"Ich bin mit mir zufrieden"

BEUREN-PROSTERATH. "Das Leben ist hart", sagt Susanna Schuh. Doch mit einer Familie im Rücken sei vieles zu meistern. Ihr hohes Lebensalter führt die Seniorin unter anderem auf die starken Familienbande zurück.

"Gut, dass es so was gibt", dachte Susanna Schuh häufig, während sie ihre Enkelkinder mit Papierwindeln wickelte. An diese, das Leben von Eltern erleichternde Erfindung, war damals, als ihre sechs Kinder klein waren, noch nicht zu denken. Zudem habe es keine Wasch- oder Spülmaschine gegeben. "Ich war die Spülmaschine", sagt die gebürtige Beurenerin und lacht. Aber das sei kein Problem gewesen, denn sie habe gerne gespült."Man muss immer hart sein"

Im Jahr 1935 kam sie der Liebe wegen nach Prosterath. Sie führte den Haushalt und kümmerte sich um die Tiere im Stall und um die Felder. Theodor Schuh, ihr Mann, arbeitete im Wald im benachbarten Saarland. "Die ganze Woche über war ich alleine mit der vielen Arbeit und den Kindern. Und es gab damals noch keinen Kindergarten." Obwohl ihre zehn Urenkelkinder heute viel mehr Möglichkeiten hätten, weiß Schuh nicht, ob die vielen Angebote letztendlich besser für die Kinder sind. Sie hofft, dass ihre Nachkommen fit für die Realität des Lebens werden. Fest steht für sie: "Familie zu haben ist etwas Schönes. Meine Familie geht mir über alles." Im Laufe ihrer 96 Jahre erfuhr die Prosteratherin häufig, dass das Leben hart sein kann. "Man muss immer stark sein", sagt sie. Manchen Schicksalsschlag musste sie verkraften. Einen Sohn hat sie verloren, und seit 1981 ist sie Witwe. Einige schwere Krankheiten hat sie überstanden. "Meine Mutter ist ein Stehaufmännchen", sagt Anna Bruchmüller. Sie und ihre Schwester Inge Reuter ermöglichen es ihrer Mutter, auch im Alter in ihrer gewohnten Umgebung zu leben. "Bis vor zwei Jahren habe ich jeden Tag den Volksfreund gelesen", sagt Susanna Schuh. Die Tatsache, dass das Augenlicht schlechter wurde, sie ihre Tageszeitung nicht mehr lesen konnte und das Fernsehen unmöglich wurde, machte ihr schwer zu schaffen. Jetzt hört sie täglich Radio, um über das aktuelle Geschehen informiert zu sein. Getreu ihrem Lebensmotto: "Ich mache immer aus allem das Beste." Trotz harter Arbeit - "ich bin oftmals um vier Uhr aufgestanden, um die viele Arbeit zu erledigen, bevor die Kinder aufgestanden sind" - und einiger Altersgebrechen, ist Susanna Schuh glücklich. Ein besonderes Verhältnis hat sie zu der dreijährigen Leila. "Sie kommt oft vorbei und wir singen zusammen. Ich bin zufrieden mit mir selbst."