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Hochwald-VG wird heftig beworben: Hermeskeiler Politiker präsentieren in Kell Argumente für eine Fusion

Hochwald-VG wird heftig beworben: Hermeskeiler Politiker präsentieren in Kell Argumente für eine Fusion

Reger Schlagabtausch: Vertreter der Verbandsgemeinde Hermeskeil haben in Kell für die Bildung einer gemeinsamen Hochwald-VG geworben. Zugleich verteidigten Politiker der VG Kell ihre Entscheidung für Fusionsgespräche mit Saarburg. Eingeladen hatte eine Keller Bürgerinitiative, die den Anschluss ihres Orts an Hermeskeil per Bürgervotum erkämpfen will. Daran hält sie auch weiter fest.

Der Hermeskeiler VG-Chef Michael Hülpes Foto: Christa Weber

Es sei "nicht mehr und nicht weniger als eine Jahrhundertentscheidung" zu treffen. Mit diesen Worten leitete Dittmar Lauer den Diskussionsabend im Gasthaus Zum friedlichen Landmann ein. Die Keller Bürgerinitiative hatte dazu eingeladen, um für einen Anschluss ihres Ortes an die Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil und die Bildung einer neuen VG Hochwald zu werben. Etwa 150 Zuhörer verfolgten eine angeregte, meist sachlich geführte Diskussion.

Position der Bürgerinitiative: Es gehe um die Frage, "was besser für unseren Heimatort und unseren Hochwald ist", sagte Lauer. Diese Frage sei bei der Bürgerbefragung 2012 "eindeutig beantwortet" worden. Der Keller Raum habe damals klar für einen Wechsel nach Hermeskeil, der Zerfer Raum für Saarburg gestimmt. Die Initiative fühle sich diesem Bürgerwillen verpflichtet. Die Menschen müssten bei einer "so bedeutsamen Frage" mitbestimmen. Deshalb wolle man für den Ort Kell einen Bürgerentscheid (siehe Extra).

Lauer kritisierte die bisherige Vorgehensweise der VG-Politiker. Deren "Geburtsfehler" sei gewesen, mit der VG als Einheit einen Fusionspartner zu suchen. Damit sei klar gewesen, "dass es Saarburg wird, weil die Zerfer bei Hermeskeil nie mitgemacht hätten". Auch hätte der Fusionsausschuss das erarbeitete Zahlenwerk zu den möglichen Partnern Saarburg, Hermeskeil und Ruwer "öffentlich zur Aussprache stellen" und erst dann darüber abstimmen lassen sollen. Es könne nicht sein, "dass die Räte beschließen und die Bürger zu folgen haben", beklagte Lauer. Um auch einmal die Argumente der Hermeskeiler zu hören, habe man diese nach Kell eingeladen.

Das sagen die Hermeskeiler: "Wir sind alle Hochwälder. Zusammen sind wir stark", warb Bürgermeister Michael Hülpes (CDU) für die Bildung einer Hochwald-VG, für die man auch Teile der VG Thalfang gewinnen wolle. Ein Antrag auf Umbenennung der VG Hermeskeil laufe bereits. Hülpes betonte, es gehe nicht nur um die Stärkung des Mittelzentrums. "Die Angebote in Hermeskeil garantieren auch den Keller Bürgern eine wohnortnahe Versorgung." Er sehe die Gefahr, dass langfristig Einrichtungen wie das Krankenhaus oder das Amtsgericht wegfallen könnten. Auch wenn die Keller nach einer Fusion mit Saarburg weiter nach Hermeskeil führen: "Die politischen Dienstleistungen sollten dort sein, wo die Lebenswege der Menschen hinführen".

Das Argument, das Land wolle eine Fusion in Gänze, sei "nicht schlagkräftig", sagte Hülpes. Trittenheim sei 2012 allein sogar über eine Kreisgrenze gewechselt. Er verstehe die Bedenken der Keller, dass sie in einer VG Hochwald mit Thalfang von deren Schulden einen "Brocken mitzuschlucken" hätten. In Mainz habe man ihm aber versichert, das Land werde für "finanzielle Kompensation" sorgen.

Zur Forderung, einen Amtssitz und das Freibad in Kell zu erhalten, sagte Hülpes: "Selbstverständlich wird man hier gewisse Dienstleistungen vorhalten. Und keiner von uns will das Freibad schließen." Dies versicherte auch Hartmut Heck, CDU-Chef im VG-Rat Hermeskeil. Er verteidigte das Werben der Hermeskeiler, das keine "Einmischung" darstelle: "Die Reform betrifft uns auch." Für die SPD-Fraktion erklärte Uwe Roßmann im Reinsfelder Dialekt, man solle die Keller nicht aufhalten, wenn sie sich "dem Hochwald" anschließen wollten. Paul Port (Bürger für Bürger) sagte zum Thema Schulen, die Realschule plus in Kell würde die Hermeskeiler Schullandschaft "abrunden".

Das sagen Keller Politiker: Gegenwehr kam unter anderem vom Keller Ortschef Markus Lehnen (CDU). Sein Ort habe auch "eine Verantwortung für die gesamte VG", sagte Lehnen. Deren Gremien seien sich einig, es "zunächst mit Saarburg versuchen zu wollen". Dabei würden alle wichtigen Argumente des Amtssitzes Kell eingebracht. Mit diesen Fusionsgesprächen sei die Tür für Hermeskeil nicht zu, sagte Lehnen. Er halte es für fair, die Bürger zu informieren und mit ihnen zu diskutieren, sobald Ergebnisse vorlägen: "Mit einem Bürgerentscheid macht man jetzt die Tür zu."

Auch für Ratsmitglied Johannes Reitz (CDU) ist es "der falsche Zeitpunkt" für einen Entscheid. Damit zwinge man die Ortsgemeinde in eine Richtung, obwohl "noch alles offen" sei. Und ob das Krankenhaus in Hermeskeil schließe, sei "von Verwaltungsstrukturen völlig unabhängig".

Kritik von Bürgern: Otto Grundhöfer aus Kell bezweifelte, dass trotz der beschlossenen Gespräche mit Saarburg noch alles offen sei. Von der Infoveranstaltung am 26. Oktober in Mandern sei er "bitter enttäuscht" gewesen. Er und viele andere hätten den Eindruck gehebt, es würden "nur noch Scheingefechte geführt". Alexander Heib aus Hinzert-Pölert bemängelte, das Gesprächsergebnis mit Saarburg könne später "niemand bewerten, weil kein Vergleich da ist". Wenn die Verwaltungsstrukturen den Bedürfnissen der Bürger folgten, dann könne "nur eine Aufteilung der VG Kell herauskommen".

So geht es weiter: Die Bürgerinitiative strebt laut Dittmar Lauer weiter einen Bürgerentscheid in Kell an. Nachdem die Verwaltung die abgegebenen Unterschriftenlisten für ungültig erklärt habe, würden die neuen Listen von einem Anwalt geprüft. Vor dem Entscheid will Lauer die Landtagsabgeordneten für die Region Hochwald zur Diskussion einladen. Sie sollten erklären, was für sie "der Sinn der Reform" sei. Im Landtag werde letztlich über die Fusion entschieden.