Hoffen auf den Wettergott

Verheerende Bilanz bei den Freibädern, durchwachsenes Fazit bei großen Festen, positive Zahlen bei Museen und Kinos: Das sind die Begleiterscheinungen eines Sommers, der bisher ausblieb. Der TV hat sich im Hochwald und in der Region umgehört.

Große Feste: "Es war das seit Jahren schlechteste Wetter für die Hermeskeiler Stadtwoche", sagt Volker König, zweiter Beigeordneter der Satdt Hermeskeil. Bis zu 50 Prozent Einbußen mussten die 20 Schausteller an besonders nassen Tagen in der Festwoche hinnehmen. "Aber selbst an verregneten Tagen waren viele Besucher da. Angesichts des Wetters kann man zufrieden sein", sagt König.Ähnlich nass war es beim Konzer Heimat- und Weinfest. Doch auch hier trotzten die Besucher dem Regen. Die Konzer Stadtverwaltung schätzt den Besucherrückgang im Vergleich zum Vorjahr zwar auf 5000. Angesichts des vielen Regens sei man mit geschätzten 25 000 Menschen aber zufrieden. Weniger Besucher kamen 2012 auch zu den Saarburger Markttagen, zum Trierer Altstadtfest und zum Moselfest im Trierer Stadtteil Zurlauben. Aber auch hier zogen die Verantwortlichen ein durchweg positives Fazit. "Wir hatten Glück, dass es nur an einem Tag geregnet hat", sagt etwa Christian Reichert, Cheforganisator bei Zurlauben.Schwimmbäder: In den beiden Freibädern im Hochwald ist die Saison bisher hingegen ein kompletter Schlag ins Wasser gewesen: "Dieses Jahr hätten wir das Bad besser zugelassen", sagt der Hermeskeiler Bürgermeister Michael Hülpes. Bisher wurden 2012 bis Mitte Juli magere 4100 Besucher gezählt. Im Vergleich zum Vorjahr - als zu diesem Zeitpunkt schon 13 600 Gäste die Eingangspforten passierten - ist das ein gravierender Einbruch.Im frisch sanierten Keller Freibad sieht die Situation nicht besser aus. Bisher haben nur knapp 1800 Besucher den Sprung ins kühle Nass gewagt. "Das sind etwa zwei Drittel weniger als in einem normalen Jahr", sagt Jörg Jost, Werkleiter der Verbandsgemeinde (VG).Tourismus und Camping: Einbußen in dieser Größenordnung hat es laut Jost auch bei den Besucherzahlen auf dem Keller Campingplatz gegeben, der direkt neben dem Freibad liegt und ebenfalls von den VG-Werken betrieben wird.Lange Gesichter gibt es auch im Azur-Campingpark in Reinsfeld. Auch dort bleiben die Urlauber weg. "Wir merken das schlechte Wetter extrem", sagt das Verwalterpaar Thomas Dürkop und Sonja Geldermann. Bisher stehen in der 2012er-Bilanz erst 1784 Übernachtungen. Im Jahr davor waren es bis zu diesem Zeitpunkt immerhin 3233. "Wenn ich den Campingplatz privat betreiben müsste, würden diese Einbußen schnell an die Existenz gehen. Wir haben aber den Vorteil, dass wir die große Azur-Kette im Rücken haben und zum Beispiel deren Plätze in Italien derzeit voll sind", sagt Dürkop.Eisverkäufer: Schlecht schmeckt auch den Besitzern der beiden Eisdielen in Hermeskeil das verregnete Sommerwetter. "Das Geschäft läuft nicht so toll", sagt Shanai Badalova vom Eiscafé Bellavista. Einen Vergleich zum Vorjahr kann sie aber nicht ziehen, weil sie den Laden erst Ende 2011 übernommen hat. Alessandro del Favero vom Eiscafé Venezia sagt: "Es kommen deutlich weniger Leute als normal". Deshalb verzichtet er zurzeit auf den Einsatz von Aushilfskräften und spart so Kosten. Ganz so düster beurteilt del Favero den Saisonverlauf aber nicht. Er tröstet sich damit, "dass in der Urlaubszeit sowieso die meisten Leute weg sind". Im Mai und im Juni - als es viele Feiertage gab und in der Regel mehr Umsatz gemacht wird - sei er mit dem Betrieb ganz zufrieden gewesen. Gastronomie: Zwischen 30 und 40 Prozent schätzt Maria Kuhl den Umsatzrückgang im Vergleich zu guten Jahren ein. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie den Landgasthof Kuhl in Reinsfeld. Normalerweise würden viele Radfahrer und Familien mit Kindern im Landgasthof einkehren, "in diesem Jahr kommen aber kaum welche und die, die kommen, sind aufgrund des Wetters schlecht gelaunt", sagt Kuhl. "Jetzt können wir nur darauf hoffen, dass der Herbst besser wird."Einzelhandel: Durchaus zufrieden ist Christoph Höptner, Centermanager der Trier Galerie. "Schön ist das Wetter natürlich nicht, aber wir sind nicht unzufrieden, eher im Gegenteil", sagt er. Bei Regenwetter suchten die Trierer und die Touristen in der Region Alternativen zum Schwimmen und Radfahren. "Dann bemerken wir gleich steigende Besucherzahlen." Beim Verkauf von Sommerkleidung sei freilich eine Kaufzurückhaltung zu beobachten. "Die ganz hochsommerlichen Artikel gehen nicht gut und werden nun im Schlussverkauf angeboten", sagt Höptner. Sabine Clabbers, Filialgeschäftsführerin der Galeria Kaufhof und Beisitzerin der City Initiative, pflichtet ihm bei: "Auch bei uns ist das Interesse an Sommerkleidung und Bademode gering, dafür liefen Langarmshirts und Übergangsware schon recht gut. Auch die Herbstware wird stärker beachtet", sagt sie. Bauern und Winzer: "Für uns Winzer ist das Wetter nicht so schlimm", sagt Gerd Knebel, Geschäftsführer des Weinbauverbandes Mosel. Die Voraussetzungen für einen guten Jahrgang seien immer noch gegeben. "Es gab genug Wasser. Der Behang ist nicht so stark wie im Vorjahr, aber gut", sagt er. Der Temperaturdurchschnitt sei trotz Regen in Ordnung. "Die Feuchtigkeit bedeutet aber mehr Pflege, um Pilzbefall zu verhindern. Mit Pflanzenschutz und guter Laubarbeit ist aber alles im Griff", versichert Knebel. Aus Sicht der Landwirte sehe man das pessimistischer, sagt Walter Clüsserath, Vorsitzender des Kreisverbandes Trier-Saarburg der Bauern und Winzer. "Auf den Feldern steht teils das Wasser. Mit Maschinen kann man da nicht rein", erklärt er. Es komme sicher zu Verlusten für die Landwirte. Wie hoch sie werden, entscheide sich in den nächsten Wochen.Mehr zum Wetter untervolksfreund.de/sommerExtra

