Hoffen auf den Wettergott

Verheerende Bilanz beim Freibad, durchwachsenes Fazit auf den Campingplätzen, positive Zahlen bei Museen und Kinos und Zuversicht bei den Winzern: Das ist das Ergebnis eines Sommers, der bisher ausblieb. Der TV hat sich in Konz, in Saarburg und in der Region umgehört.

Schwimmbäder: Einer der großen Verlierer dieses Sommers ist das Saarburger Freibad. Wenn es regnet, verirrt sich abgesehen von ein paar hartgesottenen Rentnern, die sich mit Schwimmen fit halten, niemand dorthin. Dieter Speck, Betriebsleiter im Saarburger Schwimmbad, sagt: "Bisher sind es bis zu 40 Prozent weniger Besucher als im Vergleichszeitraum 2011." In der vergangenen Woche seien 500 Badegäste gekommen - wobei 150 Besuche auf das Konto eines Sportvereins aus Hamburg gingen, der derzeit ein Trainingslager in Saarburg abhalte. In dieser Woche waren es bis Mittwoch 200 Besucher - inklusive der Schwimmer des Sportvereins. Zum Vergleich: "2011 sind es während der ganzen Saison 39 000 Besuche gewesen", sagt Speck. Bleibt das Wetter weiter so trüb, dürfte in diesem Jahr die Marke von 25 000 kaum geknackt werden.Eisverkäufer: Auch Ilario Rongioletti, Besitzer der Eisdiele Dolomiti in Konz, zieht ein düsteres Fazit. "Das schlechte Wetter ist katastrophal für uns. Wir müssen mit dem Umsatz im Sommer ja den Winter mitfinanzieren", sagt er. Normalerweise schließe er sein Café von November bis Ende Januar. "Wahrscheinlich müssen wir dieses Jahr auflassen", meint Rongioletti. Er hoffe auf gutes Wetter im August, wenn die Schulferien vorbei und die Konzer wieder zu Hause sind.Ähnlich sieht es in Saarburg aus. Stefania Fattor vom Eiscafé Cortina hat deutlich weniger Gäste als im vergangenen Jahr. "Etwa 30 Prozent weniger", schätzt sie. Gastronomie: Ähnlich trüb wie bei den Eisverkäufern fällt die Bilanz der Gastronomen aus. "Unsere große Terrasse mit 50 Plätzen war in diesem Sommer kaum voll", sagt etwa Simin Nadjdi, Geschäftsführerin des Konzer Resto-Cafés Contionacum. Auch Jutta Müntnich, Geschäftsführerin des Hotels Villa Keller in Saarburg, hat schon bessere Sommer erlebt. "Das Wetter beschert uns einen deutlichen Umsatzrückgang, den wir leider nicht mehr aufholen können", sagt sie. Von bis zu 40 Prozent weniger Umsatz geht Cristoforo Russo aus. Der Inhaber des Saarburger Hotels am Markt bietet 150 Plätze im Außenbereich. "Die Gäste sind zwar da, der Betrieb läuft aber nur sehr schleppend, da viele nur kurz bleiben und nur wenig trinken", sagt Russo. Tourismus und Camping: Unter mangelnden Besuchen von Kurzurlaubern leidet auch der Campingplatz Konz-Könen. "Für unsere Jahresbilanz ist das Wetter der letzten Wochen sehr schlecht", sagt Inhaberin Elrike Horsch. Viele Gäste mit Reservierungen kämen glücklicherweise trotzdem. "Die Einbußen, die wir über die Kurzurlauber haben, können wir aber nicht mehr aufholen", fürchtet sie. Auch der Verein Saar-Obermosel-Touristik verzeichnet weniger Kurzbesucher. "Gäste, die längerfristig gebucht und geplant haben, kommen und bleiben auch, spontane Camper halten sich aber zurück", sagt die Geschäftsführerin Stefanie Koch. Stabil geblieben sind die Buchungen im Ferienhaus-Bereich des Landal-Green-Parks. Wie die Presseabteilung mitteilt, würde es aber auch dort an Gästen im Campingbereich des Parks mangeln.Große Feste: Nass war es beim Konzer Heimat- und Weinfest. Die Konzer Stadtverwaltung schätzt den Besucherrückgang im Vergleich zum Vorjahr zwar auf 5000. Angesichts des vielen Regens sei man mit den geschätzten 25 000 Besuchern aber zufrieden. "Es war das seit Jahren schlechteste Wetter für die Hermeskeiler Stadtwoche", sagt Volker König, zweiter Beigeordneter im Hermeskeiler Stadtrat. Bis zu 50 Prozent Einbußen mussten die 20 Schausteller an besonders nassen Tagen in der Festwoche hinnehmen. Weniger Besucher kamen 2012 auch zu den Saarburger Markttagen, zum Trierer Altstadtfest und zum Moselfest im Trierer Stadtteil Zurlauben. Aber auch hier zogen die Verantwortlichen ein durchweg positives Fazit. "Wir hatten Glück, dass es nur an einem Tag geregnet hat", sagt etwa Christian Reichert, Cheforganisator bei Zurlauben.Einzelhandel: Ebenfalls zufrieden ist Christoph Höptner, Centermanager der Trier Galerie. "Schön ist das Wetter natürlich nicht, aber wir sind nicht unzufrieden, eher im Gegenteil", sagt er. Bei Regenwetter suchten die Trierer und die Touristen in der Region Alternativen zum Schwimmen und Radfahren. "Dann bemerken wir gleich steigende Besucherzahlen." Beim Verkauf von Sommerkleidung sei freilich eine Kaufzurückhaltung zu beobachten. "Die ganz hochsommerlichen Artikel gehen nicht gut und werden nun im Schlussverkauf angeboten", sagt Höptner. Sabine Clabbers, Filialgeschäftsführerin der Galeria Kaufhof und Beisitzerin der City Initiative, pflichtet ihm bei: "Auch bei uns ist das Interesse an Sommerkleidung und Bademode gering, dafür liefen Langarmshirts und Übergangsware schon recht gut", sagt sie. Bauern und Winzer: "Für uns Winzer ist das Wetter nicht so schlimm", sagt Gerd Knebel, Geschäftsführer des Weinbauverbandes Mosel. Die Voraussetzungen für einen guten Jahrgang seien immer noch gegeben. Der Temperaturdurchschnitt sei trotz Regen in Ordnung. "Die Feuchtigkeit bedeutet aber mehr Pflege, um Pilzbefall zu verhindern. Mit Pflanzenschutz und guter Laubarbeit ist aber alles im Griff", sagt Knebel. Aus Sicht der Landwirte sehe man das pessimistischer, sagt Walter Clüsserath, Vorsitzender des Kreisverbandes Trier-Saarburg der Bauern und Winzer. "Auf den Feldern steht teils das Wasser. Mit Maschinen kann man da nicht rein", erklärt er. Es komme sicher zu Verlusten. Wie hoch sie werden, entscheide sich in den nächsten Wochen.Mehr zum Wetter untervolksfreund.de/sommerExtra

