Im Kunstlabor

In loser Reihenfolge stellt der TV Künstler aus Saarburg und Umgebung vor. Das können Maler, Bildhauer, Musiker, Winzer oder Lebenskünstler sein. Die Serie startet mit Cordue (sprich: Kordü), die in einer alten Metzgerei im Kunohof ihr Labor Scintilab hat.

Saarburg. Die alte Fleischerei im Kunohof ist beliebt. Früher gab es dort leckere Fleischwaren und Wurst. An diese Zeit erinnern nur noch die weißen Fliesen, ein Verkaufstresen samt Waage und ein Metzgermesser, das in einer Schublade liegt.Saarburger Künstler

Immer wieder grüßen Fußgänger in den alten Laden hinein, manchmal kommt auch jemand rein und hält mit Cordue einen Plausch. "Oft trifft sich hier die ganze Nachbarschaft in meinem Labor", erzählt die lebhafte Künstlerin. Das Labor heißt Scintilab und ist Cordues Atelier. Oft sieht man, wie sie mit einem Pinsel an einem Bild arbeitet. "Zur Malerei bin ich erst nach meinem Kunststudium in Bremen gekommen", sagt Cordue. Vorher habe sie viel mit Papier und Schablonen gearbeitet. Immer wieder hat sie auch Skulpturen geplant und realisiert. "Wobei: Gekritzelt habe ich auch schon als Kind", ergänzt sie selbstironisch. Das durfte die Linkshänderin auch mit der linken Hand, schreiben war nur mit der rechten erlaubt..Eine ihrer Arbeiten steht vor der Saarburg: der Thron der Melusine. Sie hat hier eines ihrer künstlerischen Leitthemen in die Gegenwart übersetzt. Im Fall der Melusine ist das die Ehefrau von Saarburgs Stadtgründer Graf Siegfried, die der Legende nach eine Meerjungfrau war. Oder ihr Elefant Rainy Days, der Teil der luxemburgischen Elefantenparade ist. Kunst hat für die Künstlerin, die Mitte Fünfzig ist, immer auch eine philosophische Dimension. "Das liegt sicherlich auch an meiner Ausbildung an der Hochschule für Kunst und Musik", wo es ihrem Dozenten vor allem darum ging, Texte in Kunst zu übersetzen.Einstieg in die Abstraktion

Zurzeit entstehen im Atelier Bilder mit im Raster aufgetragenen Punkten. "Es ist das erste Mal seit mehr als 30 Jahren, dass ich wieder abstrakt arbeite", erzählt Cordue. Den Anstoß dazu gab ihr Sohn, der Mathematiker ist. Er war auf der Suche nach einer Illustration für das Cover seiner Promotionsarbeit. Lange hätten sie über das Thema hin- und herdiskutiert. Und ja, stolz ist sie, dass er ihr Bild ausgewählt hat.Außer im Scintilab kann man die Malerin auch in der Saarburger Kinder- und Jugendkunstschule treffen. Oder auf einer Kreuzfahrt, wenn sie mal wieder als Reiseleiterin unterwegs ist. Dann ist die Kunst-Metzgerei zu.Extra

Mit welchem Künstler identifizieren Sie sich am meisten? Cordue: Sigmar Polke, Rebecca Horn, Edward Hopper, Katsushika Hokusai und Giotto. Ihre Lieblingskünstler? Cordue: Siehe die vorige Antwort. Ihr glücklichster Moment als Künstler? Cordue: Wenn ich den ersten und den letzten Strich auf einem Bild male. Dazwischen liegt die Qual. Über welches Talent würden Sie gerne verfügen? Cordue: Ich würde gerne Musik komponieren und spielen. Das ist mein Plan B für mein nächstes Leben. Momentan komme ich viel zu selten dazu, meine Trompete zu spielen. Ihr Motto? Cordue: "Carpe diem" (Fange den Tag) und "Kunst ist Frage, keine Antwort". itz