Nicht alle leiden unter dem Regen: Dem Hallenbad an den Kaiserthermen beschert das Wetter einen Besucherrekord. Im Juni 2012 kamen 28 657 Gäste. Im ebenfalls verregneten Juni 2011 waren es 27 165. Weil mehr als 50 Feriengruppen, die Freibadbesuche geplant hatten, kurzerhand aufs Hallenbad umschwenkten, musste das Bad an mehreren Tagen seine Kassen wegen Überfüllung schließen. Während im Rheinischen Landesmuseum die Besucherzahlen um nicht ganz fünf Prozent anstiegen, verzeichnet das Stadtmuseum Simeonstift einen deutlichen Zuwachs. "Darunter sind viele Tagestouristen, die sich die Stadtgeschichte lieber im Trockenen ansehen", sagt Mitarbeiterin Kathrin Schug. Auch die Trierer Kinos profitieren vom Regen. Dirk Ziesenhenne vom Broadway geht von zehnmal mehr Besuchern als bei gutem Wetter aus. Im Cinemaxx kamen zwar 10 000 Besucher weniger als im Vorjahreszeitraum. "Das liegt aber am Filmangebot und nicht am Wetter", sagt Geschäftsführer Bernhard Benischek. "Bei 30 Grad und Sonne hätten wir deutlich weniger Besucher." woc/fas