Polizei: „Hier ist die Welt noch in Ordnung“

Polizei : „Hier ist die Welt noch in Ordnung“

In Trier hat Harald Lahr die Innenstadtwache geleitet. In Saarburg ist er nun Chef der auch für Teile der VG Kell zuständigen Polizeiinspektion. Er sieht deutliche Unterschiede zwischen den beiden Städten – besonders was seine Klientel angeht.

Harald Lahr ist seit neuer Chef der Saarburger Polizeiinspektion (der TV berichtete). Anfang 2017 hat der 47-Jährige von der Trierer Innenstadtwache zur Inspektion an der Saar gewechselt. Im Vergleich der beiden Standorte sagt der 47-Jährige: „In Saarburg ist die Welt noch in Ordnung.“

Dort sei das Miteinander auch gerade mit den Bürgern noch stärker ausgeprägt, und ein Polizist gelte noch als Respektperson. Im Umgang mit Beschuldigten hat er das insbesondere bei der sogenannten Beschuldigtenvernehmung registriert. Der Betroffene muss nicht dorthin kommen, er kann sich von einem Anwalt vertreten lasen. Und genauso sei es in Trier auch meist gelaufen. Lahr: „In Saarburg hingegen kommen die Beschuldigten in der Regel zur Vernehmung und arbeiten auch mit.“ Und das sei nicht nur bei denjenigen so, die dadurch entlastet würden. „Die Umgangsformen sind hier noch so, wie man sie sich wünscht“, sagt Lahr erfreut und ergänzt: „Es ist schön hier zu arbeiten, zu leben sowieso.“

Erfreut stellt Lahr ebenfalls fest: „30 Jahre, nachdem ich die Schule hier besucht habe, bin ich wieder da. Das ist schon toll.“ Lahr stammt aus Perl. Seine Polizeilaufbahn hat er in Enkenbach (Pfalz) begonnen. Es folgten eine Station in Schifferstadt (Pfalz) und ein Studium an der Polizeihochschule Hahn. Später arbeitete er unter anderem in Andernach und Koblenz. 2006 wechselt er zum Polizeipräsidium Trier. Anfang 2016 übernahm er die Leitung der Innenstadtwache. 2017 kam er als stellvertretender PI-Leiter nach Saarburg.

Dass er im Februar zum kommissarischen und vergangene Woche zum tatsächlichen Chef der Inspektion ernannt wurde, kam für ihn überraschend. Der gebürtige Saarländer, der mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Trassem lebt, sagt: „Die Beförderung kam aus heiterem Himmel. Ich habe mir nie träumen lassen, dass ich mal Dienststellenleiter werde.“ Doch an der Saar fehlte ein PI-Leiter. Laut Anton Geiger vom Polizeipräsidium Trier darf Lahrs Vorgänger derzeit keine Führungsaufgaben übernehmen. Er sei auf eine Stelle außerhalb von Trier versetzt worden. Näheres wollte der Regierungsdirektor mit Verweis auf ein laufendes strafrechtliches Verfahren nicht sagen.

Zur Amtseinführung hat Lahr vergangenen Freitag 80 Gäste unter anderem von der Polizei, Feuerwehr und THW sowie aus Justiz und Politik zu einer Feierstunde eingeladen. Auch seine Familie war anwesend. Dass er zudem den Hausmeister und die Reinigungskraft der Inspektion begrüßte, entsprach ganz seinem Credo. Das lautet: „Jeder ist wichtig auf seinem Platz.“

Auch Vertrauen und Respekt sind dem 47-Jährigen wichtig. Und dass diese Werte gelten, das wünscht er sich nicht nur im Umgang mit seinen Kollegen, die er als hoch motiviert bezeichnet. Er will, dass auch „mit den Leuten draußen“ so umgegangen wird. Lahr: „Kundenorientierung ist nämlich auch für die Polizei ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Wichtigster ,Kunde’ ist dabei nicht der Straftäter, sondern der rechts­treue Bürger, der Hilfe und Unterstützung braucht.“ Die Polizei brauche die Bürger auch. Das Thema Sicherheit ist Lahr ebenfalls ein großes Anliegen und damit meint er nicht nur die Sicherheit bei großen Veranstaltungen. Er denkt dabei auch an Gewalt in engen sozialen Beziehungen. Gerade bei diesem Thema sei Vertrauen ganz wichtig, damit betroffene Frauen auch mit Männern von der Polizei redeten, sagt Lahr.

Innerhalb der Polizei legt der neue PI-Chef laut eigener Aussage großen Wert auf transparenten, ehrlichen und fairen Umgang. Er will zudem die Inspektion in Saarburg und die Wache in Konz enger miteinander verzahnen. Dafür will er regelmäßig in der Nachbarstadt präsent sein. Zudem setzt er Kollegen aus Konz regelmäßig in Saarburg ein und umgekehrt und lässt eine gemeinsame Dienstvereinbarung, in der festgesetzt wird, wer was wann macht, erarbeiten. Zur Motivation seiner Kollegen, die auch die seine ist, sagt Lahr: „Sie identifizieren sich mit ihrer Dienststelle. Sie sind hier verwurzelt und haben ein persönliches Interesse, dass man hier sicher lebt.“

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