Hexen, Kriege und sanfter Tourismus

Hexen, Kriege und sanfter Tourismus

GRIMBURG. Das Leben auf einer Burg war hart. Die Bewohner führten ein karges Dasein, ständig begleitet von Kälte, Feuchtigkeit und fragwürdiger Hygiene. Wesentlich besser erging es den mehr als 50 TV -Ferienspaßlern, die gestern die Grimburg besuchten.

Drohend ragt der Turm der Grimburg am Horizont auf. Wehe, ihr kommt in böser Absicht - diese Botschaft scheint er jedem, der sich nähert, mitgeben zu wollen. Es haben sich tatsächlich einige Horrorgeschichten auf der mächtigen Burganlage abgespielt. Doch die Faszination, die von diesem Gemäuer ausgeht, überwiegt - was Dittmar Lauer, Vorsitzender des Fördervereins Grimburg, in seinen Führungen zu nutzen weiß. Lauer begrüßte die Ferienspaß-Teilnehmer mit einer Erläuterung der Vorgehensweise und der Ziele des Fördervereins. "Uns geht es vor allem darum, die Burg als Kulturdenkmal präsentieren zu können." Der Förderverein hat große Teile der Anlage neu aufgebaut, "aber immer auf vorhandenen Fundamenten", betonte Lauer. "Die Grundrisse sind authentisch." Die Burg Grimburg wurde um 1190 als Landesburg der Trierer Erzbischöfe gebaut. Sie war ehemals Amtssitz für 40 Hochwaldgemeinden. 1522 wurde die Burg durch Franz von Sickingen eingenommen. Später fanden hier Hexenprozesse statt. Eine der Hexen wurde berühmt: Der Förderverein hat in dem Schauspiel "Die Hexe von Niederkell" das traurige Schicksal der "Herrigs Traut" verewigt. 1978 begann der Förderverein, die Burg freizulegen und in den Folgejahren teilweise wieder aufzubauen. Dittmar Lauer und seine Mitstreiter legen großen Wert auf sanften Tourismus: "Wir werden weder Trachten anziehen und nach bayerischem Vorbild jodeln, noch werden wir spitze Hüte tragen, uns Besen zwischen die Beine stecken und Harry-Potter-Spiele veranstalten", betonte der Vorsitzende des Fördervereins. "Wir wollen inhaltlich und historisch korrekte Arbeit leisten, ohne die Burg zu touristischem Fast Food zu machen." Die Besucher waren begeistert. "Man denkt immer, eine Burg sei ein Herrschersitz gewesen, auf dem Fürsten und Barone bequem und üppig lebten", sagte Beate Nischik (38). "Aber Film und Fernsehen sind bei weitem nicht so echt und regelrecht lebendig wie diese Burg." Auch Bernd Wilhelm (42) zeigte sich beeindruckt. "Stätten wie diese ergänzen in unvergleichlicher Weise die Theorien über das Leben im Mittelalter." Inge Judith (45) war schon öfter auf der Grimburg. "Was der Förderverein hier leistet, ist sehr wichtig." Sie will auf jeden Fall dabei sein, wenn der Verein vom 15. bis zum 17. August sein 25-jähriges Bestehen feiert.

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