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Hund beißt Hund: Amy stirbt nach Attacke

Hund beißt Hund: Amy stirbt nach Attacke

Die einjährige Hündin Amy ist im Ortskern von Wasserliesch von einem anderen Hund getötet worden, der nicht angeleint war. Nach der Anzeige bei der Polizei läuft nun ein Verfahren gegen den Halter dieses Tieres.

Wasserliesch/Konz. Für Simone Holzer waren die vergangenen Tage sehr schwierig. "Ich habe immer noch die Bilder von der blutverschmierten Schnauze vor Augen", erzählt sie. Ein größerer Hund hat am vergangenen Montag ihre einjährige Hündin Amy attackiert. Das Weibchen der aus Russland stammenden Hunderasse Bolonka ist wenige Stunden später beim Tierarzt gestorben. Sie könne ihre Hilflosigkeit einfach nicht vergessen, sagt Holzer.
Rückblick: Holzer spaziert zusammen mit ihrer Tochter und Amy durch Wasserliesch. Der Hund ist an der Leine. Als sie in eine Straße in der Nähe des Kindergartens in der Dorfmitte einbiegt, sieht die Frau einen Mann mit Hund. "Der Hund war größer und kräftiger. Er sah schon gefährlich aus", sagt Holzer. Um welche Rasse es sich handelt, wisse sie nicht.
Als der Mann um die Ecke geht und sich von ihr entfernt, geht Holzer trotz einiger Skepsis weiter in die Richtung. "Dann schoss der Hund um die Ecke. Ich konnte gar nichts machen", sagt die Wasserliescherin. Der andere Hund sei nicht angeleint gewesen und habe nicht auf den Halter gehört. Erst als dieser den Hund von Amy weggerissen habe, habe das Tier abgelassen.
"Man glaubt einfach nicht, dass so etwas mitten im Ort passieren kann", sagt Holzer. Sie verstehe nicht, dass jemand so einen Hund frei herumlaufen lasse. Deshalb hat die Wasserliescherin bei der Konzer Polizei Anzeige erstattet und den Fall beim Ordnungsamt gemeldet, obwohl der andere Hundehalter sie nach dem Vorfall noch zum Tierarzt gefahren hat.
Die Staatsanwaltschaft ermittle jetzt wegen Sachbeschädigung, sagt Armin Görgen, Chef der Polizeiwache in Konz. Es gibt zwar ein Tierschutzgesetz. Im Schadensfall gelten für Tiere aber Vorschriften, die auch auf Sachen zutreffen. Um eine Sachbeschädigung handelt es sich wiederum nur, falls die Staatsanwaltschaft dem Hundehalter Absicht nachweisen kann.
Gleichzeitig läuft ein ordnungsrechtliches Verfahren. Laut Markus Schommer, Leiter des Konzer Ordnungsamts, sind solche Fälle sehr selten in der Verbandsgemeinde Konz. Zwar gebe es öfter Beißereien unter Hunden, er könne sich aber nicht an einen tödlichen Ausgang in den vergangenen Jahren erinnern. Rechtliche Grundlagen sind laut Schommer die Gefahrenabwehrverordnung der VG Konz und das Landeshundegesetz. Die Verordnung legt fest, dass Hunde innerorts nur angeleint geführt werden dürfen. Bei Verstoß droht eine Geldstrafe. Das Landeshundegesetz definiert, was ein gefährlicher Hund ist. Als grundsätzlich gefährlich gelten vier Terrierrassen.
Im aktuellen Fall wird ein Gutachter der Polizeidiensthundestaffel eingeschaltet. Der Experte werde den Hund untersuchen, der zugebissen hat, sagt Schommer. Sollte der Hund danach als gefährlich eingestuft werden, drohen dem Halter Auflagen. Neben der Anlein- und Maulkorbpflicht ist für gefährlich eingestufte Hunde ein viel höherer Steuersatz vorgesehen - in Wasserliesch zum Beispiel 384 Euro statt der gängigen 48 Euro pro Jahr. Außerdem müssen die Halter von gefährlichen Hunden ihrem Tier einen elektronischen Chip einpflanzen lassen, der Daten für eine Haustierdatenbank enthält. So sind dem Tier Halter, Rasse und ähnliche Angaben sofort zuzuordnen. Eine Haftpflichtversicherung ist ebenfalls vorgeschrieben für Halter von gefährlichen Hunden. Verstoßen sie gegen die Auflagen, sind bis zu 10 000 Euro fällig.Meinung

Mehr Rücksicht auf andere nehmen
Beißattacken sind vermeidbar. Wäre der Hund, der den kleineren Vierbeiner in Wasserliesch angegriffen hat, angeleint gewesen, hätte er das Tier nicht getötet. Halter, die ihre Tiere nicht anleinen, sieht man aber immer wieder. Und die nehmen solche Vorfälle fahrlässig in Kauf. Sie schaden im Falle einer Beißattacke dem Image aller Hundehalter und vermitteln ein falsches Bild. Denn die meisten Hunde sind nicht aggressiv oder schlecht erzogen. Beißattacken, bei denen Menschen verletzt oder andere Tiere getötet werden, sind selten. Trotzdem leiden alle Hundehalter unter den Konsequenzen solcher Vorfälle: Steuern werden erhöht, die Landesregierung will einen Hundeführerschein einführen, der ebenfalls Kosten mit sich bringt. Der Appell ist deshalb: Anleinen und aufpassen! Nur wenn alle Halter sich daran halten, wird die Diskussion überflüssig. c.kremer@volksfreund.deExtra

Im Jahr 2011 wurden landesweit insgesamt 642 Hundeattacken registriert. Das besagt eine Statistik, die auf der Internetseite der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) einsehbar ist. Menschen wurden laut dieser Statistik nicht getötet, allerdings gab es 237 Fälle mit Verletzungen. Beim Rest der Vorkommnisse handelt es sich um Angriffe von Hunden auf andere Tiere, von denen 113 dabei getötet wurden. Schäferhunde und Schäferhund-Mischlinge waren am häufigsten in die Angriffe verwickelt: 55-mal wurde ein Mensch verletzt, 63-mal ein anderes Tier, 27-mal wurden andere Tiere getötet. Die als gefährlich eingestuften Terrierrassen waren an neun Vorkommnissen beteiligt - allerdings sind diese Hunde auch sehr selten. cmk