Improvisieren ist ihre Stärke

Der Saarburger Unternehmer Uwe Moske will anderen Firmeninhabern Mut machen. Migranten einzustellen und im Betrieb zu integrieren kann gelingen, sagt er und verweist auf seine Mitarbeiter aus Sri Lanka Path und Kana Sinnapu.

Saarburg. Für Uwe Moske ist es keine Frage. Seine beiden Mitarbeiter Path und Kana Sinnapu aus Sri Lanka gehören ganz selbstverständlich zum 23 Mitarbeiter zählenden Team seiner Glaserei. "Sie sind Saarburger", sagt er. Es sei überhaupt kein Problem gewesen, sie vor rund 21 Jahren zu integrieren. Auch wenn es sprachlich nicht so ganz rund lief oder heute noch manchmal schwierig ist, kein Problem für Moske: "Wir haben Hände und Füße und zur Not sprechen alle ein wenig Englisch."
Moske will auch andere Unternehmer ermutigen, Migranten einzustellen. Voraussetzung sei natürlich, dass diese arbeiten wollten. Die Sinnapus wollten. Das wusste Moske. Denn sie hatten zuvor schon in einer Schreinerei gearbeitet, die schließen musste. Moske hat die beiden übernommen. Er ist angetan von der Improvisationskunst der Tamilen. "Die beiden können aus wenig viel machen. Noch nie haben sie gesagt: Das geht nicht." Bei diesem Satz lachen die Schreiner, die laut Moske von Kunden auch schon mal explizit angefordert werden. Der 55-jährige Kana Sinnapu scheint die Improvisationskunst zur Perfektion gebracht zu haben. Moske nennt ein Beispiel: "Selbst wenn ein uraltes Fenster kaputtgeht, für das es keine Ersatzteile mehr gibt: Kana kriegt das hin."
Das Können der Brüder ist nicht nur Zufall. In ihrer Heimat haben die beiden zur Kaste der Schreiner gehört. Auch andere Berufe seien in Kasten organisiert gewesen, wie Fischer, Maler und Friseure, erklärt Kana Sinnapu. Für die Brüder bedeutete die Kastenzugehörigkeit, dass sie das Handwerk schon von Kind auf lernten. "Nach der Schule mussten wir unserem Vater immer helfen", sagt Path Sinnapu. Auch heiraten sei nur innerhalb der Kaste möglich gewesen. Die Spuren des Kastensystems sind im heutigen Sri Lanka noch immer zu sehen. Der Bürgerkrieg, der Path und Kana Sinnapu wie viele andere Tamilen dazu gebracht hatte, das Land zu verlassen, ist hingegen Geschichte. Er hatte sich aus dem schwelenden Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen entwickelt und von 1983 bis 2009 gedauert.
Für Saarburger Verhältnisse leben Path und Kana Sinnapu ein gewöhnliches Leben. Sie haben beide eine Familie - Path mit zwei, Kana mit drei Kindern - sowie ein Haus. Sie gehen sonntags in die Kirche. Allerdings besuchen sie wenn möglich den nächsten hinduistischen Tempel in Saarbrücken, an dem beide mitgebaut haben. Der 65-Jährige Path Sinnapu sieht die Religionsfrage ganz entspannt. Er sagt: "Welche Kirche es ist, ist nicht so wichtig, alles kommt von Gott."