Hoch über dem Tal

WALDRACH. Jetzt ist es wieder weithin sichtbar: Der "Waldracher Rentner-Treff" hat auf dem "Naumeter Kopf" ein neues Kreuz aus verzinktem Stahlrohr aufgestellt. Einst ein Mahnmal für den Frieden, widersteht es jetzt allen Witterungseinflüssen.

"Es soll eine stete Erinnerung für den Frieden und den Glauben an den Schöpfer allen Lebens sein", ist aus der rund 20-köpfigen Gruppe zu hören. Nachdem Pastor Rudolf Laub das vier Meter hohe Kreuz eingesegnet hatte, transportierten die Männer es über Korlingen zur "Aumentda-Kupp", wie die Anhöhe oberhalb von Waldrach im Volksmund heißt. Der Sprecher der Gruppe, Wolfgang Bick: "Ganz bewusst haben wir es von unserem Mitglied, dem pensionierten Schmiedemeister Rudolf Theis, aus Metall anfertigen lassen." Denn die bisherigen Kreuze an dieser Stelle mussten immer wieder saniert, beziehungsweise erneuert werden. Beim Ausheben des Fundaments hatten die fleißigen Helfer nach einem Hinweis von einer noch lebenden Stifter-Person eine Urkundenrolle in einer Glasflasche aus dem Jahre 1971 gefunden. Schriftlich hatte der Verfasser dort das Geschehen um die Errichtung des Kreuzes niedergelegt. Die Rentnergruppe hat diese Urkunde jetzt fortgeführt. Dorfchronist Leo Schuh: "In die jetzige Urkunde haben wir neben aktuellen Daten auch den ‚Aumentda-Gääst‘ aufgenommen." Um die Bergkuppe rankten sich schon in früheren Zeiten viele Geister- und Spukgeschichten vom "Naumeter-Geist". Von jeher hauste er dort oben und versetzte die Leute ringsum nach Belieben in Angst und Schrecken. Der Naumeter-Kopf, ein markanter Aussichtspunkt bei Waldrach (334 Meter), liegt auf der Gemarkung von Trier-Tarforst. Der Blick von hier reicht weit über Waldrach hinaus bis ins untere Ruwertal und die umliegenden Höhen. Die Bergkuppe hat eine historische und geschichtliche Bedeutung. Nach der Römerzeit und den vielfältigen Völkerwanderungen, verbunden mit kriegerischen Bedrohungen, hatte man hier eine "Fliehburg" errichtet. In dieser brachten sich die Bewohner der umliegenden Siedlungen in Sicherheit. Genau dort hatte Kriegsteilnehmer Peter Thomas Meyer ("Paetscha Peeda") nach glücklicher Heimkehr das erste Kreuz errichtet. Im Jahr 1945 hatte er, nach unversehrter Heimkehr aus dem Krieg und der Gefangenschaft, seinen Schwager, Zimmermeister Fritz Nellinger, beauftragt, ein großes Holzkreuz anzufertigen. Zusammen mit einigen Helfern hatten sie dieses im Herbst des gleichen Jahres auf ihren Schultern auf die Kuppe getragen und dort aufgerichtet. 25 Jahre lang trotzte es jeder Witterung. Dann nahm sich der "Hunsrückverein-Wandergruppe Trier" dem doch schadhaft gewordenen Symbol an. Im März 1971 errichtete die Wandergruppe ein von Alois Berg, Irscher Mühle, gefertigtes noch größeres Kreuz. Die "Freie Wählergruppe Kurt Koppka" aus Korlingen reparierte und restaurierte es immer wieder und stellte zusätzlich eine Ruhebank auf. Wolfgang Bick: "Bei einer Wanderung des ,Waldracher Rentner-Treffs‘ im Juli des vergangenen Jahres stellten wir mit Erschrecken fest, dass das Holzkreuz nicht mehr an seiner Stelle stand." Es war mit brutaler Gewalt abgerissen und weggeschafft worden. Das abgebrochene Holzende steckte noch im Fundamentbeton. Die Gruppe fand das Kreuz beim Absuchen des Geländes in einer Nische des Felskopfes. "Alle waren wir erregt ob dieser gotteslästerlichen Tat", sagt Bick. Spontan entschlossen sich die Männer, an gleicher Stelle ein neues und massives Kreuz zu errichten.