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Imker Günther Emmerich wil Hornissennest öffentlich präsentieren.

Natur : Das Nest der summenden Ingenieure – Imker aus Niederleuken präsentiert Hornissennest

Imker Günther Emmerich aus Niederleuken hat in Ayl ein Hornissennest geborgen und will es nach Corona öffentlich präsentieren.

Der Hilferuf kam aus Ayl. Der dortige Ortsbürgermeister Siegfried Büdinger bat den Niederleukener Imker Günther Emmerich im Mai des vergangenen Jahres ein Hornissennest auf der Lambertuskapelle zu entfernen. Büdinger war alarmiert, weil es dort Publikumsverkehr gibt, und Hornissen oft für gefährlich, das heißt stechfreudig gehalten werden, obwohl ihre Stiche nicht giftig sind und nur ganz selten allergische Reaktionen ausgelöst werden (siehe Info).

„Hornissen sind nicht gefährlich“, versicherte ihm der 82-jährige Imker mit Langzeiterfahrung. Seit 1974 betreibt er dieses Hobby. Emmerich klärte Büdinger über den strengen Naturschutz bei dieser Insektenart auf und sagte voraus: „Im Herbst ziehen die sowieso aus ihrem Nest aus.“ Der Umgang mit Hornissen war für ihn eine Premiere, denn bisher hatte er, unterstützt von seinem Enkel Daniel (31), nur Wespennester umgesiedelt.

Der gelernte Tischler baute zu Hause einen passenden Glaskasten, in dem er das Nest, nachdem die Hornissen tatsächlich ausgezogen waren, aufbewahren und nach Corona dann auch präsentiertieren kann. Er hat es mit einer Feinsäge in der Mitte durchtrennt, damit der sehr interessante Innenaufbau sichtbar wird. „Auf Märkten, in Museen, oder auch Schulen kann ich dieses Wunderwerk zeigen“, sagt der Imker, natürlich erst nach Corona.

Geht man näher heran, sieht das Nest innen aus wie ein Bergwerk, mit Stollen und Strecken, abgestützt mit Balken. „Unten wohnen die Königinnen, oben das Volk“, erklärt der Imker dem TV, und ist voller Bewunderung für die Baukunst. Er fragt sich: „Wer hat diesen Tieren das wohl beigebracht?“

Sogenannte „Schwarmintelligenz“ wird Insekten nachgesagt, das ist Handeln nicht als Individuum, sondern als Einheit. „Das zu beobachten ist die eigentliche Faszination an der Imkerei“, freut sich Günther Emmerich. Im Laufe eines Jahres können in einem großen Hornissennest bis zu 700 Tiere leben, belegt er mit einer Fachzeitschrift.

Über der Glasvitrine mit dem Nest hat der Niederleukener Imker eine Schrifttafel mit dem Bild der Kapelle und der ersten Baumeisterin, der Hornisse „Linda“, montiert. „Linda“ – so hat er sie getauft, weil am Ort ihrer Entdeckung so viele Lindenbäume stehen – erzählt auf dieser Informationstafel selbst, wie sie das „neue Baugrundstück“ ausgesucht hat.

Papier, Baumrinden und vieles mehr wurde mit Speichel gemischt und an den obersten First der Kapelle in neun Metern Höhe geklebt. Hinein wurde das erste Ei gelegt. Die „Villa“, wie Emmerich sie nennt, wuchs im Laufe des Sommers auf sechs Etagen. Aus 200 Zellen schlüpften Hornissen-Königinnen. Bis zu 20 von ihnen dürften den Winter in ihren Verstecken, oft hinter Baumrinden oder Holzverschalungen, überleben und sich im Frühling ein neues Baugrundstück suchen. Aber immer woanders, vielleicht auch mal in einem Vogelhäuschen.