Hotel Nitteler Hof schließt wegen Fachkräftemangel im Gastgewerbe - Eigentümer baut Eigentumswohnungen

Kostenpflichtiger Inhalt: Fachkräftemangel im Gastgewerbe : Eigentümer gibt Hotelbetrieb in Nittel auf und vermarktet Wohnungen

An der Obermosel fallen ab November wahrscheinlich 62 Übernachtungsmöglichkeiten weg. Der Nitteler Hof stellt den Betrieb ein. Die Touristi­ker machen sich Sorgen. Die zuständige Kammer spricht von einer großen Herausforderung wegen des Fachkräftemangels im Gastgewerbe.

Nittel ist der zweitwichtigste Touristenort im Raum Konz-Saarburg. 444 Gästebetten gibt es dort. Nur die Stadt Saarburg hält wegen des Landal-Ferienparks mehr Betten vor (siehe Info). Auf Nittel kommt jedoch ein großer Einschnitt zu. Das Hotel Nitteler Hof fällt ab November voraussichtlich als Übernachtungsbetrieb weg.

Eigentümer will aufhören Hotel-Eigentümer Marco Zandbergen hat den Nitteler Hof 2005 übernommen, komplett saniert und neu eröffnet. Der Niederländer ist studierter Hotelmanager und hat unter anderem schon ein 600-Betten-Haus in London geführt. Danach habe er sich in Nittel selbstständig gemacht, erzählt er. Er habe nicht mehr als Geschäftsführer in einem Hotel einer großen Kette die Interessen der Aktionäre bedienen, sondern die Bedürfnisse seiner Gäste erfüllen wollen.

Das könne er inzwischen in Nittel aber kaum noch machen. Der Grund: Es fehle an qualifiziertem Personal. Vor zehn Jahren habe es noch genug Bewerber gegeben. Heute erfüllten neue Mitarbeiter seine Anforderungen nicht mehr: „Ich bin Perfektionist, und viele der neuen Mitarbeiter erfüllen weder meine eigenen Ansprüche noch die meiner Gäste“, sagt er. Aus diesem Grund hatte er im November schon den Betrieb im Restaurant seines Hotels eingestellt (der TV berichtete). Während er selbst sich danach auf seinen in Luxemburg angesiedelten Catering-Betrieb konzentriert hat, führte seine Frau Anja das Hotel als Bed-and-Breakfast weiter. Doch es blieb schwierig. Einmal habe seine Frau acht Wochen lang auf die Vermietung einiger Zimmer verzichtet, weil die Putzkräfte nicht die Erwartungen erfüllt hätten.

Neben dem Fachkräftemangel gehe es ihm auch um seine eigene Situation. Zuletzt habe er als Selbstständiger – auch weil er und seine Frau keine Hilfe aus der Familie haben – meist sieben Tage pro Woche durchgearbeitet:  „Ich bin jetzt 51 und will nicht hinter dem Grill umkippen“, sagt er.

Konsequenz Deshalb steht der Entschluss: Der 51-Jährige gibt das eigentlich gut laufende Hotel auf. Bisher fahre er dabei zweigleisig, sagt er. „Es würde uns am meisten freuen, wenn das Hotel im Ganzen übernommen würde“, sagt er. Als Familienbetrieb könne das durchaus funktionieren. Noch gebe es aber keinen Interessenten. Sein zweiter Plan wird deshalb immer wahrscheinlicher – und der ist deutlich radikaler: Ein Bauantrag liege bei der Verwaltung in Konz, erklärt der Wahl-Trierer. Die Hotelzimmer und das Restaurant sollen in zehn Eigentumswohnungen in der Größe zwischen 30 und 120 Quadratmetern umgebaut werden. „Wir vermarkten die Appartements schon aktiv“, sagt der 51-Jährige. „Die Nachfrage ist größer als erwartet. “ Unter dem Titel Nitteler Hof Living gibt es eine Facebook-Seite zu dem Projekt. Die meisten Appartements sollen als Eigentumswohnung dienen. Einige will der Noch-Hotelier als Ferienwohnung behalten und vermieten. Das Besondere: Der Wellnessbereich und das Schwimmbad des Hotels würden zum Gemeinschaftseigentum der Eigentümergemeinschaft. Der Noch-Hotelier sagt: „Alle dürfen es dann nutzen.“

Reaktion der Touristiker Stefanie Koch, Geschäftsführerin der Saar-Obermosel-Touristik (SOT), die bisher noch keine offizielle Nachricht über Pläne für den Nitteler Hof bekommen hat, sagt: „Grundsätzlich ist es schlecht, wenn ein Hotel wegbricht, weil wir eine touristische Region sind.“ Nittel sei  zwar gut aufgestellt, weil immer etwas nachkomme, aber mit Blick auf die 62 Betten in Zandbergens Haus erklärt sie: „Sollte der Nitteler Hof tatsächlich nicht mehr zur Verfügung stehen, entsteht eine große Lücke. Und dann mache ich mir doch Sorgen.“

Eine Nachfrage für Übernachtungsmöglichkeiten samt Frühstück gebe es immer, führt die SOT-Geschäftsführerin aus. Deshalb begrüßt sie auch mehrere Neubau-Pläne im Raum Saarburg. Sie zählt zum Beispiel den Plan für den Neubau eines 60-Betten-Design-Hotels in Saarburg, die geplante Erweiterung der Saarburger Jugendherberge oder des Hotels St. Erasmus in Trassem sowie den Bau mehrerer neuer Ferienwohnungen in Trassem auf. In Bezug auf den Fachkräftemangel im Hotel- und Gastgewerbe sagt Koch: „Das passiert überall.“ In der Region sei der Mangel noch akuter, weil die Betriebe mit dem attraktiven Arbeitsmarkt in Luxemburg konkurrierten.

Die Kammer Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier beschäftigt sich intensiv mit dem Fachkräftemangel. IHK-Geschäftsführer Albrecht Ehses sagt: „Dass ein Betrieb ausschließlich aufgrund des Fachkräftemangels schließt, ist eher selten.“ Meist kämen mehrere Faktoren zusammen wie fehlende Nachfolge oder zunehmendes Alter der Inhaber sowie mangelnde Investitionsbereitschaft und -möglichkeiten. In der Summe vieler Parameter könne der Arbeitskräftemangel mit entscheidend sein, wenn jemand einen Betrieb aufgebe.

„Die Situation ist sehr schwierig und herausfordernd“, sagt Ehses. In aktuellen Saisonumfragen werde der Fachkräftemangel von rund 80 Prozent der befragten Betriebe mit Abstand als das größte Risiko der wirtschaftlichen Entwicklung bewertet.“ Laut IHK müssten die Betriebe das Thema Nachwuchssicherung zur Chefsache machen. Die Kammer habe mit dem Projekt Hoganext die Themen Unternehmensführung, Azubimarketing und Ausbildungskonzepte aufgegriffen, sagt IHK-Pressesprecher Sebastian Klipp. Auf Wunsch der Betriebe werde ein regionales Netzwerk zur Fachkräftesicherung gegründet. Das nächste Treffen ist für Dienstag, 10. September, in der IHK Trier geplant. Neben den IHK-Angeboten empfiehlt Klipp die Beteiligung an Projekten, die beispielsweise Auszubildende außerhalb des EU-Auslands rekrutieren. Klipp: „Zurzeit sind mehr als 30 Indonesier in Betrieben in der Eifel und an der Mosel im ersten und zweiten Ausbildungsjahr beschäftigt.“ Aus IHK-Sicht profitieren davon Betriebe wie Azubis gleichermaßen.

Mehr von Volksfreund