Immer nur lächeln

GUSTERATH/TRIER. Nun steht er wieder auf den berühmten Brettern, die die Welt bedeuten. Ferry Seidl ist nach 20-jähriger Theaterabstinenz zurückgekehrt. Der Operettentenor und Entertainer wird in den nächsten Monaten nochmals sein Können beweisen.

Dort, wo er vor 20 Jahren mit dem Theaterspiel aufhörte, findet er jetzt auf Anhieb wieder Anschluss an seine einstige Karriere. Am Stadttheater in Trier ist Seidl bis Ende Mai in zwölf Vorstellungen der von Emmerich Kalman stammenden Operette "Die Csardasfürstin" in der Rolle des Feri Bacsi zu sehen und zu hören. "Die Rolle ist mir wie auf den Leib geschrieben", freut sich der Sänger, der mit Frack, Zylinder und Gehstock über die Bühne wirbelt und singt. In Trier hatten sie sich der Fähigkeiten Seidls erinnert und ihn gebeten mitzuspielen. Gerne übernahm er die neue Aufgabe. Mit offenen Armen, "als der verlorene Sohn", empfingen ihn ehemalige Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne. "Die Premiere am 29. Januar ist bereits ausverkauft", freut er sich. Im Kreis der vielen Mitwirkenden fühlt er sich sehr wohl, obwohl bei den Proben ständig Höchstleistungen gefordert sind. "An den Acht-Stunden-Tagen verlangen Intendant Gerhard Weber als Regisseur und Dirigent Christoph Jung vollen Einsatz." Von 1981 bis 1985 arbeitete er unter dem Künstlernamen Ferenc Bajor schon im Trierer Stadttheater. Doch dann schlug der Musik- und Deutschlehrer einen anderen Weg ein. Der führte ihn an die Stefan-Andres-Realschule in Schweich. Schluss war mit dem Theaterspiel. Der Tenor brachte den Kindern musikalisches Wissen und Können bei und gründete 1991 zusammen mit Christian Botzet aus Mehring die Big Band "Art of Music". Der Künstler ("Ich bin etwas über 60 Jahre alt") unterrichtete bis 2000 an der Schule. In seiner Freizeit spielt er Klavier, lernt die englische Sprache und macht sich in Garten und Haushalt nützlich. Ganz klar, dass er regelmäßig seine Stimme bei Auftritten erklingen lässt, die ihn bis nach Amerika führen. Ferry Seidl, in Ungarn geboren, studierte Musik und Operngesang am Bartok-Konservatorium in Budapest. Danach gab er sein künstlerisches Debüt in Kaposvar als Operettentenor. In Ungarn war er bald als Gasttenor sehr gefragt. Es folgten Verpflichtungen wie zum Beispiel in die "Sommerarena Baden" oder ans Raimund-Theater in Wien. Dort war er Partner von Marika Rökk (Die Csardasfürstin), Paul Hörbiger (Wiener Blut) und Fritz Muliar (Die Fledermaus). Neben einigen Fernsehshows wirkte er im Spielfilm "Der brave Soldat Schwejk" mit. Weitere künstlerische Stationen waren Hildesheim, Ulm, Oberhausen, Enschede, Regensburg, Würzburg, Braunschweig, Wuppertal, Bielefeld, Kiel, Freiburg, Kaiserslautern und Trier. Die Werke "Die lustige Witwe", "Der Graf von Luxemburg" oder "Die Zirkusprinzessin" waren und sind für Seidl prächtige Möglichkeiten, sein Können zu beweisen. In seiner aktuellen Solo-CD mit dem Titel "Immer nur lächeln" präsentiert er einen Querschnitt seiner größten Erfolge. Zu hören sind unter anderem "Die Musik der Nacht" aus dem Phantom der Oper, Franz Lehárs "Heut geh' ich ins Maxim" oder auch Augustin Laras berühmtes "Granada".