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Leserbrief zum TV-Artikel "Rat ebnet Weg für Parkklinik" vom 12. Mai und zum St.-Fargeau-Park in Hermeskeil:

Der Garten meiner Kindheit, früher im Familienbesitz, ist heute ein öffentlicher Park in Hermeskeil. Jetzt sollen die alten Bäume fallen und einer privaten Klinik weichen. Sozusagen Reprivatisierung von öffentlichem Raum. Während man anderenorts mühsam versucht, Privatisierungen rückgängig zu machen, weil sie sich für die Kommunen nicht rechnen, geht man in Hermeskeil den umgekehrten Weg. Da fragt man sich mit dem Blick von außen: Ist das sinnvoll, nachhaltig und zukunftsorientiert? Sind die Bäume erst gefällt, gilt die Macht des Faktischen. Ich bin in Hermeskeil geboren und seit 22 Jahren Bürgerin des Landes Bremen. Hier gibt es einen großen Bürgerpark, offen für alle, finanziell unterstützt durch eine Tombola und private Baumpatenschaften. Niemand würde auf die Idee kommen, nur einen Baum dem Gemeinwohl zu entziehen. Im Hochwald sind Bäume eher Wirtschaftsgut, das konnte man an Argumenten gegen die Gründung des Nationalparks Hunsrück-Hochwald sehen. Klar, aus dieser Perspektive ist der Verlust von ein paar heimischen Bäumen lächerlich. Aber ich frage mich, welche überprüfbaren und haltbaren Argumente gibt es denn für das Projekt? Warum ausgerechnet eine Privatklinik in einem öffentlichen Park? Weil es den Klinikbetreibern zu Renommee verhilft? Weil der Bürgermeister damit bei der nächsten Wahl punkten will? Wie viel bleibt später vom Park? Partikularinteressen statt Gemeinwohl? Warum will man ein Stück öffentlichen Raum zugunsten von Beton aufgeben? In Hermeskeil stehen diverse Geschäfte im Stadtkern leer. Gut zu erreichen ist die Stadt nur mit dem Auto. Wo sollen Besucher der Klinik einkaufen? In Hermeskeil wohl kaum. Und was sagt man in der französischen Partnergemeinde dazu, dass der Park mit dem Namen St.-Fargeau-Park privaten Interessen geopfert wird? Ich würde gerne im Garten meiner Kindheit eine Baumpatenschaft übernehmen. Ich würde sie Opfern des ehemaligen KZ Hinzert widmen, die auch aus Frankreich kamen. Denn der Garten gehörte einmal dem damaligen Lagerarzt, der falsche Totenscheine ausstellte und damit die Täter schonte. Andrea Kolling, Bremen

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