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Im April kommt der Abrissbagger

Rascheid. Mit dem Abriss des Hauses Nonninger wird im April nicht nur ein Schandfleck im Dorfkern von Rascheid beseitigt. Diese Arbeiten markieren zugleich den Auftakt für das größte und mit knapp 440 000 Euro auch kostspieligste Bauvorhaben, das es seit 30 Jahren im 500-Einwohnerort gab. Denn die Gemeinde wird an dieser Stelle die neue Dorf- und Kulturscheune errichten. Axel Munsteiner

Rascheid. Auch ohne Windräder finanziell gesund und frei von Schulden: So ließ sich bisher die Situation der Gemeinde Rascheid beschreiben, die damit zu den Ausnahmeerscheinungen in der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil zählte. Die Rascheider haben sogar so sparsam gewirtschaftet, dass sie Geld auf die hohe Kante legen konnten. Die Gemeinde verfügt über eine Liquiditätsreserve, die aktuell 212 000 Euro beträgt.
Im nächsten Monat packt die Gemeinde aber ein Projekt an, mit dem sie ihr Erspartes nicht nur komplett aufbrauchen wird. Sie muss dafür sogar bei den Banken einen Kredit aufnehmen. Es geht dabei um die Errichtung der Dorf- und Kulturscheune (siehe Extra). Dieses Vorhaben drückt dem vom Rat einstimmig verabschiedeten Doppeletat 2013/14 den Stempel auf.
Alles in allem wird die Dorfscheune knapp 440 000 Euro kosten. Ein so großes Projekt hat es nach Aussage von Gemeindechef Andreas Ludwig "schon 30 Jahre nicht mehr im Ort gegeben. Wir stehen aber finanziell noch relativ gut da. Deshalb tut es uns auch nicht ganz so weh".
Schandfleck verschwindet


Doch bevor in der Raiffeisenstraße die Arbeiten am Neubau beginnen, fahren im April zunächst die Abrissbagger vor. Denn die Dorfscheune wird an der Stelle hochgezogen, an der bis dato das Haus Nonninger steht. Dieses alte Bauernhaus steht seit langem leer und verfällt. Deshalb wird der "Schandfleck" im Herzen von Rascheid dem Erdboden gleichgemacht.
Ludwig ist in diesem Zusammenhang der Hinweis wichtig, dass derzeit überall in der VG viel über den Kampf gegen das Ausbluten der Ortskerne nachgedacht wird. Die VG plant deshalb bekanntlich einen Fördertopf, der Privatleuten einen finanziellen Anreiz bei der Sanierung oder beim Bau von Häusern in zentraler Ortslage bieten soll. Ludwig sagt: "Die Gemeinde Rascheid will beim Thema Dorfinnenentwicklung mit gutem Beispiel vorangehen und den Bürgern zeigen, was man in diesem Bereich machen kann."
Wegen dieses Akzents müssen die Rascheider das Vorhaben auch nicht komplett aus der eigenen Tasche bezahlen. Die Gemeinde kommt in den Genuss eines Zuschusses aus dem sogenannten Leader-Programm, mit dem die Europäische Union (EU) die Entwicklung im ländlichen Raum fördert. Die Finanzspritze aus Brüssel beträgt 140 000 Euro.
Somit muss die Gemeinde Rascheid selbst noch knapp 300 000 Euro schultern. Dafür nutzt sie die Liquiditätsreserve von 212 000 Euro und leert damit sozusagen ihr Sparschwein.
Der Rest wird über Kredite finanziert. Da im laufenden Geschäft laut Haushaltsplan 2013 ein Defizit von 53 000 Euro entstehen wird, steigen die Schulden von null auf voraussichtlich 161 556 Euro. Gemessen an der Einwohnerzahl entspricht das einer Pro-Kopf-Verschuldung von 346 Euro. "Das liegt aber immer noch am untersten Level in der VG", betont Stefan Gorges von der Finanzabteilung im Hermeskeiler Rathaus. Zum Vergleich: In der Stadt Hermeskeil liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei 1120 Euro. Bis Ende des Jahres soll die neue Dorfscheune in Rascheid fertig sein, sagt Ludwig.

Extra

Nach dem Abriss des Hauses Nonninger wird in der Raiffeisenstraße ein zweigeschossiges Gebäude in Holzkonstruktion mit einer Grundfläche von 150 Quadratmetern errichtet. Die eine Hälfte des Neubaus wird im Stil einer klassischen Scheune gestaltet. Die andere erhält eine Putzfassade. Herzstück des Neubaus ist ein Multifunktionsraum im Scheunentrakt. Er soll für Veranstaltungen der sieben Vereine oder für die Kirmes dienen. Im Neubau werden außerdem das Bürgerbüro und das Dorfarchiv/Bücherei untergebracht. Es gibt einen Raum, in dem die Vereine ihre Utensilien deponieren können, einen Werkraum, eine kleine Küche und Toiletten. Rascheid ist in der VG Hermeskeil der einzige Ort ohne eigenes Bürgerhaus. ax