Hilfe für Flüchtlinge und Helfer rund um Trier

Hilfe für Flüchtlinge und Helfer rund um Trier

Wo es um die Betreuung Bedürftiger geht, können die Kirchen nicht abseits stehen. Die evangelische Kirche hat jetzt in Konz ein Betreuungszentrum für Flüchtlinge eingerichtet. Das fungiert zugleich als eine Zentrale der Flüchtlingsbetreuung im evangelischen Kirchenkreis Trier.

Konz/Trier. "Die Festung Europa ist durchlässig geworden", sagt Pfarrer Christoph König, und man weiß nicht recht, was da überwiegt - die Freude über die Lockerungen an den Grenzen des abgeschotteten Europa oder die Sorge um die Auswirkungen der Flüchtlingsströme auf alle, die direkt oder indirekt damit zu tun haben. Das sind langfristig wohl die meisten in Deutschland.
Büro in verlassenem Pfarrhaus


Christoph König ist Migrationsbeauftragter im evangelischen Kirchenkreis Trier, der von der saarländischen Grenze bis in den Kreis Birkenfeld und zur nordrhein-westfälischen Grenze reicht und insgesamt 20 Kirchengemeinden beinhaltet. König ist mit seiner Trierer Kollegin Friederike Kuhlmann-Fleck für die Flüchtlingshilfe im gesamten Kirchenkreis zuständig. Dass er und Patricia Schmidt-Luxa vom Diakonischen Werk jetzt in Konz sitzen, ist reiner Zufall. An der Kar thäuser Straße steht das Pfarrhaus leer und soll irgendwann abgerissen werden. Es bietet Platz genug für das Domizil eines Migrationsbeauftragten.
Der begab sich bei Beginn seiner Tätigkeit zum 1. Februar komplett auf Neuland. "Pionierarbeit" sei es - die Neuformung bestehender Kooperationen, der Aufbau neuer Vernetzungen und nicht zuletzt erste Schritte zur Integration der Asylbewerber. "Wenn Willkommenskultur keine Formel bleiben soll, dann ist Integration oberstes Gebot", sagt König.
Die evangelische Kirche hat dazu Geld in die Hand genommen. Der Kirchenkreis Trier stellt aus eigenen Mitteln bis zu 80 000 Euro zur Verfügung, jeweils für die Jahre 2015 und 2016. Mit den Fachbereichen Migration und Flucht des Diakonischen Werks gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Ziel, die einzelnen Kirchengemeinden in ihrer Flüchtlingshilfe zu unterstützen.
Die Registrierung und die Verteilung auf die Erstaufnahmeplätze ist Sache staatlicher Stellen. Die Arbeit der Kirchen setzt ein, wenn die allerersten Nöte aufgefangen wurden. Dann geht es um die Asyl-Anträge, die medizinische und nicht zuletzt die psychologische Behandlung von Menschen, die oft schwer traumatisiert sind. Und es geht um die geistliche Betreuung. Die habe mit Mission oder, etwas populärer, mit Werbung für die Evangelischen nichts zu tun, sagt Christoph König. Es sei "Lebenshilfe und Glaubenshilfe". Und wenn Flüchtlingen Asyl gewährt worden ist und sie die Erstaufnahmestelle verlassen müssen, dann hilft die Kirche weiter beim Sprachelernen, Arbeit- und Wohnungfinden.
Angespannter Wohnungsmarkt


Die Zusammenarbeit mit den Behörden verläuft reibungslos. Anders sieht es mit den Wohnungen im ohnehin angespannten Wohnungsmarkt rund um Trier aus. Es gibt eindeutige Hinweise, dass bei den Wohnungsgesellschaften die Bereitschaft zur Aufnahme gering sei. Eine "Angst vorm Fremden" macht König aus. Da ist die Zusage von Bischof Ackermann, nach Leerständen im katholischen Immobilienbesitz zu forschen, auch für die evangelische Flüchtlingsarbeit ein wichtiges Signal. Ganz gleich, welche Probleme gerade anstehen - die evangelische Betreuung setzt individuell bei den Rat- und Hilfesuchenden und ihren persönlichen Fragen und Sorgen an. Darum beschränkt sich auch die Arbeit von König und Kuhlmann-Fleck nicht auf die Administration. Die Stellen in Konz und Trier sind nicht nur Verwaltungs-, sondern auch Beratungszentren. Wie lange sich dieses Konzept individueller Betreuung angesichts wachsender Flüchtlingszahlen durchhalten lässt, ist schwer vorauszusagen. Einstweilen hält das Unterstützungsnetz, das die evangelische Kirche auch mit katholischen Partnerorganisationen wie der Caritas aufgebaut hat. "Der Weg ist noch sehr lang", sagt Patricia Schmidt-Luxa. Aber König ergänzt, in der Integration liege eine große Chance. Und zitiert die Formel von der "Dynamique provisoire" von Frère Roger aus der Abtei Taizé: dass sich aus der täglichen Arbeit gute Lösungen ergeben, die anfangs niemand voraussehen konnte.
Dass solch ein Konzept greifen kann, lässt sich an der Resonanz auf das Schulungsangebot der Kirche für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe ablesen. Der Kurs war lange vor seinem Beginn überbucht. Für einen weiteren Kurs wurde eine Warteliste eingerichtet. Die Nachfrage ist groß.
Seit einigen Wochen steht in Konz zudem das Café Hilfreich mittwochs von 14 Uhr bis 16 Uhr im evangelischen Gemeindehaus allen Hilfesuchenden offen (der TV berichtete). Das Betreuungsteam hat jetzt eine erste Bilanz gezogen. "Alle waren sich einig, dass das Café Hilfreich eine gute Einrichtung geworden ist und sehr positiv angenommen wurde. Durch mehr Struktur (gemeinsame Vorbereitungen, Impulse, interkulturelle Themen) soll die Bedürfnisorientiertheit der Ratsuchenden weiterhin Beachtung finden, allerdings immer nach unserem Grundansatz des Gebens und Nehmens." So heißt es in einer Presseerklärung.
Weitere Infos: Patricia Schmidt-Luxa, Telefon 06501-6039783, <%LINK auto="true" href="http://www.diakoniehilft.de" class="more" text="www.diakoniehilft.de"%> , Friederike Kuhlmann-Fleck, Telefon 0152-34336854, ekkt.de, Christoph König, 06501/9479916, christoph.koenig@ekir.de

Mehr von Volksfreund