"Ich bin auch gerne Hausfrau"

FELL. Roswitha Müller packt die Dinge an: Sie leitet den Kirchenchor "Cäcilia" Fell und ist da, wenn ihre Familie sie braucht.

"Ich hätte gerne einen technischen Beruf erlernt", sagt Roswitha Müller. Doch in den 60er-Jahren haben Frauen "Frauenberufe" erlernt, und der Traum zerplatzte. Sie machte eine Ausbildung zur Schuhverkäuferin und arbeitete bis zu ihrer Heirat im Einzelhandel. Den Beruf aufzugeben, fiel ihr nicht schwer, "denn ich bin auch gerne Hausfrau und Mutter, und es macht mir Freude, ein gemütliches Heim zu gestalten". Zwischen Kirchenchor und Eierauto

Doch manchmal kommt ihre alte Leidenschaft durch. "Kleine Handwerkerarbeiten wie tapezieren oder anstreichen erledige ich selbst", sagt die 61-Jährige mit dem feschen Kurzharrschnitt. Es gibt noch eine weitere Passion in ihrem Leben: das Singen. "Ich bin seit 1958 Mitglied im Feller Kirchenchor", sagt die dreifache Mutter. Und seit neun Jahren ist sie die erste Vorsitzende des Vereins, der viele Feste musikalisch umrahmt. "Ohne das wöchentliche Singen könnte ich fast nicht leben", sagt die fünffache Großmutter. "Und es hält gesund, das ist erwiesen", fügt sie schnell hinzu. Entgegen dem landläufigen Trend finden in Fell wieder einige junge Frauen den Weg zum Chor. Das freut die Vorsitzende, deren Lieblingslied "Ich singe meinen Gott von ganzem Herzen" ist, besonders. "Ohne die Unterstützung durch meinen Mann Rudi könnte ich vieles für den Verein nicht leisten", sagt sie dankbar. Auch sie ist für ihren Mann da, wenn er sie braucht. So wie im vergangenen Jahr, als das Schicksal schwer zuschlug. Die Diagnose Krebs bei ihrem Mann habe sie fast aus der Bahn geworfen. In dieser Krisenzeit besann sie sich auf ihren unerschütterlichen Humor und ihren tiefen Glauben. "Die gesamte Familie im Rücken zu haben, hat während der Zeit, die durch Krankenhausaufenthalte geprägt war, sehr gut getan", sagt die Feller Bürgerin. "Ich habe sehr viel aus dieser Zeit und von meinem Mann gelernt", sagt sie nachdenklich. Roswitha Müller ist fest davon überzeugt, dass der eiserne Wille ihres Mannes, sein Glaube an die Medizin und an Gott, dazu beigetragen haben, dass der Tumor beseitigt werden konnte. Heute genießen beide wieder gemeinsame Spaziergänge durch die Feller Weinberge. Und: "Ich esse gerne gut, und vor allem trinke ich gerne ein Gläschen Wein." Mit Gymnastik hält sie sich fit, und jeden Samstag dreht sie eine Runde durch ihren Heimatort. "Im Eierauto", erzählt sie schmunzelnd. Dann unterstützt sie ihre Schwiegertochter Ingrid, die einen Eierhandel betreibt.