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Immer mehr tierische Findelkinder

 Findelkinder: Kassenwartin Roselinde Schmitt mit einer Nilente und der zweite Vorsitzende Jürgen Meyer mit einem Schwan. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Findelkinder: Kassenwartin Roselinde Schmitt mit einer Nilente und der zweite Vorsitzende Jürgen Meyer mit einem Schwan. TV-Foto: Herbert Thormeyer FOTO: Herbert Thormeyer (doth), Herbert Thormeyer ("TV-Upload Thormeyer"
Saarburg/Wiltingen. Vögel und Vierbeiner neben der Arbeit zu versorgen und zu pflegen, wird für die Naturschützer des Wildtierzentrums mit den Standorten Saarburg und Wiltingen zunehmend zum Problem - zeitlich, finanziell und emotional. Immer mehr Fundtiere werden abgegeben. Ehrenamtlich sei das nicht mehr zu schaffen, sagen die Vereinsmitglieder. Herbert Thormeyer

Saarburg/Wiltingen. Ein Turmfalke liegt am Straßenrand, ist flugunfähig und völlig verwahrlost. Die einzige Rettung: Das Wildtierzentrum in Saarburg und Wiltingen, das für die gesamte Region Trier zuständig ist. Auf Facebook ist zu sehen, wie er wieder in die freie Wildbahn entlassen wird. Wolfgang Klotzbücher, Vorsitzende des Wildtierzentrums, sagt: "70 Prozent der bei uns abgegebenen Tiere können wir, wenn sie wieder gesund sind, in die Freiheit entlassen." Auf diese Zahl ist er stolz.
Mehr als 1100 Tiere pro Jahr


Doch seine Helfer kommen immer mehr an ihre Leistungsgrenze. "Das ist doch eine öffentliche Aufgabe", sagt die Kassenwartin Roselinde Schmitt. Sie ist die Herrin der Zahlen im Verein. Der erschreckendste Posten: 30 000 Euro insbesondere für Futter, Tierärzte und Medikamente. Das Land schießt 30 Prozent zu, die 130 Mitglieder zahlen ihren Beiträgen und es kommen Spenden, aber: "In diesem Jahr sind es schon wieder rund 1100 Tiere, vom Zaunkönig über Uhus, Spitzmäuse bis zu Rehen, Sieben- und Gartenschläfern." Erst im Vorjahr hatte der Verein mit 1197 Tieren einen Rekord aufgestellt. Der zweite Vorsitzende Jürgen Meyer nennt die Ursachen, die meist menschengemacht sind: "Unfälle, nicht erkannte Fensterscheiben, Stacheldraht, streunende Katzen und klebrige Fliegenfänger." Der Helfer erzählt von einer Fledermaus, die ein Insekt an einem solchen klebrigen Streifen fangen wollte und selbst nicht mehr davon loskam. Anfang der 2000er Jahre wurde der Verein noch vom Naturschutzbund unterstützt, doch diese Geldquelle versiegte. Was also tun?
Vorsitzender Klotzbücher sagt ganz klar: "Wir brauchen jemanden, der sich in Vollzeit und hauptberuflich um die Tiere kümmert." Mit Praktikanten oder Studenten sei das Problem nicht zu lösen, denn für diese Arbeit sei Sachverstand und vor allem Erfahrung nötig. Und die hat im Verein nur einer: Jürgen Meyer. Der Maler und Lackierer, der in Luxemburg arbeitet, würde den Job gerne übernehmen, wohl wissend, dass diese Entscheidung mit Einkommenseinbußen verbunden ist.
Man brauche neue Geldquellen, sagt Vorsitzender Klotzbücher. Bis zum Jahreswechsel müsse eine Entscheidung fallen, denn sonst gehe es einfach nicht mehr. Klotzbücher: "Es ist ja nicht nur die Fütterung, die manchmal im Zweistundentakt rund um die Uhr erfolgen muss, und das Saubermachen. Da sind auch die vielen Leute, die 1000 Tiere gebracht haben und immer wieder anrufen und wissen wollen, wie es denen geht." Und wieder planen die Tierschützer Neues: Am Sonntag, 25. September, wird eine neue Wasservogelstation mit Naturteich eröffnet, damit sich Schwäne, Enten und Gänse besser von ihren Strapazen erholen können.Extra

Das Wildtierzentrum lädt für Sonntag, 25. September, von 12 bis 18 Uhr zum Tag der offenen Tür nach Saarburg ein. Es gibt einen Flohmarkt mit Second-Hand-Sachen. Essen und Getränke werden angeboten. Zudem gibt es Spiele, Spaß und Musik. Der Erlös der Veranstaltung geht zugunsten des Wildtierzentrums. Spendenkonto: Um die enorme finanzielle Belastung zu mindern, bitten die Wildtieraktivisten um Spenden zur Rettung ihrer Schützlinge auf das Konto der Sparkasse Trier: 121032015; IBAN: DE 17 5855 0130 0121 0320 15; BIC TRISDE55. doth

 Er fühlt sich wohl im Greifvogelpark Saarburg: Kuckuckskauz Gandalf. Foto: Johannes Steffen
Er fühlt sich wohl im Greifvogelpark Saarburg: Kuckuckskauz Gandalf. Foto: Johannes Steffen FOTO: (h_sab )