Ihre Meinung

Zum Artikel "Bürger wollen weiter frische Brötchen haben" (TV vom 28. Mai) haben uns diese beiden Leserzuschriften erreicht:

Seit einiger Zeit trübt ein böses Gerücht die Stimmung im friedlichen Weindorf Nittel: Die traditionsreiche Bäckerei Löwenbrück, der einzige Betrieb, in dem die Einwohner des Dorfes noch täglich Brot und Grundnahrungsmittel kaufen können, soll niedergerissen werden. Nicht wegen Aufgabe des Geschäfts, nicht wegen mangelnder Kundschaft - ganz im Gegenteil: Die Bäckerei erfreut sich eines regen Zuspruchs, unzählige Menschen treffen sich dort regelmäßig. Der barbarische Akt soll gegen den Willen des dynamischen neuen Inhabers geschehen, der viel Geld und Herzblut in die Weiterführung des Geschäftes investiert hat. Durch glückliche Neuerungen wie Terrasse, Eisdiele, Pizza-Angebot, Backstubenidyll hat die Bäckerei an Anziehungskraft gewonnen. Ihre Zerstörung steht in klarem Widerspruch zu den Interessen der Bürger, die sich mit dem Bäcker solidarisieren. Gemeinsinniges Handeln sieht anders aus. Wissen die Verantwortlichen der Gemeinde, welch einen Verlust der letzte Treffpunkt des Dorfes bedeutet - vor allem für die älteren Menschen, die noch gerne zu Fuß dorthin kommen? Für manchen alleinstehenden Nitteler ist die Löwenbrück-Bäckerei ein unersetzlicher Sozialkontakt. Wenn man noch jeden Tag von morgens früh bis abends spät menschliche Wärme erfahren kann, dann ist das an der Theke der Bäckerei und im liebevoll möblierten Raum der früheren Backstube. Es geht hier um viel mehr als um einen wirtschaftlichen Verlust. Wenn die rein gewinnsüchtige Logik eines Einzelnen sich hier durchsetzt, dann büßt die Dorfgemeinschaft Lebensqualität ein, die sie nicht wiederfinden wird. Was hier durchgesetzt werden soll, gegen den Willen der Bevölkerung, wird Nittel unwiederbringlich ärmer und unattraktiver machen. Dabei könnte der Besitzer sein Projekt im nahen und ruhigeren Wohnbaugebiet viel besser verwirklichen, ohne Hunderte von Menschen zu schädigen, die ihn wegen seiner uneinsichtigen Haltung verwünschen werden. Wie kann er sich und den andern so was antun? Hoffentlich kommt die Einsicht noch vor der unausbleiblichen Reue. Joseph Groben, Ehnen (Luxemburg) Ich lese schon lange die Berichterstattung über die Schließung der Bäckerei in Nittel, das Engagement der Bürger und den Rechtsstreit mit dem Eigentümer. Es ist zwar löblich, wenn Menschen sich für den Erhalt der Dorfversorgung einsetzen und alles dafür tun, dass die Bäckerei Löwenbrück erhalten bleiben soll. Ich finde jedoch Ihre Berichterstattung einseitig und nicht neutral. Norbert Arnoldy wird vor der Dorfgemeinschaft als Sündenbock abgestempelt und Ralf Stöcker als Retter hoch gelobt. Dies ist nicht richtig. Ich kenne Herrn Arnoldy schon sehr lange und weiß, dass er ein guter Geschäftsmann ist und sich an Verträge hält. Ich selbst habe schon Geschäfte mit ihm gemacht und diese per Handschlag besiegelt. Alles war gut. Die Bäckerei Löwenbrück ist mit dem Verkauf an Herrn Arnoldy durch Heribert Löwenbrück bereits vor mehr als einem Jahr gestorben, wenn auch der Name blieb. Teiglinge aufbacken und gekauften Kuchen weiterverkaufen kann auch ein Geschäftsmann, der kein Bäcker ist. Wenn der Mieter dann auch noch unterbreitete Angebote verstreichen lässt, na dann braucht er jetzt auch nicht zu jammern, wenn geschlossen und abgerissen wird. Die jetzige Sachlage ist ihm schon länger bekannt. Die von ihm angeworbenen Aktivistinnen sollten sich vorher besser mit den Fakten vertraut machen, bevor sie sich in Nittel der Lächerlichkeit preisgeben. Wer den Bericht gelesen hat, erkennt sofort, dass hier auch nur zum eigenen Vorteil gestritten wird. Brot bekommt man überall, vielleicht schon bald wieder in Nittel im vom Bürgermeister versprochenen Supermarkt im Neubaugebiet. Roland Steinbach, Nittel