Hornspan, Herz und Homöopathie

HERL. Nur 15 Autominuten von Trier entfernt, in Herl, befindet sich der vom Bundesministerium für Verbraucherschutz zum Demonstrationsbetrieb für ökologischen Landbau ernannte Knospenhof. Als ältester Bio-Betrieb im Kreis Trier-Saarburg ist er der einzige, der nach Demeter-Richtlinien wirtschaftet.

Der 1982 auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umgestellte Hof wird von Jürgen Meßer und seiner Frau Claudia zusammen mit einer Mitarbeiterin als Familienbetrieb geführt. Das Anwesen in Herl übernahmen sie - ursprünglich zusammen mit einer Betriebsgemeinschaft - wegen der landschaftlichen Schönheit der Umgebung und der Stadtnähe, die Vermarktungsmöglichkeiten für die erzeugten Produkte eröffnete.Käsespezialitäten als Markenzeichen

"Anfangs", so erzählt Jürgen Meßer, "begegnete man uns mit einer Mischung aus Skepsis und Neugier. Aber nach fünf Jahren klopfte mir der damalige Ortsbürgermeister von Herl auf die Schulter und sagte: Gratuliere, Du hast es hingekriegt". Tatsächlich entwickelte sich der Hof nach den zwei Umstellungsjahren und der Anerkennung durch den Demeterverband zu einer bekannten Adresse in der Region. Ein Grund dafür ist die Herstellung eigener Käsespezialitäten, die zum Markenzeichen des Knospenhofes geworden sind und auf dem Wochenmarkt in Trier sowie im eigenen Hofladen angeboten werden. Direkt vermarktet werden auch Fleisch und Wurst. Die Verarbeitung erfolge nach strengen Richtlinien ohne Zusatzstoffe. Daneben bietet der Hofladen Kartoffeln und Getreide aus eigener Produktion, Gemüse sowie ein breites Naturkostsortiment. "Wir beliefern inzwischen Gastronomie, Läden und die Landesgartenschau", berichtet Meßer. Im vergangenen Jahr erhielt der Knospenhof den Umweltpreis des Kreises Trier-Saarburg. Verdient, hieß es, denn bei Jürgen Meßer bildeten die eigenen Überzeugungen, Lebensführung und auf ökologisches Handeln ausgerichtete Arbeit eine Einheit. "Ich habe immer eine Tätigkeit gesucht, die nicht entfremdet ist. Die Fragen, die ich mir über gesellschaftliche Zustände und zivilisatorische Entwicklungen gestellt habe, mündeten immer in der Erkenntnis, dass Landwirtschaft ein Schlüssel ist." Demnach betreibt er sie im Einklang mit der Natur, denn "Boden, Pflanzen, Tier und Mensch wirken in einem Kreislauf zusammen". Der Stall, in dem er seine Kühe hält, wurde vom Land Rheinland-Pfalz für besonders artgerechte Tierhaltung ausgezeichnet. "Wir haben die Ställe den Tieren angepasst und nicht umgekehrt, außerdem den Bedürfnissen der darin arbeitenden Menschen." Die Felder würden weder mit mineralischem Dünger noch mit Spritzmitteln behandelt. Ausgewogene Fruchtfolge und Aufbringung von hofeigenem Mist und Gülle sollen die Fruchtbarkeit erhalten.Rudolf Steiner steht Pate

Unkraut wird mechanisch gejätet. Zur Bodenpflege stellt Jürgen Meßer Präparate wie zum Beispiel Hornmist her. Damit gehe er über übliche Methoden aus dem Bio-Landbau hinaus und folgt den aus Rudolf Steiners anthroposophischen Weltbild entstandenen Empfehlungen. "Viele halten das für Hokuspokus", sagt er, "aber ich vergleiche es mit Homöopathie. Man muss es nicht verstehen, sondern einfach vertrauen, denn es werden Bereiche berührt, die stofflich nicht nachweisbar sind. Nur die Wirkung ist erkennbar". Es ist vor allem viel Arbeit. Aber dennoch bleibt Raum für kulturelle Bedürfnisse und ein Engagement im Vorstand der Waldorfschule. Wichtig ist Meßer auch die Öffnung seines Hofes für Schulklassen. Ausruhen möchte sich der kreative Landwirt und Kaufmann auf seinen Erfolgen nicht. "Ich stelle mir ständig die Frage, wie wir die Hofentwicklung vorantreiben können." Das letzte Projekt, das umgesetzt wurde, war die Errichtung einer Photovoltaikanlage, die Strom ins öffentliche Netz speist.

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