Hochwasser- und Unwetterschutz für Tawern, Onsdorf und Onsdorf

Kostenpflichtiger Inhalt: Konzepte gegen Starkregenfolgen : Bürger diskutieren über Hochwasserschutz für Tawern und Umgebung

Gut ein Jahr nach einem verheerenden Hochwasser in Tawern und Konz-Könen liegen jetzt Vorschläge zum Schutz vor Starkregen und Überflutungen vor. 100 Bürger haben im Tawerner Bürgerhaus mit Experten darüber diskutiert.

Es ist die Nacht vom 30. auf den 31. Mai 2018: Der Alarm ertönt gegen 1.30 Uhr. Zuerst in Tawern. Der Mannebach und der Mausbach treten über die Ufer, dann geht es schnell. Das Wasser fließt über Gärten, Wiesen und den Kanal zu den Häusern. Es steht auf der Hauptstraße in Tawern. Mehrere Wohnungen werden verwüstet. Etliche Feuerwehrleute sind bis zum Vormittag im Einsatz, um das Wasser abzupumpen.

Die Vorfälle in Tawern sind aber nur der Anfang der Unwetternacht. Mit knapp einer Stunde Verzögerung bahnen sich die Wassermassen ihren Weg vom Berg herunter in tiefer gelegene Ortschaften: Der Tawerner Ortsteil Fellerich, Temmels, Wawern und vor allem der größte Konzer Stadtteil Könen sind ebenfalls betroffen. Es gibt Hangrutsche, überflutete Straßen und vollgelaufene Keller. Das Kanalsystem reicht nicht aus für die Wassermenge von 70 Litern Regenwasser pro Quadratmeter (der TV berichtete).

Die Bürger erinnern sich rund 15 Monate nach dem Unwetter noch gut an das Hochwasser des vergangenen Jahres, bei dem der Abfluss der Wassermassen durch enge Rohre, niedrige Brücken und Schlamm und Geröll erschwert wurde. 100 Menschen sind deshalb zum Beispiel zur Präsentation der Ergebnisse von Ortsbegehungen und Workshops zum Hochwasserschutz für die Orte Tawern, Onsdorf und Wawern im Tawerner Bürgerhaus gekommen. Sie diskutieren dort mit Experten aus der Verbandsgemeindeverwaltung, vom Planungsbüro Hömme und den Ortsbürgermeistern Thomas Müller (Tawern), Karl-Peter Binz (Wawern) und Klaus Fuchs (Onsdorf) über die Probleme.

Das von der Verbandsgemeinde Konz beauftragte Planungsbüro Hömme aus Pölich hat umsetzbare Ideen erarbeitet, wie solche Folgen von vergleichbaren Unwettern künftig abgemildert oder sogar verhindert werden können. Grob gesagt sollen kurz-, mittel- und langfristig umzusetzende Projekte dafür sorgen, dass sich Wasser am besten gar nicht erst sintflutartig in die Ortskerne ergießt. Falls sich dies nicht verhindern lässt, weil einfach zu viel Wasser unterwegs ist, sollen zumindest die Schäden minimiert werden.

Das kann aus Sicht der Experten gelingen, wenn Straßen so angelegt sind, dass sich Wasser den Weg in unbebautes Gelände suchen kann. Schlamm und Geröll, das beispielsweise aus Weinbergen vom Wasser mitgerissen wird, dürfe gar nicht bis zu Engpässen vor Rohren und Brücken vordringen. Die Erdmassen müssten kontrolliert abgeleitet oder in Sammelbecken zurückgehalten werden.

Thomas Molter, der sich in der VG-Verwaltung Konz unter anderem um die Renaturierung von Gewässern kümmert, erläutert, dass sich durch Polder und Überflutungsgebiete die Fließgeschwindigkeit der Bäche, die in Tawern im Ortskern zusammenlaufen, verringern lasse. „Bei der Renaturierung des Mannebachs haben alle Anrainer mitgezogen“, berichtet Molter. Damit könne der Bachabschnitt zwischen dem Ort Mannebach und Tawern demnächst so umgestaltet werden, dass sich das Wasser schon vor der Ortslage verteilt und nicht mehr mit Gewalt in die Engstellen im bebauten Ortskern schieße.

„Letztlich helfen die vorgeschlagenen Maßnahmen aber nur bei bestimmten Starkregen- und Hochwasserereignissen und bieten keine Sicherheit für jede Situation“, erläutert Volker Thesen vom Planungsbüro Hömme. Man müsse bei allen Maßnahmen die Wirksamkeit im Verhältnis zum Aufwand sehen. Und eine einzelne Maßnahme würde selten zum Erfolg führen, es sei immer ein ganzes Bündel erforderlich, um Hochwasserschäden zu vermeiden.

„Dazu gehört auch die Mitarbeit der Hauseigentümer. Diese sind verpflichtet, sich selbst um Hochwasserschutz bei ihrem Eigentum zu kümmern“, macht der Experte deutlich.

In diese Kerbe schlagen auch die Vertreter der Ortsgemeinden. „Aber wir tun schon jetzt einiges und kümmern uns um die kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen“, sagt der Tawerner Ortsbürgermeister Müller. So habe die Feuerwehr bereits ein Sandsäckelager angelegt, und man spreche bereits mit Anrainern an den Bächen, dass sie keine Materialien wie Hecken- oder Rasenschnitt im Einzugsgebiet der Bäche lagerten.

In Wawern ist der Standort des Feuerwehrgerätehauses problematisch. Das liegt laut Ortschef Binz mitten im überflutungsgefährdeten Gebiet. Er sagt: „Wir können natürlich nicht einfach das Feuerwehrhaus verlegen. Aber wir können es sichern, um es im Notfall einsatzfähig zu halten.“

Das Unwetter beschäftigte Ende Mai 2018 die Feuerwehren im Raum Tawern und Konz-Könen. Foto: Florian Blaes

Die Ortsgemeinderäte der Dörfer müssen nun diskutieren, wie sie die Vorschläge umsetzen können, Förderanträge stellen und detaillierte Planungen beauftragen. Kurzfristig – und damit sei ein Zeitraum von bis zu zwei Jahren gemeint – werde sich etwas tun, versprechen die Ortsbürgermeister.