. Da gehörte es quasi zum Handwerkszeug, auf andere Menschen zugehen zu können.Ziele für die nächsten Jahre - sofern er die Kommunalwahlen im Sommer wieder für sich entscheidet - hat er sich auch schon gesteckt: Einen Radweg nach Wintersdorf will er bauen, etwas für den Tourismus tun und zwei weitere Baugebiete ausweisen. Diese Projekte sollen junge Familien nach Langsur locken. Nur so seien Grundschule und Kindergarten, aber auch die verbliebenen Geschäfte auf Dauer zu halten.Wenn Orth so über die Zukunft der Gemeinde spricht, wird deutlich, dass er an der Sauer heimisch geworden ist. Ob er das Leben in Trier vermisse? Nein, sagt er. Schließlich fahre er noch täglich zur Arbeit in die Stadt, deren "Rolle als Oberzentrum man anerkennen" müsse. Karl-Heinrich Orth redet eben gerne um die Ecke.