1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Ideen und Taten für lebendige Dörfer

Ideen und Taten für lebendige Dörfer

Zwei Dörfer aus der Verbandsgemeinde (VG) Konz und eines aus der VG Saarburg wollen den Gebietsentscheid "Unser Dorf hat Zukunft" gewinnen. Am Ende soll das schönste Dorf aus Rheinland-Pfalz mit Dörfern aus ganz Deutschland konkurrieren. Wasserliesch, Oberemmel und Mannebach präsentierten der Jury ganz unterschiedliche Schwerpunkte.

Wasserliesch/Konz-Oberemmel/Mannebach. Die Entscheidung im Gebietswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" fällt Anfang Juli. Zurzeit ist die Jury in acht Dörfern unterwegs. Drei davon liegen in den Verbandsgemeinden Konz und Saarburg.

Gute Ansätze in Wasserliesch: 35 Grad Celsius zeigt das Thermometer im Auto an, als sich die Wettbewerbsjury mit ein bisschen Verspätung am Dienstag auf den Weg durch Wasserliesch macht. Trotz der Hitze ist die Stimmung gut. Der Obermoselort ist mit 2400 Einwohnern das größte noch im Wettbewerb vertretene Dorf. Höhepunkte des Rundgangs sind dank des tropischen Klimas die schattigen und kühlen Stellen wie die inzwischen 103 Jahre alte Pfarrkirche St. Aper und der Weinkeller des Weinguts Giwer-Greif. "Mein Gefühl ist, dass sie sich stark im Aufbruch befinden", sagt Juryleiter Dirk Görgen. Die Jury lobt Entwicklungspläne für ein Naherholungsgebiet in der Kiesgrube am Ortsrand und die Sanierung der Häuser im Ortskern sowie das Vereinsleben im Dorf. Das Weingut Giwer-Greif sieht Jurymitglied Marie-Louise Niewoczanska sogar als "Musterbeispiel für eine gelungene Renovierung".
Es gibt aber auch Kritik - zum Beispiel an der heruntergekommenen Bushaltestelle an der Grundschule. Jurymitglied Walter Oeffling empfiehlt, versiegelte Flächen zugunsten von Grünflächen zu reduzieren. Geht es nach seinem Kollegen Matthias Sieveke, müssten Fahrradstellplätze her. Insgesamt sieht die Kommission im touristischen Bereich Luft nach oben. Der Ort müsse besser an den Moselradweg angebunden werden. Vereinsleben in Oberemmel: Für den 1575 Einwohner zählenden Konzer Stadtteil Oberemmel war vor acht Jahren beim Gebietsentscheid im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" Schluss. Ortsvorsteher Hermann-Josef Benzkirch will jetzt zu den beiden Dörfern gehören, die im Landesentscheid um Punkte kämpfen. Wein, Tourismus und Infrastruktur sind dabei die Schwerpunkte.
Sogar die Präsidentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier, Dagmar Barzen, und Bürgermeister Karl-Heinz Frieden machten Oberemmel ihre Aufwartung. Mehr als 30 Oberemmeler wollten dabei sein, wenn die Jury Eindrücke sammelt, die sich in Punkten in der Bewertung niederschlagen.
Der Maximiner Platz verblüffte nicht nur Jury-Vorsitzenden Dirk Görgen mit seinem originellen Brunnen, sondern auch, wie viele Leute beispielsweise an der "Entfichtung" des Dorfes teilgenommen haben. Läubbäume sind jetzt die erste Wahl. Renovierte Fassaden wurden gezeigt, und auch eine Baustelle, wo ein Haus regelrecht wiederbelebt wird, das beinahe abgerissen worden wäre.
Große Hoffnungen setzt Ortschef Benzkirch in die anstehenden Straßenbaumaßnahmen, die eine weitere begleitende Gestaltung ermöglichen.
Jurymitglied Edgar Kiewel gab den Tipp: "Denken Sie mal über ein Konzept des Öffentlichen Nahverkehrs nach." Jurykollegin Gertrud Hoffranzen ist beeindruckt vom regen Vereinsleben unter Einbeziehung der Grundschüler. Architekturexpertin Marie-Luise Niewodniczanska findet es schade, dass das historische Pfarrhaus nicht genutzt wird: "Da könnten Wohnungen entstehen." Walter Oeffling sähe es gerne, wenn der Versiegelungsgrad von Plätzen verringert würde. ADD- Präsidentin Barzen zeigte sich beeindruckt: "Ober-emmel ist gut aufgestellt." Der Wettbewerb soll weiter anspornen.

Gesundheitshütte in Mannebach: Erst vor zwei Jahren hat Mannebach den Kreisentscheid im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" für sich entscheiden können. Die fünfköpfige Jury, die festlegt, wer den Gebietsentscheid gewinnt, und damit in die Landeswertung kommt, war überrascht, was hier in nur zwei Jahren geschaffen wurde. Ortsbürgermeister Bernd Gard propagierte seine Vorstellung, wie das Dorf fit für die Zukunft wird: "Wir reden nicht nur vom Älterwerden, der Gesundheit und der Altersarmut, wir handeln." Verblüfft setzten sich die Jurymitglieder unter der Leitung von Dirk Görgen auf die Fitnessgeräte in der Dorfgesundheitshütte, waren von der Gestaltung des Kinderspielplatzes überrascht und staunten über die generationsübergreifenden Aktivitäten der Vereine in Sport und Kultur.
Nicht nur die äußere Gestaltung, auch in Hinblick auf den Tourismus, sondern das dahinterliegende Konzept überzeugte, auch bei der Sport- und Freizeitanlage des 357-Einwohner-Dorfes.
Am Schluss stellte Ortschef Gard fest: "Das sind unsere Projekte. Mehr geht nicht."
"Wir sind extrem positiv überrascht", sagte Jury-Vorsitzender Dirk Görgen. Er vermisste jedoch die Bürger beim Rundgang. "Ihr seid die Profis der Dorfentwicklung", freute sich auch Edgar Kiewel, der die Konzepte bewertet. Eine vorbildliche Renovierung der Altbausubstanz attestierte Professorin Marie-Luise Niewodniczanska. Bei der Grüngestaltung mehr Augenmerk auf Details legen, empfahl Fachmann Walter Oeffling.

Extra

Die Ergebnisse aller Gebietsentscheide können ab 4. Juli, 10 Uhr, auf den Internetseiten der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier unter www.add.rlp.de eingesehen oder unter Telefon 0651/ 9494-223 erfragt werden. doth