Nicht alle leiden unter dem Regen: Dem Hallenbad an den Kaiserthermen beschert das Wetter einen Besucherrekord. Im Juni 2012 kamen 28 657 Gäste. Im ebenfalls verregneten Juni 2011 waren es 27 165. Weil mehr als 50 Feriengruppen, die Freibadbesuche geplant hatten, kurzerhand aufs Hallenbad umschwenkten, musste das Bad an mehreren Tagen seine Kassen wegen Überfüllung schließen. Während im Rheinischen Landesmuseum die Besucherzahlen um nicht ganz fünf Prozent anstiegen, verzeichnet das Stadtmuseum Simeonstift einen deutlichen Zuwachs. "Darunter sind viele Tagestouristen, die sich die Stadtgeschichte lieber im Trockenen ansehen", sagt Mitarbeiterin Kathrin Schug. Auch die Trierer Kinos profitieren vom Regen. Dirk Ziesenhenne vom Broadway geht von zehnmal mehr Besuchern als bei gutem Wetter aus. Im Cinemaxx kamen zwar 10 000 Besucher weniger als im Vorjahreszeitraum. "Das liegt aber am Filmangebot und nicht am Wetter", sagt Geschäftsführer Bernhard Benischek. "Bei 30 Grad und Sonne hätten wir deutlich weniger Besucher." woc/fas