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Hunsrückquerbahn: Es fährt kein Zug nach Hermeskeil

Hermeskeil/Morbach. Die Pläne zur Reaktivierung der Bahntrasse zwischen Hermeskeil und Morbach geraten immer mehr aufs Abstellgleis. Die Bürgermeister der Anrainerkommunen bezweifeln, dass sich die Strecke durch Güterverkehr und Ausflugsfahrten wirtschaftlich betreiben lässt. Das hängt auch mit der Insolvenz von Teilgesellschaften der Unternehmensgruppe Hochwaldbahn (HWB) zusammen. Axel Munsteiner

Auf der stillgelegten Strecke der Hunsrückquerbahn zwischen Hermeskeil und Morbach sollen wieder Güterwaggons und historische Züge fahren. Das ist eine Vision, die es schon lange gibt. Doch diese Wiederbelebung des Schienenverkehrs wird immer unwahrscheinlicher.

So sah der Plan aus: Die Anrainergemeinden Hermeskeil, Thalfang und Morbach wollten mit finanzieller Hilfe der Kreise Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich der Deutschen Bahn (DB) die Strecke abkaufen. Diese sollte zum Nulltarif an die in Hermeskeil ansässige HWB verpachtet werden. Die potenzielle Betreiberfirma sollte im Gegenzug die Unterhaltungsverpflichtungen für die Trasse übernehmen. Der Erwerb der Gleise ist bisher aber gescheitert. Der Grund: Das Land untersagte 2010 den beiden verschuldeten Kreisen, für dieses Projekt Geld auszugeben.

Die neuen Probleme: Die HWB hat finanzielle Nöte. Im Juli stellte die HWB-Verkehrsgesellschaft Antrag auf Zahlungsunfähigkeit (der TV berichtete). Inzwischen befinden sich mehrere Teilgesellschaften der Gruppe im Insolvenzverfahren. Der Trierer Rechtsanwalt Thomas Schmidt verwaltet deren Vermögen. Er sagt unserer Zeitung: "Bei den Gesellschaften, die ich abzuwickeln habe, werde ich mich nicht bemühen, das operative Geschäft fortzuführen." Bei diesen Unternehmensteilen gebe es auch keine Beschäftigen mehr. Das Hermeskeiler Bahnhofsgebäude, das der HWB gehörte, wurde teils an den Vorbesitzer zurückgegeben, teils soll es verkauft werden. Einen Überblick über die Verbindlichkeiten wird Schmidt nach der Gläubigerversammlung am 12. Dezember haben. Der frühere HWB-Geschäftsführer Bernd Heinrichsmeyer hatte als ausschlaggebenden Grund für die Insolvenz einen andauernden Rechtsstreit mit der DB genannt. Seine Firma habe eine Rückzahlungsforderung in Höhe von zwei Millionen Euro. Schmidt sagt dazu: "Externe Ursachen sind nicht allein der Auslöser. Ich glaube, es hat bei der HWB Probleme gegeben, das betriebswirtschaftliche Konzept umzusetzen, weil Ausgaben, Auftragsvolumen und Umsatz nicht im richtigen Verhältnis zueinander gestanden haben. Man hat es einfach nicht geschafft, das notwendige Geld zu verdienen." Allerdings betont Schmidt auch, dass es sich seiner Kenntnis entziehe, ob Heinrichsmeyer mit anderen Unternehmensteilen noch geschäftliche Aktivitäten entfalte.

Das sagt der Ex-HWB-Chef: Heinrichsmeyer betont, dass dies der Fall ist. Die nach seinen Initialen benannte HEB-Hunsrück-Eisenbahn-Infrastruktur GmbH betreibe weiterhin die Strecken Morbach-Büchenbeuren und Hermeskeil-Türkismühle, die derzeit aber wegen Schäden an einem Brückenbauwerk nicht befahrbar sei. Die HEB sei nach wie vor im Güterverkehr tätig, er beschäftige weiterhin zehn Mitarbeiter und die HEB "hat keine finanziellen Schwierigkeiten", so Heinrichsmeyer. Er hoffe unverändert darauf, dass die Anrainerkommunen die Strecke der Hunsrückbahn kaufen, die Eisenbahn-Infrastruktur erhalten und die Wiederbelebung der Trasse "ins Laufen gebracht wird".

