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Im Hunsrückhaus biegen sich die Balken

Im Hunsrückhaus biegen sich die Balken

Als Modellhaus für moderne, umweltgerechte Bauweise ist das Hunsrückhaus vor 15 Jahren gebaut worden. Ein Besucher hat nun Risse und Biegungen in der Dachkonstruktion bemerkt. Statiker versichern: Es besteht keine Gefahr.

Erbeskopf. Eigentlich war er in den Hunsrück gekommen, um Urlaub zu machen. Aber das Auge eines Experten ruht auch im Urlaub nicht. Und so machte Johann Müller, Diplom-Holzwirt aus Dörpen im Emsland (Niedersachsen), im Hunsrückhaus eine Entdeckung, die dem Laien eher verborgen bleibt.
Bei dem Besuch des Umweltzentrums, das auch als Tor zum frisch eingeweihten Nationalpark dient, fiel ihm auf, dass sich die tragenden Holzbalken, sogenannte Brettschichtholzträger, die das Dach des Haues tragen, durchbiegen. Mehr noch: An einer Stelle konnte er sogar Risse entdecken. Das ließ Müller keine Ruhe, denn der Holzwirt ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Holz an der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, wo er ebenfalls Holz auf Schäden hin untersucht und zudem als Fachjournalist arbeitet.
"Es wundert mich eigentlich nicht, dass sich solche Träger auf Dauer ein wenig durchbiegen, immerhin ist das Dach des Hauses bepflanzt. Wenn das Erdreich durchnässt ist, kommt schon einiges an Gewicht zusammen", sagt er gegenüber dem TV. So etwas sei mitunter ein normaler Vorgang, der bei der Statik mit berücksichtigt werde. Aber auch dafür gibt es Grenzen, so der Experte. Müller schrieb daraufhin - das war im April - das Hunsrückhaus an und bat um Auskunft. Die Leitung des Hauses antwortete ihm und verwies darauf, dass die Bauleitung der Verbandsgemeinde zuständig sei. Beim Besuch vor Ort zeigt sich, dass die Balken tatsächlich leicht durchgebogen sind. Das bestätigt auch die Leiterin des Hunsrückhauses, Almuth Brandstetter.
Marc Hüllenkremer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang, weist darauf hin, dass es eine Überprüfung durch einen Statiker gegeben habe. Die Durchbiegung sei noch im Rahmen des statisch zumutbaren. In dem Gutachten, das dem TV vorliegt, wurde in der Mitte eine Durchbiegung "von bis zu fünf Zentimetern gemessen". Die grundsätzlich empfohlene Durchbiegung der Träger liege nach DIN bei 2,7 Zentimetern.
Im Einzelfall müssten diese Werte jedoch zwischen Bauherren und Planern individuell vereinbart werden. Das Gutachten stellt daher fest, dass in diesem konkreten Fall nur das optische Erscheinungsbild beeinträchtigt wird. Das führe "jedoch nicht zum Verlust der Gebrauchsfähigkeit". Aus statischer Sicht bestehe "kein Handlungsbedarf". Bei den sichtbaren Rissen handele es sich um solche, die durch allgemeine Schwankungen der Raumtemperaturen verursacht werden. Fest stehe: "Eine Einsturzgefährdung der Dachkonstruktion liegt nicht vor."
Die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich erläutert dem TV auf Nachfrage, dass bei öffentlichen Bauten im Nachhinein grundsätzlich keine Kontrollen hinsichtlich Statik und Sicherheit durchgeführt werden. Für den ordnungsgemäßen Bau sei grundsätzlich der Besitzer verantwortlich. Das vor 15 Jahren gebaute Hunsrückhaus ist inzwischen in manchen Bereichen veraltet (der TV berichtete mehrfach). Die Bodenbeläge sind verschlissen und die Diaprojektoren und Computer der Dauerausstellung müssten erneuert werden. Allein das würde 20 000 Euro kosten, schätzt Hausleiterin Almuth Brandstetter.Extra

Das Hunsrückhaus dient als Umweltzentrum am Erbeskopf. Es zählt jährlich 20 000 Besucher. 130 Events werden dort veranstaltet, von der Tagung bis zur Kräuterwanderung. Auch die Nationalpark-Ranger sind im Hunsrückhaus ausgebildet worden. Neben der Ausstellung und dem Angebot von Workshops locken auch ein Hochseilgarten, eine Sommerrodelbahn, Routen für Wanderer und Mountainbiker und im Winter natürlich das dazugehörige Skigebiet. hpl