Hochwald-Molkerei setzt Geschäftsführer ab - Aufsichtsrat nennt interne Gründe

Hochwald-Molkerei setzt Geschäftsführer ab - Aufsichtsrat nennt interne Gründe

Beben in der Milchbranche: Völlig überraschend trennt sich die Hochwald-Molkerei von ihrem langjährigen Geschäftsführer Karl-Heinz Engel. Aufsichtsratschef Hans-Jürgen Sehn nennt interne Gründe für die Entscheidung.

Paukenschlag in der deutschen Milchbranche: Die Hochwald-Gruppe trennt sich von ihrem Frontmann Karl-Heinz Engel. Über die Hintergründe des Rauswurfs wird gerätselt.

Der heute 56-Jährige leitete über zwei Jahrzehnte die Geschäfte des Unternehmens mit. Bereits seit 1993 war Engel in der Geschäftsführung tätig. 1998 hatte Karl-Heinz Engel dann die Geschäftsführung von "Milchpapst" Gottfried Haubold übernommen und galt als dessen Ziehsohn. Nach 22 Jahren in der Spitze der genossenschaftlichen Molkerei kam die Entlassung des 56-jährigen Milchmanagers für fast alle in der Branche überraschend.

Hans-Jürgen Sehn, Aufsichtsratsvorsitzender der Hochwald Food GmbH, nennt dem Trierischen Volksfreund die Gründe: "Es gab unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Führung des Unternehmens zwischen Dr. Engel und der Führungsmannschaft." An diesem Punkt zog der Aufsichtsrat die Reißleine. Offiziell heißt dies: "Mit sofortiger Wirkung wurde Dr. Karl-Heinz Engel als Geschäftsführer der Hochwald-Gruppe durch den Aufsichtsrat der Hochwald Foods GmbH abberufen und scheidet auch als Vorsitzender des Vorstandes der Hochwald Milch eG aus."

Bei der Suche nach einem Nachfolger will sich das Unternehmen Zeit lassen. "Wir suchen eine starke Führungspersönlichkeit mit Fachkompetenz und modernen Führungsqualitäten und setzen uns dabei nicht unter Druck", erläutert Sehn. Und der Neue müsse ebenso gut mit den Landwirten (5600 Mitglieder) auskommen wie mit den Mitarbeitern (knapp 1900). "Auf jeden Fall werden wir die Stelle mit einem externen Kandidaten besetzen", fügt er an. Sehn weiter: "Für die Herausforderungen der Zukunft ist unser Unternehmen gut aufgestellt. Oberste Ziele sind nach wie vor die Auszahlung eines Milchpreises über dem Bundesschnitt und die langfristige und eigenständige Weiterentwicklung von Hochwald."

Eine Einschätzung, die der Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, Michael Horper, bestätigt. "Wir sind von der Entlassung überrascht worden. Ich habe aber höchstes Vertrauen in das Ehrenamt mit den Aufsichtsräten Hans-Jürgen Sehn, Anton Streit und seinen Kollegen. Sie werden eine gute Entscheidung treffen." Die Hochwald Molkerei stehe wirtschaftlich hervorragend da und würde mit einem Milchpreis von 28,7 Cent einen Top-Preis in Deutschland zahlen. Die genossenschaftliche Molkerei mit Stammsitz in Thalfang (Landkreis Bernkastel-Wittlich) ist mit einem Umsatz in der Gruppe von knapp 1,6 Milliarden Euro die fünftgrößte Molkerei in Deutschland. Im hessischen Hünfeld hat die Gruppe rund 90 Millionen Euro in einen Molketrockenturm investiert, der Milchpulver für Babynahrung produziert. Mit Blick auf diese Investition sieht Sehn eine gute Entwicklung für Hochwald. "Wir freuen uns auf den Startschuss, und diese Ernte wollen wir bald auch ganz alleine einstreichen", sagt er dem TV und entkräftet damit zwei Entlassungsgerüchte. Im Markt wurde über Ausbauprobleme im hessischen Werk spekuliert und, dass Hochwald vor einer Fusion stehe. "Beides Quatsch", sagt der Aufsichtsratschef.

Nach den jüngsten Verhandlungsrunden zwischen der Milchbranche mit Bauern und Molkereien und dem Lebensmitteleinzelhandel fordern viele Milchbauern eine stärkere Konzentration, um dem Preisdruck des Handels besser entgegentreten zu können. "Bei unseren Landwirten gibt es keinen Wunsch nach Fusionen", wiegelt Sehn aber klar ab.

Für Milchmanager Karl-Heinz Engel endet auch seine Funktion als Vorsitzender des Milchindustrieverbands. Schon in der kommenden Woche, in Leipzig auf der Jahrestagung, soll ein Nachfolger bestimmt werden.EXTRA

Die Hochwald-Gruppe hat im vergangenen Jahr 2,28 Milliarden Liter Milch verarbeitet. Das ist zum Vorjahr ein Plus von 5,7 Prozent. Der Umsatz wurde auf 1,59 Milliarden Euro (+6,2 Prozent) gesteigert. Besonders kräftig ist die Steigerung im Auslandsgeschäft. 2014 hat Hochwald 675,3 Millionen Euro im Export erwirtschaftet. Das war ein Plus von 22,3 Prozent. Die Geschäfte mit dem Ausland haben im vergangenen Jahr 42,8 Prozent ausgemacht. Positiv entwickelte sich der Umsatz in Drittländern außerhalb der EU: Der Anteil stieg von 11,3 Prozent in 2013 auf 13,9 Prozent im vergangenen Jahr.

Die Zahl der Mitarbeiter wuchs im vergangenen Jahr um 7,4 Prozent auf 1844.

Die Produkte werden in über 100 Länder der Welt exportiert. Zu den nationalen und internationalen Marken gehören unter anderem Happy Day, Bärenmarke, Glücksklee, Lünebest, Elinas, Bonny, Hochwald, Milcow, Cacciottino, Poppenburger, MiMi LAiT, Golden Royal, Starmilk und Mana. hw