Hüllen für den Rotwein
KASEL. (dis) Die Landesgartenschau in Trier wirkt auch heute noch bei Rudolf Biewer nach. Damals war er gebeten worden, das Handwerk des Holz- und Weinküfers zu demonstrieren. Seitdem hat er seinen ehemaligen Beruf zum Hobby gemacht.
In seinem Lehrzeugnis vom Februar 1956 wird dem heute 67-Jährigen bestätigt, dass er sein Handwerk versteht. Der "Böttcher", so die frühere Bezeichnung für Holz- und Weinküfer, zeigt auch heute noch Geschick und Sachverstand im Umgang mit Holz und Maschinen. "Nach der Landesgartenschau wurde ich erstmals wieder von einem Winzer angesprochen, ob ich ihm ein Holzfass machen könne", erzählt Biewer. Die dazu notwendigen Maschinen hatte er noch von seinem Schwiegervater, und Holz war auch schnell beschafft. "Für ein Holzfass, das rund 50 Jahre hält, ist eine gute Eiche erforderlich. Sie soll pro Zentimeter Stärke drei Jahre getrocknet sein." Sein Holz bekommt Biewer aus dem Grünhäuser Wald. Die Winzer der Region haben bemerkt, dass der Anbau von Rotwein eine schöne Ergänzung zum Riesling ist. Den "Roten" dann auch noch in einem Holzfass auszubauen, ist inzwischen das Ziel. Fachmann Biewer, der sich während seiner Arbeitszeit auch Kenntnisse als Kellermeister angeeignet hatte, sagt: "Die Poren im Holz lassen Sauerstoff an den Rotwein, und durch den Gerbstoff Tannin nimmt er einen besonderen Geschmack an." Nach der Landesgartenschau richtete Biewer in seinem Haus wieder eine Werkstatt ein. Der Raum grenzt an den Garten, es duftet nach frisch bearbeitetem Holz. Einen Teil seiner Aktivitäten verlegt er nach draußen, "wegen der frischen Luft". Holzdauben hat er genügend auf Vorrat. Sie sind verschieden lang, um Fässer der unterschiedlichen Größen herzustellen. Das geht sogar bis zum Bau der moseltypischen Fuderfässer. Bruder Heinz und Sohn Michael gehen dem Böttcher immer dann zur Hand, wenn es gilt, die vorbereiteten Dauben in die Form eines Fasses zu bringen. "Wir stellen sie über einen Eisenkorb mit Feuer, machen das Holz mit Wasser weich und zwingen sie mit dem Fasszug in die richtige Form", erzählt Biewer. Hört sich einfach an, ist aber eine schwere Arbeit, die Konzentration erfordert. Das Einbauen der Böden ist dann nur noch eine Kleinigkeit. "Dann ist das Fass ohne zusätzliche Arbeitsgänge dicht," sagt Biewer.