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Holzmodule statt Stahlcontainer: Wie die Verbandsgemeinden Schweich und Konz Flüchtende unterbringen

Holzmodule statt Stahlcontainer: Wie die Verbandsgemeinden Schweich und Konz Flüchtende unterbringen

Wohncontainer aus Stahl und Beton werden rar, leerstehende Hotels, Pensionen oder Häuser füllen sich. Um Flüchtende weiterhin adäquat unterbringen zu können, setzen die Verbandsgemeinden (VG) Konz und Schweich auf Holzhäuser. Ende März sollen sie bezugsfertig sein.

Schweich/Konz. 1554 Asylbewerber leben nach aktuellem Stand im Kreis Trier-Saarburg. Der Strom reißt nicht ab. "Für uns ist keine Entspannung zu erwarten", erklärt Landrat Günther Schartz. Neuer Wohnraum muss also her. In dieser Situation feiert Holz als Baustoff sein Comeback.

Was wird wo gebaut? In Schweich hat die Firma Holzbau Henz (Trierweiler) ein großes Holzhaus gleich neben dem Sportplatz am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium gebaut, das bis zu 84 Flüchtende aufnehmen kann. In genau dem gleichen Stil sind am Roscheider Weg in Konz Holzgebäude von Holzbau Faber mit Platz für 60 Personen aufgestellt worden. Eine völlig andere Optik kommt in der Konzer Saarstraße zum Zuge. Dort errichten mehrere Firmen aus der Region drei Wohneinheiten mit zwei Etagen, die jeweils bis zu sechs Menschen Unterkunft bieten können. Wie die Belegung jedoch letztendlich sein werde, hänge vom Bedarf zum Zeitpunkt der Fertigstellung ab, sagt Birgit Pfaus-Ravida, Pressesprecherin der VG Konz. Die Schweicher Gebäude sollen nach dreimonatiger, die Konzer sogar nach zweimonatiger Bauzeit Mitte bis Ende März bezugsfertig sein.

Wie sehen die Konzepte aus? Das 526 Quadratmeter große Gebäude in Schweich, entworfen von der Lamberty Architekten GmbH Trier, setzt auf aneinandergereihte Module in blau-grün-gelb-weißer Optik. Jede der Einheiten erfüllt eine bestimmte Funktion: Schlafen, Essen, Lernen/Schulung und Körperpflege. Frauen und Männer haben jeweils eigene Schlaf- und Badezimmer. Ein anderes Konzept verfolgt das Architektenbüro Manfred Müller & Partner aus Trier in der Konzer Saarstraße. Auf etwa 50 Quadratmetern sind pro Modul alle notwendigen Räume von Schlafen über Küche bis zum Bad für bis sechs Menschen vorhanden.

Was kosten die Gebäude und wer zahlt?: 970 000 Euro zahlt der Kreis Trier-Saarburg für den Bau in Schweich, 750 000 Euro für die Häuser in der Roscheider Straße in Konz. Ein anderes Finanzierungsmodell steht für die Bauten in der Saarstraße: Die Verbandsgemeinde Konz trägt die Kosten und vermietet wiederum an den Kreis. Das Gelände ist von der Stadt Konz gepachtet. 230 000 Euro kosten die drei Module insgesamt.

Warum Holz?

Ein Modellprojekt auf dem Flugplatz Hahn hat Staatssekretär Salvatore Barbaro im Herbst in Trier vorgestellt. Holzmodule seien günstiger als Stahlcontainer, könnten schnell errichtet und fast beliebig kombiniert werden. Zudem seien sie 20 bis 30 Jahre nutzbar, warb er für diese neue Form des Wohnungsbaus.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit der Handwerker?
Die Zahl der Gewerke ist reduziert. Als Handwerker sind notwendig Zimmerleute/Schreiner, Dachdecker, Klempner, Haustechniker, Fenster- und Türenbauer, Elektriker und Boden- und Fliesenleger. Der Auftragnehmer in Schweich, also die Firma Holzbau Henz, engagiert die übrigen Handwerker.
Für die Bauten in der Konzer Saarstraße sind mehrere regionale Betriebe (Rohbau: Firma Joachim Ludwig, Rascheid) beteiligt.

Was sagt die Handwerkskammer?
HWK-Präsident Rudi Müller hat bereits im Herbst die Idee als Chance für das heimische Handwerk begrüßt. Nach einigen Monaten ist bei der Kammer allerdings Ernüchterung eingekehrt. "Wir haben viel geworben", sagt Matthias Schwalbach von der HWK-Wirtschaftsförderung. "Aber für diesen Aufwand sind die Anfragen bislang moderat."
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Nicht nur bei der Unterbringung von Flüchtenden spielt Holz mittlerweile eine zunehmend tragende Rolle, auch in Metropolen entdecken Architekten den nachwachsenden Rohstoff neu. So soll in Wien demnächst ein 84 Meter großes Holzhochhaus gebaut werden. Aber auch in der Region haben Bauherren Holz längst als Baustoff entdeckt und setzten neue Akzente. Benötigen Kommunen die Holzmodul-Unterkünfte eines Tages nicht mehr für Flüchtende, können sie schnell umfunktioniert werden etwa zu Ferienhäusern, Einfamilienhäusern oder Schulräumen und gestalten so Stadt- und Ortsansichten neu. vkExtra

Flüchtlingszahlen (aktueller Stand: 31. Januar): Kreis Trier-Saarburg: 1554 VG Konz: 286 VG Hermeskeil: 149 VG Kell: 174 VG Ruwer: 134 VG Saarburg: 239 VG Schweich: 305 VG Trier-Land: 267Extra

Hans-Jürgen Stein aus Kasel ist im Vorstand der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. Er erläutert, was bei der Holzmodulbauweise zu beachten ist. Vorteile: Wenn es um das Argument des schnellen Bauens geht, hat Holz einen großen Vorteil. Es gibt kaum Trocknungszeiten, was bei den mit Wasser hergestellten Baustoffen wie Stein und Beton sehr wohl zu beachten ist. Holz ist nachhaltiger Baustoff und hat eine hervorragende CO-Bilanz. Er wird im besten Falle nahe am Bauort hergestellt, verbraucht wenig Energie und ermöglicht eine hohe regionale Wertschöpfung. Im Holzbau lassen sich die heute vorgeschriebenen höheren Wärmedämmwerte tendenziell leichter erreichen. Das heißt mit geringeren Wanddicken. Besonderheiten: Holz ist ein anspruchsvoller Baustoff. Er verzeiht keine Ausführungsfehler. Schnell wird eine fehlende oder falsche Abdichtung zu einem Problem, welches im schlimmsten Fall das Holz und damit das Haus beschädigt oder in Teilen zerstört. Ein Holzbau muss daher gut geplant und gut gebaut sein. Gleiches gilt für den Brandschutz und Schallschutz. Hier sind mineralische Baustoffe im Vorteil. Daher muss gerade bei diesen Aspekten bei der Ausführung und Planung besondere Sorgfalt walten. Nicht zuletzt sollten die Produktionskapazitäten im Auge behalten werden. Der Markt reagiert bei erhöhter Nachfrage schnell mit höheren Preisen, wie man es bei herkömmlichen Metall-Containerlösungen, deren Preise sich vervielfacht haben, ja gesehen hat. Aber leider auch damit, dass das benötigte Holz eben nicht mehr nachhaltig erzeugt wird. vk