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Zum Artikel "Hochzeitsverhandlungen können beginnen" (TV vom 24. November):

In meinem Koch-Leben habe ich so manche Hochzeit bekocht, die ähnlich gestrickt war, wie die nun geplante Trauung zwischen Kell und Saarburg. Schon am Hochzeitstag bemerkte man selbst als außenstehender Beobachter am Büfett das Getuschel der Gäste und wusste gleich: Der Bräutigam wäre mal besser noch ein Dorf weiter gefahren, denn auch andere Mütter haben schöne Töchter. Die unterschiedlichen Mentalitäten der Gäste würden irgendwann zum Verhängnis werden, da konnte sich das Brautpaar noch so einig sein. Doch eines Tages, wenn der Alltag einkehren würde, die Hauptakteure Unterstützung aus dem Umfeld bräuchten, dann könnte es krachen. Als bodenständiger Hochwälder sehe ich da durchaus große Ähnlichkeit in der geplanten Ehe mit Saarburg: Die unterschiedlichen Lebenseinstellungen, Gehaichnis (ein schwer zu übersetzendes moselfränkisches Wort, das für Geborgenheit, Gemütlichkeit und Vertrautes steht, Anmerkung der Redaktion) hier oben, Weinseligkeit dort unten, spielen eine größere Rolle als die in Aussicht gestellte Mitgift. Das soll ja keineswegs bedeuten, dass man sich nicht gegenseitig besucht, südländisches Flair am Wasserfall genießt oder Wanderungen durch den rauen Hunsrück macht. Aber abends liegt jeder in seinem Bett. Michael Krämer, Kell am See