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Hochwassergefahr Wohnpark Bachstraße Ortsgemeinderat Tawern

Dorfentwicklung : Wie die Hochwassergefahr die Planung für ein Bauprojekt in Tawern beeinflusst

Der Tawerner Rat hat bei der Planung für den Wohnpark Bachstraße das Thema Hochwasser in den Fokus gerückt. Nach den Überschwemmungen vor drei Jahren sind die Bürger für diese Problematik besonders sensibilisiert.

Das Hochwasser, das am 31. Mai 2018 die Ortsmitte von Tawern heimsuchte, hat Spuren hinterlassen. Bei allen Bauprojekten, die im Ortskern und in den angrenzenden Bereichen geplant werden, befürchten Bürger seitdem, dass das Wasser bei Starkregenereignissen erneut für Überflutungen sorgt. Der Ortsgemeinderat beschäftigte sich daher in seiner jüngsten Sitzung im Tawerner Bürgerhaus intensiv mit entsprechenden Einwänden von Anliegern rund um das geplante Bauprojekt „In den 14 Brühlmorgen“.

Nach der sogenannten Offenlegung des Bebauungsplans für das Bauprojekt Wohnpark Bachstraße Ende vergangenen Jahres gab es zahlreiche Anmerkungen von betroffenen Bürgern und den beteiligten Behörden. Der Schutz vor Überflutungen steht bei den Befürchtungen der Anlieger dabei ganz oben. Denn in der Tawerner Ortsmitte fließen der Mausbach aus Onsdorf und der Mannebach zusammen. In den vergangenen Jahren hat sich immer wieder gezeigt, dass große Wassermassen nicht schnell genug abfließen können und die Bäche über die Ufer treten – mit der Folge, dass das Wasser in Keller und Garagen eindringt und die Straßen teilweise unter Wasser stehen.

Da für den Wohnpark Bachstraße die hinter den abzureißenden Häusern Bachstraße 4 und 5 liegende Freifläche zu großen Teilen bebaut werden soll, entstehen 1900 Quadratmeter versiegelte Fläche auf dem 5200 Quadratmeter großen Gelände. Weitere Bauwerke wie eine Tiefgarage verhindern nach Auffassung der Anlieger, dass Regenwasser schnell versickern kann. Die Gefahr von Überflutungen mit den entsprechenden Folgen für alle, die unterhalb des Baugeländes liegen, würden durch das Projekt noch größer als sie ohnehin schon seien, hieß es.

Fachleute der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Trier und des Planungsbüros Paulus & Partner (Wadern) haben daher die Beschaffenheit des Geländes untersucht und Maßnahmen entwickelt, um die Auswirkungen von Starkregen zu minimieren.

Wichtigster Bestandteil der Maßnahmen ist dabei, dass auf dem Gelände des Bauprojekts mehrere große Regenwasserrückhaltebecken entstehen werden. Das Volumen der Becken wurde nach den Anregungen der SGD Nord und der Anwohner noch einmal um ein Drittel auf 96 Kubikmeter vergrößert. Ein Kubikmeter Wasser entspricht 1000 Litern. Rohrleitungen mit entsprechend großem Querschnitt werden auf dem Grundstück so verlegt, dass das Wasser von den versiegelten Flächen in die Rückhaltebecken geleitet wird. Von dort aus kann es dann mit zwei Litern pro Sekunde in den Bach abfließen.

Die Experten halten diese Maßnahmen für ausreichend und bestätigen auf mehrfache Nachfrage aus dem Rat, dass sich die allgemeine Situation in Bezug auf den Schutz des Ortes vor Überflutungen durch Starkregen verbessere statt verschlechtere.

Ortsbürgermeister Thomas Müller verweist in dem Zusammenhang auch darauf, dass die Wassermenge aus den beiden Bächen schon vor dem Eintreffen im Ort durch wirksame Hochwasserschutzmaßnahmen deutlich reduziert würde. „Wenn dann noch das Brückenbauwerk an der Onsdorfer Straße bei der Erneuerung der Kreisstraße 110 so verändert wird, dass dort zukünftig kein angeschwemmtes Treibgut den Wasserdurchfluss unter der Brücke blockieren kann, sollten wir bei einem hundertjährigen Hochwasser gut geschützt sein.“ Das Hochwasser vom 31. Mai 2018 hätte allerdings eine Wassermenge in den Ort gebracht, die so nur alle 200 Jahre zu erwarten sei.

Nach der gründlichen Beratung aller Anmerkungen sprach der Rat einstimmig für die Verabschiedung des Bebauungsplans aus. Der Beschluss beinhaltete zusätzlich, dass die beiden im hinteren Teil des Geländes geplanten Mehrfamilienhäuser nicht höher als elf Meter werden dürfen. Sie überragen also auf keinen Fall die jetzt schon existierende Bebauung an der Bachstraße, die aktuell zwölf Meter beträgt. „Falls später einmal eine Aufstockung um eine weitere Etage geplant werden sollte, ist das jetzt ausgeschlossen“, stellte Müller fest.

Die Konzer Verbandsgemeindeverwaltung wurde per Beschluss aufgefordert, das „Rechtsetzungsverfahren zu betreiben“. „Alle Bürger, die Einwände gegen den Bebauungsplan vorgebracht haben, erhalten eine schriftliche Nachricht, dass ihr Anliegen besprochen und dass darüber einzeln abgestimmt wurde“, ergänze Ortsbürgermeister Müller die weitere Vorgehensweise.