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Hochbetrieb in der historischen Straße

Hochbetrieb in der historischen Straße

REINSFELD. Kaiserwetter, ein sehens- und hörenswertes Spektakel mit 54 Ständen und 16 Musikgruppen im Ortskern und vor allem am Sonntag ein enormer Besucherandrang in der Historischen Straße: All diese Zutaten haben dazu beigetragen, dass die 1025-Jahr-Feier in Reinsfeld zu einer rundum gelungenen Sache und einem unbestrittenen Höhepunkt im Veranstaltungskalender des Hochwalds anno 2006 wurde.

"Das Glück ist mit den Tüchtigen" - diese alte Binsenweisheit hat sich in Reinsfeld am Wochenende erfreulicherweise vollauf bewahrheitet. Fast ein Jahr lang hatte das Organisations-Team auf diesen Termin hingearbeitet, das ganze Dorf zum Mitmachen animiert und ein voll gepacktes Programm zusammengestellt, dessen Herzstück die historische Straße - ein großes Freilichtmuseum mit 54 liebevoll dekorierten Ständen - werden sollte. Überwältigende Gemeinschaftsleistung

Und all diese Mühen haben sich gelohnt! Denn bessere Bedingungen hätten sich die Reinsfelder Vereine, Gruppen und Bürger nicht wünschen können, als sie am Wochenende bei perfektem Sommerwetter zusammen mit tausenden auswärtigen Gästen das 1025-jährige Bestehen ihres Heimatdorfes feierten. "Es ist überwältigend, was wir zusammen auf die Beine gestellt haben. Schade ist eigentlich nur, dass wir nur zwei Tage lang die schönen Stände und die historische Straße hier im Ort haben", hob Ortsbürgermeister Rainer Spies die "großartige Gemeinschaftsleistung" der Menschen im 2500-Einwohner-Ort hervor. Dieses Urteil war aber mitnichten pures Eigenlob. Egal, welchen Besucher der Jubiläumsfeier man am Wochenende befragte. Der Tenor war einhellig: "Man sieht, dass sich die Leute sehr viel Mühe gemacht haben. Uns gefällt es hier prima, und es gibt sehr viele interessante Sachen zu sehen", betonten Thomas und Bianca Heck aus Hermeskeil stellvertretend für viele andere "Geburtstagsgäste". "Ein wunderbares Fest: Schöne Stände, tolles Wetter, gute Stimmung. Was will man mehr?", fasste derweil Oliver Detemple aus Pölert seine Eindrücke zusammen. "Froh", dass sie aus Trier nach Reinsfeld gekommen sei, war auch Monika Phillips. Denn: "Die historische Straße ist eine tolle Idee. Ich finde es schön, sich mal anzuschauen, wie der Alltag der Leute früher ausgesehen hat." Manfred und Marlene Becker stoßen ins gleiche Horn. Ihnen gefalle es besonders, dass bei der 1025-Jahr-Feier die "Erinnerungen an alte Traditionen wachgehalten werden, die viele junge Leute doch überhaupt nicht mehr kennen. Bevor für die tausenden Besucher jedoch die Zeitreise beginnen konnte, und für sie in der Historischen Straße die Vergangenheit wieder lebendig wurde, mussten sie Rainer Engler, Albert Müller und die anderen Torwächter zu Reinsfeld passieren, die an den Eingangstoren, mit Hellebarden "bewaffnet", ein Auge darauf warfen, dass ein Jeder auch brav seinen Wegezoll entrichtete. Doch die zwei Euro waren ein bescheidener, eher symbolischer Obolus angesichts der vielen Attraktionen, die die Historische Straße im Ortskern den Schaulustigen zu bieten hatte. Dort wurde ein zeitlicher Bogen gespannt, der weit über das offizielle Gründungsjahr 981 (die urkundliche Ersterwähnung im Egbert-Kodex) reichte. Kurz hinter dem Eingangstor in der Hunsrückstraße hatten nämlich die alten Kelten ihr Lager aufgeschlagen. Wen es angesichts von fast 30 Grad dürstete, konnte unter anderem in einer römischen Wein-Taverne Station machen. Holde Burgfräulein und wackere mittelalterliche Recken konnten am Stand des heimischen Gewerbevereins bewundert werden, wo das "Leben in der Ritterszeit" nachgestellt wurde. Waschfrauen von anno dazumal

Außerdem zogen immer wieder Gaukler und Spielmannsgruppen durch die Straße. Erinnert haben die Reinsfelder bei ihrer Jubiläumsfeier aber auch an den Alltag und die Arbeitsbedingungen, die das Leben im Hochwald in jüngerer Vergangenheit prägten. So legten sich beispielsweise die Mitarbeiterinnen der Seniorenresidenz als Waschfrauen von anno dazumal ins Zeug. Wer wollte, konnte sich in einer alten Schmiede oder einer Drechslerwerkstatt umsehen oder auch die "Mäschowend" des Heimatvereins ansehen und dort den Besenbindern oder auch Thekla Wahlen vom Eichhof über die Schultern schauen, wie einst die Bauersfrauen aus Kuhmilch Butter machten. Dazu kam ein breit gefächertes kulinarisches Angebot und vor allem ein abwechslungsreiches musikalisches Programm, dass insbesondere zum Auftakt der Jubiläumsfeier am Samstagabend mit der gut besuchten "Nacht der Reinsfelder Bands" im Mittelpunkt stand und für gute Stimmung "bis in die Puppen" (Spies) sorgte. Ulrich und Susanne Becker aus Rheinböllen, die das Wochenende zu einem Abstecher in ihr Heimatdorf nutzten, verwundert dies jedoch nicht. Denn: "Wir kennen doch die Reinsfelder. Die können feiern, und was sie anpacken, klappt auch. Das war schon immer so", lautet ihr Fazit nach einem rundum gelungenen Geburtstagsfest.