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"Hühnerfarm? Nein, danke!" - Campingplatzbesitzerin wehrt sich gegen Pläne für Tierstall in Oberzerf

"Hühnerfarm? Nein, danke!" - Campingplatzbesitzerin wehrt sich gegen Pläne für Tierstall in Oberzerf

Sybille Seyffhardt hat nach dem Tod ihres Bruders vor rund einem Jahr den Campingplatz Rübezahl im Lohbachtal bei Zerf übernommen. Sie sieht die Idylle durch eine Hühnerfarm bedroht, die ein Eifeler Unternehmen in der Nähe der Anlage bauen möchte. Der Gemeinderat will über die Anfrage des Eierhofs bald entscheiden.

Zerf. Es ist ruhig im Lohbachtal. Nur das Zwitschern der Vögel ist zu hören. Der Campingplatz Rübezahl liegt idyllisch zwischen Eichenwald und Feldern im Lohbachtal bei Zerf. Es ist keiner dieser modernen Großplätze mit Partyzone, Supermarkt und barrierefreier Rezeption. Dafür ist es ein Platz mit Geschichte.Platz für weitere Dauergäste


"Mein Vater war ein Campingfanatiker. Er hat 1964 das Jagdhaus Waldeslust und das Land drum herum gekauft, um hier einen Platz nach seinen Vorstellungen zu verwirklichen", sagt Sybille Seyffhardt. Nach dem Tod ihres Bruders vor einem Jahr ist sie aus Südfrankreich in ihre alte Heimat zurückgekehrt und führt seither die Rübezahl-Geschäfte weiter.

Mehr als 50 Dauercamper mieten jedes Jahr einen Stellplatz für ihren Wohnwagen. Es wäre noch Platz für weitere Dauergäste da. Die Zeltwiese werde inzwischen, sagt Seyffhardt, leider nur selten genutzt. "Mit den Billigfluglinien und den All-inclusive-Reisen seit Mitte der 1990er Jahre ist das Geschäft zurückgegangen", erklärt die Platzinhaberin. Wer aber einmal in der Idylle übernachte, bleibe oft länger als ursprünglich beabsichtigt.
Getrübt wird diese Idylle allerdings derzeit durch die Pläne eines Hühnerfarm-Betreibers aus Euskirchen in der Eifel, der auf einer Wiese bei Oberzerf gern einen Biostall für 12 000 Hühner bauen würde (der TV berichtete am 16. April). Seyffhardt stinken diese Pläne gewaltig, denn die Farm werde ihrer Ansicht nach "in einer Entfernung von 150 Metern zum Campingplatz und nicht, wie vom Investor behauptet, in 500 Metern" geplant. Nach der Sitzung des Gemeinderats im April habe sie nachgemessen. In der Sitzung hatte der Investor, Hermann-Josef Hennes, seine Planung vorgestellt und erklärt, dass eine Geruchsbelästigung durch die Hühner "gegen null" tendiere.

"Die Zeltwiese wird nur durch ein kleines Wäldchen und ein 50 Meter breites Grundstück von den geplanten Auslaufflächen für die Hühner getrennt", hält Seyffhardt dagegen. Inzwischen durfte auch sie im Gemeinderat zu dem Projekt sprechen. Sie machte deutlich, dass sie eine Hühnerfarm in Nachbarschaft zum Campingplatz ablehnt. Eine Entscheidung, ob die Gemeinde sich für oder gegen die Pläne aussprechen wird, wollen die Räte demnächst treffen.

Auch wenn der Campingplatz in die Jahre gekommen ist, lieben ihn die Gäste. Ton und Marja Goudriaan aus Rotterdam kommen seit Anfang der 1990er Jahre jedes Jahr für mehrere Monate in den Hochwald: "Wir lieben die Ruhe und die Umgebung." Da sind sie nicht die einzigen: Helene Schmitz wohnt zwar in Hentern, aber sie liebt die gute Luft in Oberzerf. "Außerdem sind wir eine große Familie. Hier kennt jeder jeden, und wenn man Hilfe braucht, findet man sie immer", sagt Schmitz. Zur geplanten Hühnerfarm sagen alle: "Nein, danke!"
Teil der Camperfamilie ist Stefan Masutt. Er ist neben dem Zeltplatz aufgewachsen und würde ihn gerne übernehmen. Schon jetzt hilft er Sybille Seyffhardt beim Modernisieren der Anlage. Die Duschen und Toilettenanlagen sollen erneuert werden. Dafür gibt es schon einen Bauvorbescheid des Kreises. Aktuell ist Masutt dabei, das Areal neu einzuzäunen.

Auch Masutt verbindet die Familiengeschichte mit dem Platz. "Mein Großvater hat Anfang der 1920er Jahre die Bauteile für das Jagdhaus Waldeslust mit dem Pferdekarren vom Bahnhof in Beu rig hierher gekarrt", sagt er. Er würde den Platz gerne weiterführen. Seyffhardt würde ihm die Verantwortung auch übertragen, "aber nur, wenn der Platz eine Zukunft hat".