Ideen für Karthaus gesucht: Muslime wollen mitmachen

Konz · Zur Aufwertung des Stadtteils Konz-Karthaus gibt es ein Budget aus einem Förderprogramm. Wie dieses Geld am besten einzusetzen ist, darüber sollen sich möglichst viele Bürger Gedanken machen. Ausdrücklich erwünscht ist das Engagement ausländischer Mitbürger.

Konz. Die Straßen grau und trist, der alte Bahnhof eine Ruine und die Stimmung eher gedrückt - der Konzer Stadtteil Karthaus gilt bisher nicht als Vorzeigequartier. Bürger und Stadtverwaltung wollen etwas dagegen unternehmen, den Bezirk lebenswerter machen. Mit dem Förderprogramm Soziale Stadt, das Bund und Länder gemeinsam verwalten, soll das gelingen.
Geld vom Staat


Etwa 100 000 Euro hat die Landesregierung in Mainz den Konzern bereits zugesichert, um Karthaus aufzuwerten. Während einer Auftaktveranstaltung wurden bereits erste Ideen gesammelt (der TV berichtete). So ist einigen die historische Klostermauer in Karthaus ein Dorn im Auge, die die Entstehung eines Stadtteilzentrums verhindere, weil sie das Kloster vom Brunoplatz trenne. Auch die Busverbindungen müssten besser werden.
Der Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden fordert aber auch mehr Engagement von den Menschen mit Migrationshintergrund, die in Karthaus leben. Nach Angaben des Interkulturellen Netzwerks leben in Konz Menschen aus 90 Nationen. Etwa 20 Prozent aller Konzer Bürger hätten ausländische Wurzeln.
"Ich würde mir wünschen, dass sich auch die ausländischen Mitbürger mehr beteiligen", sagte Frieden. Gisela Krämer, die Migrationsbeauftragte des Landkreises Trier-Saarburg, sieht zwar leichte Fortschritte bei der Integration, übt aber ebenfalls vorsichtig Kritik: "Viele Menschen beteiligen sich zu wenig. Die einzelnen Gruppen haben auch kaum Kontakte untereinander." Es ergriffen nur wenige selbst die Initiative, integriert seien viele vor allem innerhalb ihrer eigenen Landesgruppe.
Für Katharina Moik vom Jugendmigrationsdienst der Caritas ist die Integration in Konz hingegen besser, als manchem scheint: "Die meisten sind sehr daran interessiert, gute Bürger zu sein."
Moik ist davon überzeugt, dass weitere Angebote zur Integration auch angenommen würden. Wenn einzelne Kurse einmal kaum besucht seien, dann könne das auch daran liegen, dass viele nach Trier führen, um die dortigen Angebote wahrzunehmen. "Die Menschen sind ja nicht nur auf Konz fokussiert", sagt sie.
Optimistisch äußert sich auch Tevhit Yilmaz, Sprecher der muslimischen Gemeinde in Konz: "Wir würden gerne mitmachen und uns beim Projekt ,Soziale Stadt\' einbringen." Das Zentrum der Gemeinde, die Haci-Bayram-Moschee, liegt mitten in Karthaus.
Yilmaz hat schon konkrete Vorstellungen, was sich im Viertel alles ändern soll: "Am Bahnhof muss dringend etwas gemacht werden. Kinder brauchen mehr Spielplätze, die Jugendlichen einen Treffpunkt." Auch müsse sichergestellt werden, dass es in Karthaus genug Einkaufsmöglichkeiten gebe, ergänzt Yilmaz.
Etwa 90 Mitglieder hat die Gemeinde in Konz. Yilmaz bedauert, dass bei der Auftaktveranstaltung des Förderprogramms kein Vertreter der muslimischen Gemeinde dabei gewesen sei, verspricht aber: "Beim nächsten Treffen machen wir das."
Dass die Integration der in Konz lebenden Menschen mit Migrationshintergrund positiv verlaufe, sieht auch Hartmut Schwiering so. Der Vorsitzende der Konzer-Doktor-Bürger-Stiftung berichtet vom "intensiven Dialog" mit der muslimischen Gemeinde. Die Stiftung bietet Sprachförderprogramme an zehn Schulen in der Verbandsgemeinde Konz an. Etwa 60 Prozent der teilnehmenden Kinder haben einen Migrationshintergrund.