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"Ich habe eine wundervolle Familie"

"Ich habe eine wundervolle Familie"

AYL. Briefe an ihren Großvater brachten die Amerikanerin Linda Todd auf die Spur ihrer deutschen Ursprünge. Zum zweiten Mal hat sie Ayl, den Geburtsort ihres Großvaters, besucht.

Mit dem Schiff machte sich der gebürtige Ayler Johannes Zehren 1884 nach Amerika auf. Mehr als 120 Jahre später hat sich nun seine Enkelin Linda Todd auf die Reise von Sacramento (Kalifornien) nach Ayl begeben, um ihre deutschen Verwandten zu besuchen. Erst vor 20 Jahren fand sie ihre deutschen Wurzeln. Acht Briefe aus den Jahren zwischen 1892 und 1903 führten die Amerikanerin in die Saar-Gemeinde. Die Briefe schrieb damals Magdalena Roos, geborene Zehren, aus Ayl ihrem nach Amerika ausgewanderten Bruder. Für Linda Todds waren die Schriftstücke die einzige Fährte: Der Kontakt zwischen den Familienmitgliedern war nach dem Tod von Johannes Zehren im Jahr 1910 abgebrochen. Großmutter bewahrte die alten Briefe auf

Die Großmutter von Linda hatte die Briefe aufbewahrt, und so machte sich die Enkelin Anfang der 80er-Jahre auf Spurensuche. Kein leichtes Unterfangen, denn die deutschen Dokumente waren in Sütterlin-Schrift verfasst, erzählt Linda Todd: "Ich wollte sie übersetzen lassen, aber es fand sich für diese Aufgabe niemand." Den Ortsnamen Ayl konnte Linda Todd entziffern. Im Internet fand sie das Kirchenbuch der Gemeinde. "Darin stieß ich auf Magdalena Roos, die verheiratete Schwester meines Großvaters", erzählt sie. Sie erfuhr, dass die Schwester elf Kinder hatte. "Ich dachte mir, dass es noch mehr Nachfahren geben könnte", erklärt die Ahnenforscherin. So schrieb sie mit ihrer Schwester einen Brief an den Ayler Pastor und schickte ein altes Foto von ihrem Großvater mit. Arnold Roos, der Enkel von Magdalena, konnte sich an genau dieses Bild und auch an den ausgewanderten Bruder seiner Großmutter erinnern. Er konnte schließlich auch die Briefe in Sütterlin lesen, Zeugnisse der damaligen Lebensumstände. "Meine Großmutter schrieb von der großen Armut zu dieser Zeit und hat ihrem Bruder ihr Leid geklagt", erzählt er. Briefwechsel und Besuche der deutschen bei den amerikanischen Familienmitgliedern folgten seit dem ersten Kontakt im Jahr 1984. Sieben Jahre später kamen Linda Todd und ihr Ehemann Norman erstmals nach Ayl. Arnold Roos erinnert sich: "Ich habe mir ihr Gesicht angeschaut, um zu sehen, ob da eine Ähnlichkeit besteht." Derzeit besucht die 61-Jährige gemeinsam mit Ehemann Norman zum zweiten Mal die Region ihrer Vorfahren. Nach und nach lerne sie ihre ganze Familie kennen, sagt Linda Todd. Mit über 60 lebenden Nachfahren ist die deutsche Verwandtschaft recht groß. "Wenn ich hier bin, kann ich fühlen, dass dies meine Familie ist", sagt Linda Todd. Das deutsch-amerikanische Verhältnis scheint sehr herzlich. Tränen der Rührung steigen ihr in die Augen, wenn sie von ihrer Verwandtschaft spricht: "Ich finde, ich habe eine so wundervolle Familie."