Die Reaktion der Politik: Der Hermeskeiler Rathaus-Chef Michael Hülpes sagt: "Ich bin sehr skeptisch geworden, was die Leistungsfähigkeit des möglichen Betreibers angeht." Außerdem entwickle sich der Frachtverkehr am Flughafen Hahn zurück. Deshalb sagt Hülpes: "Ein wirtschaftlich tragfähiges Nutzungskonzept ist nicht in Sicht. Die Zeit der Eisenbahnen auf der Fläche ist heute wohl genau so vorbei wie vor 100 Jahren die Postkutschen." Auch der Thalfanger Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo sagt: "Im Moment stellt sich nicht dar, wie sich die Geschichte wirtschaftlich betreiben lässt." Allerdings hätten sich die Bürgermeister und Landräte darauf verständigt, "zu prüfen, ob der Ankauf der Strecke weiterverfolgt wird", so Dellwo. Denn die DB hat inzwischen ihr Angebot für die Strecke Hermeskeil-Morbach fast um die Hälfte gedrückt - und zwar nach TV-Informationen von 360 000 auf 185 000 Euro. Mit Blick auf diese Zahlen hält Hülpes den Erwerb der Trasse für "akzeptabel". So sei ihr Erhalt gesichert und es bleibe den Kommunen die Option, die Schienen später zu verkaufen oder als Ausgleichsflächen zu nutzen. Auch Dellwo spricht sich dafür aus, "die historisch letzte Chance für den Erhalt der Strecke zu nutzen."

Meinung

Zu großes Abenteuer
So sehr es die Eisenbahn-Nostalgiker treffen wird: Sie sollten sich langsam von der Illusion verabschieden, dass es zwischen Hermeskeil und Morbach wieder Leben auf dem Gleis gibt. Die Kommunen würden sich mit einer Wiederinbetriebnahme der Strecke in ein finanzielles Abenteuer mit unkalkulierbarem Risiko stürzen. Es gibt mit der HEB-Eisenbahn-Infrastruktur GmbH nur einem potenziellen Betreiber - und über dessen Zukunft sind nach der Insolvenz der restlichen Unternehmensgruppe große Zweifel angebracht. Würde man der HEB trotzdem eine Chance geben und sie geht später doch pleite, haften die Kommunen für den Unterhalt der Strecke - und das könnte sehr teuer werden. Bleibt noch die Frage, ob die Gemeinden trotzdem die Strecke kaufen sollten, damit die Infrastruktur erhalten bleibt? Darauf die Antwort: Wenn sie volle Kassen hätten, wäre dagegen nicht einzuwenden. Aber das ist nichts der Fall. Insofern kann man nur davon abraten, Geld für Dinge auszugeben, von denen man eigentlich gar nicht genau weiß, was man mit ihnen anfangen soll. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

Das Mainzer Infrastrukturministerium sieht zurzeit keinen Anlass, seinen bisherigen Standpunkt beim geplanten Kauf der Bahnstrecke zu ändern. Dem Land würden "keine Informationen über ein überarbeitetes Angebot der DB beziehungsweise eine darauf basierende erneute Anfrage der Landkreise vorliegen", sagt Sprecher Joachim Winkler. Es bleibe dabei, dass "es im weiteren Verfahren Sache der Kommunen ist, die notwendigen Nachweise zu erbringen, die eine dringende Investition belegen könnten", so Winkler. Bevor das Land einem Unternehmen den Betrieb einer Bahnstrecke genehmigt, gelte grundsätzlich: "Neben der Fachkunde und Zuverlässigkeit ist hier der Nachweis der finanziellen Leistungsfähigkeit zu erbringen", so Winkler. Was den Betrieb der Strecke Hermeskeil-Morbach angeht, "liegen dem Land entsprechende Unterlagen eines interessierten Eisenbahnunternehmens bislang aber nicht vor." ax