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Hilfe für Eltern mit Babys greift – Bilanz der Hebammenzentrale in Trier positiv

Kostenpflichtiger Inhalt: Unterstützung : Hilfe für Eltern mit Babys greift – Bilanz der Hebammenzentrale in Trier positiv

Fast 1000 Beratungsgespräche und 270 persönliche Termine: Die beiden Mitarbeiterinnen der Hebammenzentrale in Trier hatten im ersten Jahr alle Hände voll zu tun. Freiberufliche Kolleginnen und Familien danken es ihnen.

Mira ist inzwischen zehn Monate alt. Ihre Mutter Ramona Gintzel (40) aus Wasserliesch ist froh, dass sie in den vergangenen Monaten kompetente Hilfe hatte. „Ich hatte gar keine Ahnung, worum ich mich kümmern musste“, sagt sie im Gespräch mit dem TV. Weil sie keine Hebamme gefunden habe, habe sie sich an die Hebammenzentrale in Trier gewandt. Dort habe sie sich gut aufgehoben und beraten gefühlt. Die zuständige Hebamme, Lina Neitscher, habe ihr zwar keine Kollegin vermitteln können, ihr aber mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Sie habe Mira untersucht und gewogen. Ihr selbst habe sie unter anderem gezeigt, wie sie richtig Fieber messe, das Kind wickele oder schonend im Tragetuch unterbringe. Dafür sei sie sehr dankbar, sagt Gintzel.

Die Zentrale

Hebamme Lina Neitscher ist eine rheinland-pfälzische Pionierin. Sie ist die Verantwortliche in der landesweit ersten Hebammenzentrale, die in der Südallee 37e in Trier angesiedelt  und für die Stadt sowie den Kreis Trier-Saarburg zuständig ist. Seit 2019 kümmert sich Lina Neitscher zusammen mit Nicole Keipinger um schwangere Frauen oder Familien mit Babys, die keine Hebamme gefunden haben. Neitscher und Keipinger sind freiberuflich als Hebammen tätig. Neitscher ist als 50-Prozent-Kraft in Teilzeit angestellt, Keipinger arbeitet auf 450-Euro-Basis wenige Stunden pro Woche in der Hebammenzentrale und soll zum Beispiel Urlaubszeiten ihrer Kollegin kompensieren. Die Stadt Trier, der Kreis Trier-Saarburg sowie das Land finanzieren die Hebammenzentrale mit jährlich 46 000 Euro. Das Projekt ist bis Ende 2021 auf drei Jahre angelegt.

Die Hilfe

Alle Menschen, mit denen Neitscher Kontakt hat, brauchen Hilfe. Oft finden sie diese nicht anderweitig, weil die Kapazitäten der freiberuflichen Hebammen in der Region ausgelastet sind. Deshalb gibt es immer noch viele Frauen mit Neugeborenen ohne Nachsorgehebamme, obwohl jede Frau laut Sozialgesetzgebung eigentlich das gesetzlich verankerte Recht auf eine solche Betreuung hat. „Solange sie keine Hebamme haben, können sich die Frauen an uns wenden“, sagt Neitscher. „Wenn sie Probleme haben, können sie auch zehn Mal kommen.“ In der Zentrale mache sie auch Vorsorgeuntersuchungen. Sie könne zudem Laboruntersuchungen veranlassen, sagt die Hebamme. Außerdem gebe es Beratung zur Geburt und zu Themen wie Stillen, Betreuung nach der Geburt, Beikost oder zum richtigen Tragen des Babys.

Die Statistik

Die Überlastung der vorhandenen Kapazitäten führt dazu, dass die Hebammenzentrale, die im Internet auf einer Unterseite von www.profamilia.de/ erreichbar ist, im ersten Jahr ihres Bestehens 990 Anfragen bearbeitet hat. Die Anfragen kommen übers Telefon oder die Internetseite der Hebammenzentrale. Die Hilfesuchenden kommen größtenteils und zu etwa gleichen Anteilen aus dem Kreis Trier-Saarburg und der Stadt Trier (siehe Info).

Zusätzlich zu den Anfragen, die die Hebammen Lina Neitscher und Nicole Keipinger schriftlich oder telefonisch beantworten, kommen 270 Vor-Ort-Termine in der Zentrale. Diese Termine rechnen die Hebammen in ihrer freiberuflichen Arbeitszeit über die Krankenversicherungen der Frauen ab. 70 Familien, die keine Hebamme gefunden haben, haben Neitzscher und Keipinger im vergangenen Jahr komplett begleitet. Bei den Müttern ohne Hebamme könne die Zentrale etwa 50 Prozent vermitteln. Schwierig werde es, wenn die Frauen sich erst sehr spät in der Schwangerschaft meldeten. Vor allem dann, wenn der voraussichtliche Geburtstermin in den Sommerferien oder in der Weihnachtszeit liege. Das seien Zeiten, in denen viele Hebammen ihre eigenen Kinder betreuen müssten.


Entlastung für Kolleginnen

Dies ist laut Neitscher jedoch nur ein Teil der Arbeit in der Trierer Hebammenzentrale. Mit am wichtigsten sei die Arbeit für die Koleginnen. Zwar helfe die Zentrale nicht direkt gegen den Hebammenmangel in der Region, aber die vorhandenen Kapazitäten der rund 60 Hebammen in Trier/Trier-Saarburg würden besser koordiniert. „Die Kolleginnen werden entlastet, weil wir die Telefonarbeit für sie übernehmen“, sagt Neitscher. Von den rund 2500 Geburten in Trier und im Gebiet des Kreises Trier-Saarburg (siehe Info) lande ein Drittel in der Zentrale.

Früher haben sich die Mütter oft von Hebamme zu Hebamme durchtelefoniert. Jetzt können sie sich direkt in der Zentrale melden, weil dort 50 der etwa 60 Hebammen ihre aktuellen Kapazitäten in eine Datenbank einpflegen lassen. Selbst könnten die Kolleginnen das nicht tun, erklärt Neitscher. Zugriff auf die Datenbank habe nur die Zentrale. Allerdings seien alle Kolleginnen über einen Messengerdienst gut vernetzt. So könnten sie sich fachlich austauschen und auch akute Nachfragen von werdenden und jungen Müttern weitergeben.