Ikarus mit fotografischen Augen

TRIERWEILER-FUSENICH. In seinem Fotolabor stehen Geräte für alle chemischen und fototechnischen Analysen im Wert von über 100 000 Euro. Die Regale in seinem Atelier sind mit fotografischen Raritäten überladen. Doch Medienfachmann Klaus Meis ist wegen seiner vielen Berufungen öfter auf Reisen als in seinen Arbeitsräumen.

Klaus Meis macht seit Jahrzehnten Luftbilder und kennt die Trierer Region besser von oben als von unten. Als aktiver Segelflieger hat er neben den notwendigen scharfen fliegerischen Augen als professioneller Fotograf auch den kreativen Blick für die richtigen Motive aus der Vogelperspektive. Das Buch "Trier und seine Regionen im Luftbild" aus dem ehemaligen Spee-Verlag in Trier enthält viele seiner eindrucksvollen Aufnahmen. Meis erinnert sich an eine dramatische Situation: "Bei Luftaufnahmen über dem Otzenhausener Keltenring kam uns eine ,Phantom' auf Kollisionskurs entgegen. Zum Glück haben mein Pilot und der Jetpilot blitzschnell richtig reagiert." Klaus Meis sitzt auf vielen Stühlen

Ein Luftbild der Igeler Säule sei damals nicht genehmigt worden, weil ein französisches Munitionsdepot mit auf dem Foto war, sagt Meis. Der seit 1998 pensionierte Oberstudienrat unterrichtete über 20 Jahre an den Berufsbildenden Schulen für Gewerbe und Technik Trier in der Kunst des Fotografierens. Viele seiner damaligen Schüler seien ausgezeichnete Fotografen geworden und hätten Preise bei Fotowettbewerben gewonnen, sagt Meis stolz. Ein Buch seines ehemaligen Schülers Sven Nieder gefällt ihm besonders. Nieder dokumentierte mit einer selbstgebauten Lochkamera (Camera Obscura) seine fotografischen Eindrücke auf dem Jakobs-Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Meis berichtet von seinen ersten fotografischen Versuchen: "Als Jugendlicher habe ich für die Landeszeitung und den TV Fotos über Dorffeste, Jubiläen und andere Veranstaltungen gemacht." Seine Tätigkeiten im Bundesgremium für Schulfotografie, in Prüfungsausschüssen für Fotografen, bei der Deutschen Gesellschaft für Photografie, bei Fotofachzeitschriften, beim Fußballverband Rheinland und anderen Vereinen hielten "ihn ständig auf Trab", sagt Meis. Er ist als Medienfachmann während seiner fast 40-jährigen Tätigkeit in vielen Funktionen "kreuz und quer durch Europa gereist". Er weist auf etwas ganz entschieden hin: "Ich mache meinen Berufskollegen in der Umgebung keine Konkurrenz. Ich stelle Lehrmaterial für alle Bereiche der Fototechnik zusammen und bringe dieses Wissen an den Mann." Die Teilnehmer seiner Fotokurse an der Volkshochschule Trier kennen ihn seit drei Jahrzehnten und Meis schätzt die Zahl "auf einige tausend". Meis war auch bei den Fotoausstellungen in den Trierer Partnerstädten Ascoli Piceno, Herzogenbusch, Weimar, Pula und Metz dabei. Er gründete zusammen mit engagierten Amateuren und Fachleuten im Dezember 1999 die Fotografische Gesellschaft Trier e.V. mit heute rund 80 Mitgliedern ( www.foto-trier.de). Gerade kam er von einer Fotoausstellung "Trier feiert - Trier 2020 und mehr" von Mitgliedern der Fotografischen Gesellschaft Trier im Mainzer Landtag zurück, wo auch seine Fotos zu sehen sind. Er ist seit rund 30 Jahren öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für analoge und digitale Medien und wird oft von den Gerichten bei Streitsachen als Gutachter berufen. Ein Fall bleibt ihm besonders in Erinnerung: "Die Weltbank lieferte audiovisuelle Geräte an tunesische Schulen und Unis, und ich musste ein Gutachten über die fehlerhaften Geräte erstellen." Einmal musste er ein Foto eines Berufskollegen über seinen angeblich unverschuldeten Unfall nachstellen und das Ergebnis war genau das Gegenteil. "Der ist mir heute noch spinnebös", sagt Meis, "aber es war die Wahrheit". Schwierig und zeitaufwändig seien Gutachten über große fototechnische Geräte, die oft in ihre Einzelteile zerlegt würden. Begeistert erzählt er von seinen beiden Hobbys: "Ich bin seit 30 Jahren Fußballschiedsrichter und passionierter Fliegenfischer." Seine internationalen Einsätze als Jugendschiedsrichter führten in durch ganz Europa. In seiner knappen Freizeit gehe er zum Fliegenfischen an die Prüm, verrät er lachend. Die Freizeit für dieses Wochenende ist bereits verplant, denn Meis sitzt auf gepackten Koffern für einen Fototrip nach Thüringen.

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