Idylle mit ein paar Kummerfalten

SOMMERAU. Sommerau zählt mit 82 Einwohnern zu den kleinsten Orten im Kreis Trier-Saarburg – und sicher auch zu den am besten versteckten Dörfern. Zur TV-Fotoaktion fanden sich leider nur wenige Bewohner am vereinbarten Treffpunkt ein.

Bei der Anreise über die enge K 64 aus Richtung Gusterath-Tal fühlt sich der Besucher ins 19. Jahrhundert versetzt. So eng und verwinkelt müssen Landstraßen zur Postkutschenzeit ausgesehen haben. Verstärkt wird der Eindruck durch die zwei malerischen Viadukte der ehemaligen Hochwaldbahn, über die demnächst Touristen und Einheimische per Fahrrad rollen sollen. Der Wechsel von freier Natur zur Ortsbebauung folgt unvermittelt: Hinter den Büschen und Bäumen am Straßenrand tauchen plötzlich Häuser auf, links unübersehbar steht die Wagner-Mühle, oben auf dem Fels grüßt die Burg, und der Ortskern ist erreicht. Der verabredete Treffpunkt für die Fotoaktion ist vor dem gut restaurierten "Marienkapellchen" am Fuß der ebenfalls hervorragend hergerichteten Burg Sommerau. Leider lassen sich die hinzugekommenen Sommerauer an den Fingern einer Hand abzählen. Einer der ersten am Treffpunkt ist Kurt Schlösser, Erster Beigeordneter von Sommerau. "Ich habe fast alle im Dorf wegen der Aktion angesprochen, und so wenige sind gekommen", sagt er mit leicht enttäuschtem Unterton. Doch Schlösser hat noch andere Sorgen: Er ist zur Zeit kommissarischer Ortsbürgermeister. Bekanntlich musste Ortsbürgermeister Jürgen Flesch wegen Wohnortwechsels zurücktreten. Schlösser: "Wenn sich kein Nachfolger findet, kriegen wir von der Verbandsgemeinde einen Verwalter vor die Nase gesetzt. Da werde ich mich wohl lieber für zwei Jahre zur Verfügung stellen - wenn auch ungern." Doch abgesehen von solchen Problemen: Die meisten Sommerauer fühlen sich wohl in ihrem Ort. Tenor: "Die Dorfgemeinschaft funktioniert, und die Lage ohne jeden Durchgangsverkehr ist auch einmalig." Da stört es auch nicht, dass die einstigen zwei Gasthäuser und der Lebensmittelladen längst geschlossen haben. Und auch an ein Neubaugebiet ist aus Gründen des Denkmal- und Naturschutzes nicht zu denken. Umso mehr beschäftigt die Sommerauer der Ruwer-Hochwald-Radweg, der über die alte Bahntrasse bald mitten durch den Ortskern führen wird. "Wir freuen uns riesig auf den Radweg, der wird auch etwas Leben ins Dorf bringen", sagt Doris Scherf und spricht damit für viele.