Hoffnung für "Schandfleck" in Wellen

Hoffnung für "Schandfleck" in Wellen

Die ehemalige Bergarbeitersiedlung Mariendorf in Wellen gehört seit 2009 Investor Thierry Giacometti. Der Investor klagt darüber, dass der Werkbetrieb der Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerke potenzielle Kunden abschreckt.

Wellen. Der Ortseingang an der Josef-Schnuch-Straße in Wellen ist nicht gerade ein schöner Anblick. Ortsbürgermeister Hans Dostert bezeichnet die Entrée-Situation sogar als "Schandfleck".
Investor klagt über Staub


Obwohl die ehemalige Bergarbeitersiedlung Mariendorf zu einer Denkmalzone gehört (siehe Extra), ist sie nicht gerade attraktiv. Die Fassaden der Häuser sehen schmutzig aus. Der tägliche Betrieb an den Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerken (TKDZ) hat seine Spuren hinterlassen. Trotzdem hegt der Ortsbürgermeister Hoffnung. "Uns wäre es natürlich wichtig, dass die Siedlung wieder hergerichtet wird", sagt Dostert. Er setzt auf den luxemburgischen Investor Thierry Giacometti.
Der 29-Jährige hat laut eigener Aussage den TKDZ 2009 die Siedlung und ein Privathaus von Geschäftsführer Winfried Meseke in Langsur für 1,5 Millionen Euro abgekauft.
Im Gegensatz zu dem Anwesen in Langsur konnte der Jungunternehmer die 23 kleineren Häuser sowie das große Mehrfamilienhaus in Wellen aber noch nicht wieder an den Mann bringen. Der Erfolg bei der Vermarktung blieb bisher aus.
Dabei liegen die Grundstücke direkt an der luxemburgischen Grenze. 80 000 beziehungsweise 90 000 Euro pro Haus sind für Giacometti die Verhandlungsbasis. Das sei attraktiv für Pendler oder Luxemburger, die im Vergleich mit ihrem Heimatland günstiger wohnen wollen.
Aber potenzielle Interessenten sind laut dem Jungunternehmer meist doppelt beunruhigt - einerseits wegen des LKW-Verkehrs vor der Haustür, andererseits wegen der Staubentwicklung durch den Werksbetrieb.
Die Denkmalschutzvorschriften an den meisten Häusern hält Giacometti auch für ein Problem. Denn potenzielle Kunden müssen sich bei Sanierung und Umbau an bestimmte Vorgaben halten. Das sei ebenfalls ein Grund dafür, dass die Interessenten letztlich doch nicht zusagten, sagt Giacometti.
Doch der Luxemburger will nicht aufgeben. Er hat die Grundstücke schon neu ausmessen und parzellieren lassen. Jetzt will er ein Haus in der Josef-Schnuch-Straße als Vorführgebäude sanieren. Mögliche Käufer sollen am Beispiel sehen, welches Potenzial in den Gebäuden steckt. Ein Architekt sei schon beauftragt, ein Plan liege aber noch nicht vor, sagt Giacometti.
Ortsbürgermeister Dostert hält die Grundstücke in der Siedlung grundsätzlich für attraktiv. Er hebt die Gärten hinter den Häusern und die direkte Anbindung an die Natur hervor. "Wenn Herr Giacometti erst ein Modellhaus dort stehen hat, steigen die Chancen, die Gebäude zu verkaufen, ungemein", meint der Ortschef. "Was das Werk betrifft, da bin ich zuversichtlich, dass sich das ändert, wenn ein neuer Besitzer da ist." Damit spielt Dostert auf die Verkaufspläne von Geschäftsführer Winfried Meseke an (der TV berichtete).
Extra


Denkmalzone Kalkwerk: Die Wohnkolonie Mariendorf (Josef-Schnuch-Straße 5 bis 26 sowie Marienstraße 1 bis 13) wurde in den 1910er Jahren geplant und in den 1920er Jahren gebaut. Das geschah auf Initiative der Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerke, die Wohnraum für ihre Arbeiter brauchten. Die Einzel- und Doppelhäuser sowie die Direktorenvilla wurden nach einheitlichem Konzept in neubarocken Formen errichtet. Die Fabrik, Verwaltungs- und Gemeinschaftsbauten der TKDZ stehen ebenfalls auf der Denkmalliste für den Kreis Trier-Saarburg. cmk

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